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Morning BriefingGeld für die Ukraine von Moskaus Konten

Christian Rickens 23.10.2024 - 06:19 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Geld für Kiew von Moskaus Konten: 50-Milliarden-Paket vor Abschluss

23.10.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

die Pläne, die russischen Zentralbankreserven im Westen für die Ukrainehilfe zu nutzen, sind fast so alt wie Moskaus Angriffskrieg. Nun könnten die Überlegungen zu einem konkreten Ergebnis führen: Ein 50-Milliarden-Euro-Kredit der G7-Nationen steht kurz vor dem Abschluss. Zurückzahlen soll die Ukraine den Kredit mit Zinseinnahmen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten.

„Ich bin dankbar, dass meine amerikanische Kollegin signalisiert hat, dass sich die USA mit 20 Milliarden Dollar an unserer weiteren Unterstützung für die Ukraine wohl beteiligen wird“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Dienstag in Washington. „Das macht den Weg frei für die EU in einer Größenordnung von 18 Milliarden Euro.“

US-Finanzministerin Janet Yellen hatte zuvor gesagt, die USA stünden „sehr kurz davor“, einen 20-Milliarden-Dollar-Beitrag zu einem umfassenderen Kreditpaket für die Ukraine abzuschließen. Final wollen die G7-Finanzminister den Kredit am Freitag am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds in Washington beschließen.

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 halten die westlichen Staaten 260 Milliarden Euro an russischen Zentralbankreserven fest. Knapp 200 Milliarden davon lagern beim belgischen Clearinghaus Euroclear. Jeden Tag fallen darauf Zins- und Anlagegewinne an, die sich auf drei bis fünf Milliarden Euro im Jahr summieren. Mit diesen Erträgen soll die Ukraine ihre Kreditschulden begleichen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner in New York: Der Finanzminister bekräftigt ein neues Kreditpaket für die Ukraine. Foto: Soeren Stache/dpa

Wenn ein Bericht der „New York Times“ zutrifft, dann könnte Lindners Ansprechpartner in Washington demnächst nicht mehr Janet Yellen heißen, sondern Jamie Dimon. Der legendäre Chef der US-Großbank JP Morgan Chase würde laut der Zeitung im Falle eines Wahlsiegs der US-Demokratin Kamala Harris einen Posten in ihrem Kabinett in Erwägung ziehen – möglicherweise den des Finanzministers. Dimon mache dies dem Bericht zufolge nicht öffentlich aus Angst vor Rache, sollte der republikanische Kandidat Donald Trump die Wahl gewinnen.

Die saarländische Landesregierung hat betont, dass sie zu allen Zusagen für den Bau einer Halbleiter-Fabrik der US-Firma Wolfspeed stehe – will aber auch für Alternativen vorbereitet sein. „Ob die Chipfabrik in Ensdorf jetzt zeitnah realisiert wird, entscheiden die beteiligten Unternehmen“, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Barke am Dienstag nach dem angekündigten Rückzug des Unternehmens ZF aus dem Projekt.

Dass Wolfspeed die Fabrik nun allein baut, erscheint ziemlich unwahrscheinlich. Das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen. Seit Monaten hat sich Vorstandschef Gregg Lowe nicht mehr zu dem Projekt im Saarland geäußert. Eine Anfrage des Handelsblatts ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Deutschlands Ambitionen zum Ausbau der Chipfertigung im eigenen Land droht damit ein erneuter Rückschlag. Im September hatte bereits der US-Konzern Intel bekannt gegeben, den Bau eines Werks in Magdeburg für voraussichtlich zwei Jahre auf Eis zu legen – trotz hoher Subventionszusagen.

Milliardenprojekt: Auf dem Gelände in Ensdorf wollten Wolfspeed und ZF eine hochmoderne Fabrik für Energiesparchips errichten. Foto: Wolfspeed

Viele Immobilienexperten sprechen aktuell von einem guten Zeitfenster für den Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung, weil die Zinsen leicht sinken und die Preise noch nicht wieder deutlich anziehen. Lohnt es sich also, jetzt am Immobilienmarkt zuzuschlagen?

