Morning Briefing: Kampf der Generationen: Sind die Jungen wirklich faul?

Kampf der Generationen: Sind die Jungen wirklich faul?
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Wenn es eine Weisheit gibt, die über alle Epochen Bestand hat, dann dass die „Jugend von heute“ verdorben und faul sei. Bekanntermaßen schrieb Sokrates rund 400 Jahre vor Christus: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.“ Ein Ausspruch, der auch heute noch viel Zustimmung finden würde mit dem Zusatz: „Die Jugend von heute will nicht mehr arbeiten, sie stellt hohe Ansprüche und priorisiert ihre Freizeit“.
Die sogenannte Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) und die Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964) scheinen sich am Arbeitsmarkt in feindlichen Lagern gegenüberzustehen. „Die Anspruchshaltung vieler in dieser Generation Z geht mir gegen den Strich“, wetterte kürzlich der ehemalige Innen- und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) – selbst Vertreter der Babyboomer-Generation. Doch Generationenforscher Simon Schnetzer verteidigt die GenZ: „Sie wollen nur anders arbeiten, anders motiviert werden“.
Nur wie? Fragen sich viele Arbeitgeber. Denn es steht fest, dass es ohne den Nachwuchs nicht gehen wird – schon gar nicht angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels. Eine vier Tage Woche wäre eine Antwort, für 82 Prozent der GenZ-ler ein Grund, den Job zu wechseln.
Doch was macht der Wunsch nach mehr Freizeit mit einer Volkswirtschaft, die gerade ohnehin in einer tiefgreifenden Schwächephase steckt? Einige Ökonomen prophezeien dramatische Folgen für das Sozialsystem und den Wirtschaftsstandort. Doch die gute Nachricht lautet, dass die Jungen engagiert arbeiten wollen, solange sie wissen, wofür.
Positiv formuliert: Die GenZ stellt sinnloses Schuften für den nächsten Karriereschritt und das größere Auto in Frage. Schaffen es Arbeitgeber aber, den Nachwuchskräften aufzuzeigen, welcher Sinn hinter ihrer Arbeit steckt, dürfte sie dafür mit dem Engagement der Jungen belohnt werden. Vielleicht ja auch ein guter Anreiz für die Führungsetagen, sich selbst einmal diese Frage zu stellen. Dann schaffen es im besten Fall die Boomer und die GenZ, gemeinsam motiviert für dasselbe Ziel zu arbeiten.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat im Interview mit dem Handelsblatt den Telekommunikationsanbietern einen Rüffel erteilt. Die Prüfung von Huawei-Komponenten sei zwar noch nicht abgeschlossen, „aber natürlich sind die Risiken seit Langem bekannt. Unsere Sicherheitsbehörden haben mehrfach vor einseitigen Abhängigkeiten gewarnt“, sagte Faeser. Der Verfassungsschutz äußert bei dem chinesischen Unternehmen ein „Störgefühl“ – aus Sorge vor möglicher Spionage.
Ungeachtet der Kostenrisiken für die Telekommunikationskonzerne würden Komponenten des chinesischen Unternehmens untersagt, wenn „gravierende Sicherheitsrisiken“ bestünden, betonte Faeser jetzt. Sie werde sich auch vom „Kostenargument“ der Anbieter nicht beirren lassen.
Die Bundesinnenministerin Nancy Faeser betont die Gefahr durch einseitige Abhängigkeiten von China.
Foto: ReutersAußerdem äußerte sich Faeser zur AfD: „Die Partei ist offensichtlich ein lohnendes Ziel für russische Einflussnahme in Deutschland,“ schätzt die Innenministerin. Es sei richtig, dass die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet werde – entscheidend sei aber die politische Auseinandersetzung. Eine Zusammenarbeit mit der Partei dürfe es dabei nicht geben – „auch nicht auf kommunaler Ebene“.
Das oft gebrauchte Modewort „Transformation“ beschreibt schlicht eine grundlegende Veränderung – und Veränderung kann Angst machen. Wenn also das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen Transformationsatlas der Industrie erstellt, lässt sich daran auch erkennen, welche Regionen potenziell unter der stärksten Verlustangst leiden. Die wirtschaftliche Transformation kann dann auch mit einer politischen einhergehen – wenn es Populisten gelingt, aus den Zukunftssorgen der Menschen Kapital zu schlagen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Auswertung des IW, welche Kreise und Städte in Deutschland von der industriellen Transformation betroffen sind, besonders spannend. Dabei unterscheidet die Studie in Betroffene der Energie-Transformation und Betroffene der Auto-Transformation. Grob gesagt trifft erstere eher den Osten und den Westen Deutschlands, letztere den Süden und die Mitte. Eine detaillierte Betrachtung einzelner Transformationsschwerpunkte finden Sie hier.
Bisher glaubten sich deutsche Autobauer wie Audi, BMW und Mercedes durch ein magisches Schild vor der Konkurrenz aus China geschützt, das die Aufschrift „Premium“ trägt. Während die Wolfsburger von Volkswagen schon lange mit dem wachsenden Druck aus Fernost leben müssen, glaubten sich die drei Premiummarken durch ihr Renommee und ihre Exklusivität unangreifbar.
BYD greift mit seiner Submarke Fang Cheng Bao die deutsche Premium-Konkurrenz an.
Foto: BYDDoch jetzt gibt es schlechte Nachrichten: Mitte der Woche präsentierte Chinas Marktführer BYD drei Modelle seiner neuen Premium-Submarke. Die Autos, drei SUVs namens Leopard 3, 5 und 8, erinnern an Jeep-Fahrzeuge oder die G-Klasse von Mercedes, sind mit Einstiegspreisen von 400.000 Yuan (50.300 Euro) jedoch deutlich günstiger.
Und es gibt noch ein Problem: Der Erfolg der Deutschen in China fußt fast ausschließlich auf dem Verbrennermotor – einem Auslaufmodell. Bei den neuen Antriebsformen ist die deutsche Premiumgarde schon jetzt ein Winzling. Wenn der größte Elektroautohersteller Chinas auch im Premiumsegment angreift, haben die Deutschen also kaum noch etwas entgegenzusetzen.
Zum Abschluss noch ein Blick auf die Rubrik „Berufe aus der Hölle“. Relativ weit vorne in diesem Ranking dürfte derzeit die Jobbeschreibung „Anwalt von Donald Trump“ liegen. Die besteht momentan vor allem darin, den eigenen Klienten von juristisch relevanten Dummheiten abzuhalten.
Der Ex-Präsident hatte angekündigt, bei einer Pressekonferenz am Montag „unwiderlegbare Belege“ für Wahlbetrug im US-Bundesstaat Georgia vorbringen zu wollen. Damit will sich Trump selbst entlasten. Einige seiner Anwälte fürchten allerdings, er könnte das exakte Gegenteil erreichen. Dem US-Sender ABC zufolge raten sie Trump dringend von seinem Vorhaben ab. Inzwischen ist er dem Rat seiner Anwälte gefolgt und hat die Pressekonferenz tatsächlich abgesagt.
Eine Geschichte, die uns alle unseren Job wertschätzen lässt – solange wir darin nicht Donald Trump von einer dusseligen Idee abbringen müssen, kann es so schlimm nicht sein.
Ich selbst übergebe meinen sehr viel erbaulicheren Job hiermit wieder in die vertrauensvollen Hände meines Kollegen Christian Rickens.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ohne dusselige Ideen.
Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt