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Morning BriefingMerz lobt Israel – „machen Drecksarbeit für den ganzen Westen“

Christian Rickens 18.06.2025 - 06:22 Uhr Artikel anhören
Morning Briefing

F&E - Ranking: Die andere Erklärung für den Erfolg der USA / Volkswagen: Robotaxi vor dem Start

18.06.2025
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser

Für den Erfolg eines Unternehmens gibt es viele Faktoren. Aber kaum eine Korrelation ist so gut belegt wie die zwischen hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) und langfristig steigenden Gewinnen. „Hohe F&E-Investitionen können zwar keinen Markterfolg erzwingen“, sagt Henrik Ahlers, Deutschlandchef der Unternehmensberatung EY. „Es zeigt sich aber, dass erfolgreiche Unternehmen überdurchschnittlich viel Geld in Forschung und Entwicklung investieren.“

Umso relevanter sind EY-Berechnungen, die meinem Kollegen Ulf Sommer vorliegen: In keinem anderen Land geben Unternehmen so viel für F&E aus wie in den USA. Die 135 US-Konzerne unter den weltweit 500 forschungsintensivsten börsennotierten Unternehmen investierten im vergangenen Jahr umgerechnet 524 Milliarden Euro in Innovationen.

Die 128 europäischen Unternehmen im Top-500-Ranking kommen dagegen zusammen nur auf 229 Milliarden Euro. Geringer als in den USA ist in Europa auch der Anteil der Forschungsausgaben im Verhältnis zum Umsatz: Bei den US-Unternehmen sind es im Durchschnitt 7,7 Prozent, bei den Europäern nur 5,7 Prozent. Die 31 deutschen Unternehmen im Ranking steckten 2024 sogar nur 5,5 Prozent ihres Umsatzes in die Forschung.

Volkswagen ist zwar Europas Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben – liegt weltweit aber nur auf Platz sieben (siehe Grafik). Ahlers Fazit:

Die Schere zwischen den USA und Europa geht noch etwas weiter auseinander.

Wie viel Geld Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgeben, ist nicht nur für Aktionäre interessant: Neue Produkte und Verfahren sind der beste Weg, um eine reife Volkswirtschaft wie Deutschland produktiver zu machen. Innovationen schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum, ohne dass wir alle immer mehr arbeiten müssen.

Volkswagen präsentiert Robotaxi-Dienst

ID.Buzz AD, VW-Konzernchef Oliver Blume. Foto: VW/Moia; Getty Images

Falls Sie wissen wollen, wohin zumindest ein Teil der Innovations-Milliarden bei Volkswagen geflossen ist – hier ist die Antwort: Gestern hat der Konzern in Hamburg sein erstes vollautonomes Serienfahrzeug präsentiert, den ID.Buzz AD. Bei einer Demonstrationsfahrt fuhr der Bus 20 Minuten lang elektrisch und autonom durch den Hamburger Stadtverkehr, vorbei an parkenden Lieferwagen, Baustellen und engen Kreuzungen. Zweimal hob der Sicherheitsfahrer an Bord entschuldigend die Hand, etwa weil der Bus rasant die Spur wechselte. Eingreifen musste der Fahrer nicht.

Der ID.Buzz AD fährt auf „Autonomiestufe 4“, das heißt: ohne aktiven Fahrer, aber auf festgelegten Strecken. Lenkrad und Pedale sind noch an Bord, nötig wären sie theoretisch nicht mehr. Die Serienzulassung in der EU und den USA wird für Ende 2026 angepeilt, die Produktion soll dann im VW-Werk Hannover anlaufen.

Anders als Tesla oder Googles Robotaxi-Dienst Waymo setzt Volkswagen auf Unternehmenskunden (B2B): Die Fahrzeuge sollen an Flottenbetreiber geliefert werden, einschließlich Buchungsapp und Wartungspaket. Ein Deal mit Uber umfasst zunächst 10.000 Fahrzeuge für die USA. In Europa strebt VW ähnliche Partnerschaften mit Verkehrsverbünden an.

Wenn alles so funktioniert, wie es sich der Konzern vorstellt, wäre das nicht nur endlich mal wieder ein großer Innovationserfolg für Volkswagen – sondern auch ein Produktivitätsschub für die gesamte Gesellschaft.

Und was ist mit den Taxi- oder Busfahrern, die durch Robotaxis in Zukunft weniger benötigt werden? Ich finde: Dafür, dass diese Menschen künftig produktivere und besser bezahlte Jobs finden, trägt die Gesellschaft eine Mitverantwortung. Daran hat es bei vergangenen Produktivitätsschüben oft gefehlt. Bei den Betroffenen entstand Unsicherheit, und aus Unsicherheit erwuchs politische Unzufriedenheit.

Hohes Risiko von Fehlentscheidungen in Teheran

Der Oberster Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Foto: dpa

Israel ist es Insidern zufolge gelungen, bei den anhaltenden Angriffen die wichtigsten militärischen und sicherheitspolitischen Berater des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei auszuschalten. Diese Verluste hätten erhebliche Lücken in seinem inneren Kreis gerissen und das Risiko strategischer Fehlentscheidungen erhöht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf fünf Personen, die mit Chameneis Entscheidungsprozessen vertraut seien.