Thomas Heiserowski, Co-Chef von Deutschlands größter Baufinanzierungsplattform Europace, sieht zumindest deutliche Anzeichen dafür und nennt sie im Interview mit unserem Immobilienredakteur Julian Trauthig.

Indiz eins: Weniger Preisreduzierungen

„In den härtesten Monaten haben wir bei einem Drittel der Anzeigen auf Immobilienportalen Preisreduzierungen gesehen, mittlerweile sind wir nur noch bei zehn Prozent. Auch die Höhe der Preissenkungen ist geringer geworden.“

Indiz zwei: Angespannter Mietmarkt

„Wenn ich im Laufe des Lebens für eine Familie mit Kindern eine schöne Wohnung mit genug Platz suche, werde ich vielleicht bald nicht mehr fündig. Dann muss ich ins Eigentum gehen.“

Indiz drei: Mehr vermittelte Kredite

„Die Transaktionen über unsere Plattform haben in den vergangenen Monaten wieder um 25 Prozent angezogen, es gibt also spürbar mehr Immobilienverkäufe.“

Thomas Heiserowski: Der Co-Chef von Deutschlands größter Baufinanzierungsplattform Europace beobachtet deutlich mehr Immobilienverkäufe. Foto: IMAGO/photothek/Europace

Heiserowskis Aussagen mögen zum Teil interessengeleitet sein. Schließlich verdient er sein Geld mit dem Vermitteln von Baugeld und nicht mit dem Nicht-Vermitteln. Dafür fällt sein Fazit allerdings sehr vorsichtig aus:

„Wenn ich für mich ohnehin die Entscheidung für die eigene Immobilie getroffen habe, dann ist momentan bestimmt kein schlechter Zeitpunkt. Ich würde nicht darauf wetten, dass es viel günstiger werden wird.“

Es gibt ein Weltkulturerbe, für das Sachsen-Anhalt tatsächlich in der ganzen Welt berühmt ist: das Bauhaus-Areal in Dessau. Als Politiker in Sachsen-Anhalt schlecht über das Bauhaus zu reden, ist daher etwa so, als würde der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein bekunden, dass er keine Fischbrötchen mag.

Insofern beweist die AfD-Landtagsfraktion eine gewisse Chuzpe, falls das jiddische Wort hier gestattet ist, wenn sie nun unter dem Antragstitel „Irrweg der Moderne“ eine „kritische Auseinandersetzung mit dem Bauhaus“ fordert.

Bauhaus-Gebäude in Dessau: Die AfD fordert eine kritische Auseinandersetzung mit der Kunstschule. Foto: AP

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ (MZ) berichtet, soll der Landtag in Magdeburg am Freitag über die Forderung der AfD beraten, beim anstehenden Bauhaus-Jubiläum in Sachsen-Anhalt eine „einseitige Glorifizierung“ desselben zu verhindern. Das Bauhaus ziele nämlich auf eine weltweite „Vereinheitlichung von Kunst und Design“.

AfD-Fraktionschef und Bauhaus-Kritiker Oliver Kirchner müssen wir an dieser Stelle allerdings warnen: Er hat sich laut MZ unter anderem als Fan des Jugendstils bekannt. Unter verschiedenen Namen und Ausprägungen war der um 1900 in ganz Europa verbreitet. Mehr Multikulti-Einheitsbrei geht kaum.

Die Geschichte des Bauhauses in Dessau endete übrigens, als die NSDAP dort die Gemeindewahl gewann und 1932 die Schließung durchsetzte. Das Bauhaus zog daraufhin nach Berlin um, wo es die Nazis 1933 endgültig zur Selbstauflösung zwangen.

Ich wünsche Ihnen einen geschichtsbewussten Mittwoch.

Herzliche Grüße,

Ihr

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