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Morning Briefing Google und Huawei buhlen um die Europa-Cloud

18.11.2020 - 06:14 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

heute ist großer Bahnhof für ein Vorzeigeprojekt des Kontinents. Die Cloud-Allianz Gaia-X sei ein „europäischer Moonshot in der Digitalpolitik“, schwärmte Peter Altmaier, als Wirtschaftsminister zwangsläufig mit Marketendertalent gesegnet.

Nun sollen die Mitglieder der neuen Brüsseler Gesellschaft Gaia-X AISBL präsentiert werden. Auf der Bewerberliste mit mehr als 100 Firmen finden sich Namen, die mit Altmaiers Apollo-Romantik wenig zu tun haben. Etwa Palantir aus den USA, getreuer Paladin von Regierungen, Militärs und Geheimdiensten. Oder Chinas Netzwerkausrüster Huawei. Google, Amazon und Microsoft wollen bei Europas Selbstertüchtigung ebenfalls dabei sein. Immerhin ist der entscheidende Verwaltungsrat ein „Closed Shop“: Dort haben nur europäische Mitglieder das Sagen.
Mit misslungenen Deals hat die Deutsche Börse viel Erfahrung – aber das war, bevor Theodor Weimer CEO wurde. Nun wagt er einen 1,5-Milliarden-Euro-Deal und kauft 80 Prozent der Institutional Shareholder Services (ISS) vom Investor Genstar Capital. ISS berät und vertritt Aktionäre auf Hauptversammlungen. Zudem hat sich die US-Datenfirma – erwarteter Nettoerlös: 280 Millionen Dollar – früh auf Dienste rund um Umwelt- und Gesellschaftskriterien (ESG) bei der Geldanlage spezialisiert. Weimer zeigt sich in Feierlaune: „Die ESG-Expertise und das Leistungsspektrum von ISS auf der Datenseite ergänzen das Geschäftsmodell der Deutschen Börse über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg perfekt.“

Quelle: dpa
Beim Autogipfel geht es sowohl um die Coronakrise als auch um die Transformation der Autoindustrie.

Im Oktober 2019, als er 60 wurde, räsonierte Johannes Teyssen in einem internen Gespräch über Greta Thunberg. Es sei schwierig für ihn, mit jemanden zu diskutieren, der nicht auf die Überprüfung von Fakten setze, sagte der CEO des Energiekonzerns Eon. Typisch Teyssen: Vergesst Heilsversprechen, Empirie ist alles. Nun wird er im Management Platz machen, eine neue Ära wird eingeläutet, vermutlich lange vor dem offiziellen Vertragsende zu Silvester 2021. Das hat mein Kollege Jürgen Flauger erfahren.

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    Dem Diplom-Volkswirt Teyssen, seit 30 Jahren bei Eon und der Vorgängerfirma Veba aktiv, werden Ambitionen auf den Aufsichtsratschefposten nachgesagt. Den neuen CEO wiederum kürt der Aufsichtsrat am 15. Dezember – kurz vor dem vierten Advent soll noch ein Lichtlein mehr für Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum brennen.

    Wie oft ist der Wirtschaftskrieg gegen China ausgerufen worden! Die Realität ist profan und preist ökonomische Gewinne durch Kooperation. So hat Daimler-Benz-Chef Ola Källenius nach unseren Informationen mit seinem Zehn-Prozent-Aktionär Geely aus Hangzhou vereinbart, von 2024 an gemeinsam jährlich Hunderttausende Ottomotoren herzustellen. Das spart einen dreistelligen Millionenbetrag.

    In China übernehmen die Geely-Leute – denen auch Volvo gehört – die Fertigung, Daimler hat die Entwicklungshoheit. Das ganze Projekt heißt sinnreich „Horus“ nach dem ägyptischen Königsgott, der als Falke mit seinen Augen (Sonne und Mond) den Himmel nonstop 24/7 erleuchtet hat. Im Film „Gods of Egypt“ tönt Horus übrigens: „Bald herrsche ich über die ganze Welt!“

    Das nächste deutsch-chinesische Autoprojekt spielt im saarländischen Überherrn, kurz vor der Grenze zu Frankreich. Dort baut SVolt, eine Tochter des BMW-Partners Great Wall aus Baoding, eine Riesenfabrik. Dort sollen von 2023 an kobaltfreie Batteriezellen für bis zu 500.000 E-Autos per anno produziert werden. Eine Modul- und Packfabrik läuft bereits Mitte 2022 im nahen Heusweiler an. 2000 Jobs entstehen.

    Insgesamt sind nun in Deutschland sechs Giga-Werke für die Ära der Elektromobilität in Planung. Autoexperte Wolfgang Bernhart von der Beratungsfirma Roland Berger prophezeit: „Am Ende wird Deutschland mit seiner Gesamtkapazität führend für Batteriezellenproduktion in Europa sein.“

    Quelle: dpa
    Der promovierte Jurist Johannes Teyssen arbeitet seit mehr als 30 Jahren für Eon und das Vorgängerunternehmen Veba. Seit zehn Jahren steht er an der Spitze.

    Zur Förderung des Optimismus spendiert die Bundesregierung gut drei Milliarden Euro an Autopflegemitteln. Jeweils eine Milliarde fließen für die verlängerte Elektroautoprämie, für die Lkw-Branche sowie einen vagen „Zukunftsfonds“. Den Showeffekt der guten Nachrichten teilten sich gestern Abend vier leibhaftige Bundesminister, und zwar eine Viertelstunde vor dem Start des „Autogipfels“ der Regierung mit der PS-Branche. Der beglückte Automobilverband beharrt trotz der vorweihnachtlichen Gaben darauf, dass der Staat für mehr öffentliche Stromauto-Ladesäulen sorgt.

    Der Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages ist ein Buch vom Typ „Regalfüller“: 1024 Seiten Barack Obama, „Ein verheißenes Land“ (Penguin), am gestrigen Dienstag erschienen. Es beginnt mit seiner politisch nicht sehr aktiven Familie, plaudert darüber, wie Paul McCartney im Weißen Haus „Michelle“ sang und endet mit der Tötung von Osama bin Laden 2011.

    Eine Schlüsselstelle: „Die Arbeit liebte ich. Auch wenn sie mich nicht zurückliebte.“ Gut, in der eigenen Bibliothek stehen schon Bill und Hillary Clinton, George W. Bush und Michelle Obama. Und manches in einer solchen Präsidenten-Autobiographie ist kleinteilig und redundant. Aber es lohnt sich doch, seltene Einblicke ins Machtgetriebe und ins Scheitern („Washington so kaputt wie eh und je“) zu lesen. Angela Merkel wird gehuldigt und nie fehlt es an Humor. Als ihn ein Berater im Oktober 2009 weckt und vom Friedensnobelpreis berichtet, fragt Obama nur zurück: „Wofür?“

    Quelle: dpa
    Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Braun persönlich vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin aussagen muss.

    Zwei schlechte Nachrichten für den in U-Haft sitzenden Markus Braun, den Ex-Chef der kapitalistischen Windmühle Wirecard. Zum einen muss er einer Vorladung in den Bundestag nachkommen, der Bundesgerichtshof hat seine Beschwerde dagegen abgewiesen. Zum anderen ist just eine Mail der Münchener Staatsanwaltschaft an den parlamentarischen Untersuchungsausschuss publik geworden, wonach Doktor Braun nach Meinung der Strafverfolger entgegen seiner Dementi in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen sein soll.

    Der Österreicher habe „innerhalb der Bande als Kontroll- und Steuerungsinstanz“ gewirkt. Es habe ein „Teile-und-herrsche-System“ existiert, geprägt von „militärisch-kameradschaftlichem Korpsgeist und Treueschwüren untereinander“. Fast wie bei einem östlichen Nachrichtendienst.

    Und dann ist da noch die honorige, nicht ganz staubfreie Ludwig-Erhard-Stiftung, die genauso eine Auffrischung braucht wie die deutsche Fußball-Nationalelf, die in Spanien mit 0:6 unterging. Während Trainer Joachim Löw auf die Ablösung wartet, hat die Erhard-Stiftung mit dem Christdemokraten Roland Koch einen neuen Chef gefunden. Er ersetzt den ins Abseits geratenen Publizisten Roland Tichy.

    Hessens Ex-Ministerpräsident hatte dreieinhalb Jahre zunehmend glücklos als CEO des Konzerns Bilfinger agiert. Erhards Erben erwarten von Koch klare ordnungspolitische Zwischenrufe. Schon im September 2018 hatte der Jurist gewarnt, dass der Staat darauf zu achten habe, „nicht durch Überreaktion in eine Rolle zu kommen, die sowohl seine Kompetenzen übersteigt als auch die Wettbewerbsfähigkeit einer wichtigen Industrie ruiniert“. Erhard hätte volkstümlich ergänzt: „Die Volkswirtschaft ist kein Patient, den man pausenlos operieren kann.“

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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