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Morning BriefingBestürzend: Streit um Explosion in Gaza

Teresa Stiens 19.10.2023 - 06:00 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Bestürzend: Streit um Explosion in Gaza / Beunruhigend: Sorge um Nahost-Eskalation an der Börse

19.10.2023
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es heißt, im Krieg sterbe zuerst die Wahrheit. Dabei ist das nicht ganz korrekt, sie stirbt nicht tatsächlich. Sie wird nur so lange gedreht, gewendet und beschnitten, bis sie ins jeweilige Weltbild passt. So geschehen auch nach der Explosion an einem Krankenhaus in Gaza am Dienstagabend. Die Terrororganisation Hamas beschuldigte die israelische Armee und sprach von mehreren hundert Toten.

Die US-Regierung hält Israel nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings nicht für die Verantwortlichen der Explosion. Israels Außenminister Eli Cohen forderte von den Vereinten Nationen bekanntzugeben, dass „die palästinensischen Terrororganisationen“ verantwortlich seien. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie in unserem Liveblog.

Was auch immer im Gazastreifen passiert ist – zur Wahrheit gehört wohl, dass es zivile Opfer gab und sich das Leid der Palästinenser weiter vergrößerte. Zur Wahrheit gehört leider auch, dass die Wahrheit, wer dafür wirklich verantwortlich ist, in vielen Köpfen gar keine Rolle mehr spielen dürfte. Die sofortige Schuldzuweisung der Hamas verbreitete sich rasant und ungeprüft über die sozialen Medien. Im Libanon und in Jordanien kam es zu Ausschreitungen bei anti-israelischen Protesten. In Berlin musste das Holocaust-Mahnmal von der Polizei vor Demonstrierenden geschützt werden. In den USA besetzten gestern Abend Protestierende Teile des Kapitols in Washington. Die Demonstranten forderten einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas, angesichts der sich verschärfenden humanitären Krise im Nahost-Krieg.

Protestierende befanden sich am Mittwoch in der Rotunde des Kapitols.

Foto: dpa

Die Explosion überschattete auch den Besuch des US-Präsidenten. Joe Biden bestätigte, das US-Verteidigungsministerium habe ihm Daten vorgelegt, die Israels Unschuld belegen würden. Er nahm am Mittwoch an einer Sitzung des israelischen Kriegskabinetts teil. „Ich möchte Ihnen sagen, dass Sie nicht allein sind“, sagte Biden. Er mahnte aber auch, Israel dürfe von seiner Wut auf den terroristischen Großangriff der Hamas nicht „verzehrt“ werden. Ein Fehler, den die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begangen hätten.

Die US-Regierung fürchtet, dass die vom Iran finanzierte Hisbollah den Krieg nutzen und zu einem Mehrfrontenkonflikt in der gesamten Region ausweiten könnte. Die USA reagieren mit Truppenverlegungen auf die angespannte Lage. Auch die Aktienbörsen lähmt die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Der deutsche Leitindex Dax hat sich seit dem Terrorangriff auf Israel in Summe kaum bewegt, der US-Index S&P 500 ist trotz guter Quartalsberichte der Unternehmen weniger als ein Prozent gestiegen. Stattdessen sind Rohstoffe wie Öl und Gold derzeit gefragt.

Angesichts des Kriegs im Nahen Osten meiden Anlegerinnen und Anleger Risiken.

Foto: Reuters

Einen Eindruck davon, wie vorsichtig Investoren derzeit sind, vermittelt die aktuelle Fondsmanager-Umfrage der Bank of America. Den vollen Umfang des Krieges spiegeln die gestern veröffentlichten Ergebnisse noch nicht wider. Dennoch sehen bereits 23 Prozent der Befragten eine sich verschlechternde geopolitische Lage als größte Gefahr für die Märkte. Bei der Befragung im Vormonat waren es noch weniger als 15 Prozent.

Chinesische Lokomotiven für Österreichs Bundesbahnen (ÖBB)? Ein Szenario, das in Peking wohl größere Freude auslösen würde als in Wien – das allerdings durchaus realistisch ist. Die ÖBB will 200 Rangierlokomotiven kaufen, im Rennen um den Auftrag sind nur noch der Schweizer Hersteller Stadler Rail und das chinesische Unternehmen CRRC.

Das Werben der Chinesen um den österreichischen Auftrag kann als Versuch verstanden werden, sich auf dem europäischen Markt zu etablieren. Die hiesige Industrie wehrt sich dagegen. Sie kämpfen dabei allerdings gegen einen Giganten: Der chinesische Zughersteller CRRC ist der größte Fertiger der Welt mit 160.000 Angestellten und Verkäufen von 28,8 Milliarden Euro.

Bisher gilt es für Europas Staatsbahnen als politisch nicht opportun, sich von traditionellen europäischen Herstellern wie Alstom, Siemens oder Stadler Rail abzuwenden. Doch am Ende könnten Service und Qualität über den chinesischen Einstieg entscheiden. Denn so kritisch das Angebot von CRRC auch gesehen wird – ein weiterer möglicher Zughersteller für Österreichs Züge ist durchaus willkommen. Die ÖBB wartet seit rund einem Jahr auf bei Siemens bestellte Nachtzüge.

Wäre Max Mustermann Geschäftsführer einer GmbH in Deutschland, wäre er männlich, würde 48 Stunden die Woche arbeiten und einen Dienstwagen fahren. Das belegt eine Studie zu aktuellen Gehältern in Unternehmen, die für 50 Branchen die Bezahlung der Geschäftsführungen detailliert auflistet.

Die Auswertung zeigt auch: Für den Chef Max Mustermann wäre 2023 kein gutes Jahr gewesen. Zwar sind die Festgehälter, wie vertraglich festgelegt, leicht gestiegen – die variable Vergütung allerdings orientiert sich am Betriebsgewinn. Und der ist in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft geringer ausgefallen.

Mein Kollege Bert Fröndhoff durchleuchtet in einer großen Analyse den Status Quo deutscher Geschäftsführer. Dabei fördert die Auflistung der bestverdienenden Branchen einige Überraschungen zutage. Im Dienstleistungsbereich etwa liegen Architektinnen und Ingenieure deutlich vor Steuerberatern und Wirtschaftsprüferinnen.

Eine weitere Erkenntnis: Frauen sind in der GmbH-Geschäftsführung nicht nur seltener vertreten, sie verdienen auch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Unterschied liegt je nach Vergütungsklasse im Schnitt zwischen acht und elf Prozent.

Zum Abschluss noch ein Blick nach Niedersachsen, wo das Rotorblatt einer Windkraftanlage aus bislang ungeklärten Gründen einfach abgeknickt und aus 161 Metern zu Boden gefallen ist. Seit Beginn der Woche stehen deswegen insgesamt zwölf Anlagen des Windparks in Alfstedt-Ebersdorf aus Sicherheitsgründen still.

Der Turbinenhersteller GE ist nicht das einzige Unternehmen mit Qualitätsproblemen. Im Fokus stand bislang vor allem sein deutsch-spanischer Wettbewerber Siemens Gamesa.

Für den Betreiber aus Bremen bedeutet jede Stunde Stillstand im Windpark einen Verlust von Einnahmen. Für Journalisten allerdings hat der Vorfall auch etwas Gutes: Das Kontingent an verfügbaren Symbolbildern für die verkorkste deutsche Energiewende dürfte um ein weiteres Exemplar reicher geworden sein.

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Ich wünsche Ihnen einen guten Tag voller vorteilhafter Bilder.

Herzliche Grüße
Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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