Seit Freitag wurden mehrere hochrangige Militärkommandanten getötet. Diese Männer waren Bestandteil von Chameneis innerem Kreis, der den Angaben zufolge aus etwa 15 bis 20 Beratern besteht. Ein Insider, der regelmäßig an Treffen mit Chamenei teilnimmt, beschrieb die aktuelle Situation gegenüber Reuters als „äußerst gefährlich“ und wies auf das erhöhte Risiko von Fehlkalkulationen in Fragen der Verteidigung und inneren Stabilität hin.

Merz wünscht sich Regimewechsel

Bundeskanzler Friedrich Merz. Foto: dpa

Für ein erhöhtes Risiko von Fehlkalkulationen in Fragen der Verteidigung und inneren Stabilität braucht das Weiße Haus keine israelischen Luftangriffe. Ein Präsident reicht dafür völlig.

Gestern hat Donald Trump den Iran zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert. Die USA wüssten genau, wo sich Ajatollah Chamenei, aufhalte erklärte Trump. „Im Moment“ wollten sie ihn aber nicht töten.

Später am Abend widersprach der US-Präsident seiner eigenen Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard. Bei seiner Rückkehr vom G7-Gipfel erklärte Trump an Bord der Air Force One, er glaube, dass der Iran „sehr nahe“ an der Fertigstellung einer Atomwaffe sei. Als er darauf hingewiesen wurde, dass Gabbard im März vor dem Kongress ausgesagt hatte, die US-Geheimdienste sähen keine Hinweise auf iranische Arbeiten an einem nuklearen Sprengkopf, entgegnete Trump:

Es ist mir egal, was sie gesagt hat. Ich denke, sie waren sehr nahe daran, eine zu haben.

Trump steigerte damit die Unsicherheit über den Kurs der USA. Er hatte in den vergangenen Tagen nicht ausgeschlossen, dass die USA Israel bei Angriffen auf Ziele im Iran unterstützen könnten.

Aus Sicht von Friedrich Merz macht Israel im Krieg mit dem Iran derzeit „die Drecksarbeit“ für den ganzen Westen. Das sagte der Bundeskanzler in einem ZDF-Interview am Rande des G7-Gipfels. „Ich kann nur sagen, größten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische Staatsführung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen“, sagte er. „Wir hätten sonst möglicherweise Monate und Jahre weiter diesen Terror dieses Regimes gesehen und dann möglicherweise noch mit einer Atomwaffe in der Hand.“

In der ARD ergänzte Merz mit Blick auf den Iran:

Es wäre gut, wenn dieses Regime an sein Ende käme.

Negativzinsen für den Franken?

Das Ergebnis der SNB ist abhängig von Wertschwankungen ihrer Hunderte Milliarden Franken schweren Devisenreserven. Foto: Reuters

In der Schweiz diskutieren Notenbanker und Experten über eine bevorstehende Rückkehr zu negativen Leitzinsen. An den Finanzmärkten laufen Wetten, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) ihren Leitzins von 0,25 Prozent jetzt wieder unter null drücken könnte. Die Volkswirte der Großbank UBS beziffern die Wahrscheinlichkeit eines Comebacks der Negativzinsen auf 20 bis 30 Prozent.

Hintergrund: Die anhaltende Aufwertung des Frankens verteuert die Waren der exportabhängigen Schweizer Wirtschaft auf den Weltmärkten. Außerdem dämpft sie die Inflation, weil Importe günstiger werden. Zusammen mit den gesunkenen Energiepreisen hat das dazu geführt, dass die Teuerung in der Schweiz im Mai auf minus 0,1 Prozent gefallen ist. Für Martina Honegger-Romahn, Portfoliomanagerin bei Allianz Global Investors, spricht das „für eine weitere Lockerung der Geldpolitik“, sprich: sinkende Zinsen.

Mehr Sterne denn je für deutsche Gastronomie

„Betreiber sehen ein Gourmetrestaurant oft als Projekt. Foto: dpa

Mit einem Rekord von 341 ausgezeichneten Restaurants – eines mehr als vergangenes Jahr – würdigt der Guide Michelin die Leistung der deutschen Spitzengastronomie. Erstmals sind gleich zwölf Restaurants mit drei Sternen bedacht worden. Die Neuzugänge in dieser höchsten Kategorie:

  • das „Restaurant Haerlin“ im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten
  • und in München das „Tohru in der Schreiberei“.

Gut angelaufen ist auch die Stern-Reconquista im „Restaurant Überfahrt“ des gleichnamigen Hotels am Tegernsee. 2023 verließ der damalige Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens das Restaurant nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs – mit ihm waren auch die Sterne futsch. Seit September 2024 soll Cornelia Fischer das Restaurant zu altem Glanz zurückführen. Nun hat sie gleichsam aus dem Stand einen Stern erkocht.

Ich wünsche Ihnen einen funkelnden Mittwoch.

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Herzliche Grüße,

Ihr

Christian Rickens

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