Morning Briefing: Kollektiver Zinsoptimismus – Inflationszahlen lassen Anleger hoffen

Zinsoptimismus: Inflationszahlen lassen Anleger hoffen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
aus den USA kommen momentan verhalten gute Nachrichten: Die Preise sind weniger stark gestiegen als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Verbraucherpreise zwar um 3,2 Prozent zu, doch das wurde gemeinhin als gute Nachricht aufgefasst. Ökonomen hatten mit einem Wert von 3,3 Prozent gerechnet.
An den Märkten machte sich ein kollektives Gefühl breit, das mit dem Wort „Zinsoptimismus“ am besten beschrieben ist. Dahinter steckt die Hoffnung, dass sich die US-Notenbank Fed mit den geringeren Preissteigerungen zufrieden zeigt und von weiteren Zinserhöhungen absehen könnte. Das Inflationsziel der Fed liegt offiziell bei zwei Prozent.
Laut dem Hedgefonds-Manager Bill Ackman müssen sich Anleger allerdings an die aktuellen Preissteigerungen gewöhnen: „Ich wäre überrascht, wenn wir uns nicht in einer Welt mit dauerhaft rund drei Prozent Inflation wiederfänden“, sagt Ackman. Gestiegene Verteidigungskosten, die Energiewende, die Deglobalisierung und der zunehmende Mangel an Arbeitskräften dürften die Teuerung hochhalten.
Besonders die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel belasten arme Haushalte.
Foto: IMAGO/photothekAuch in Deutschland bleibt die Inflation hoch. Eine Last, die allerdings nicht alle gleichermaßen zu spüren bekommen. Laut Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sind Alleinlebende mit geringem Einkommen besonders stark von Preiserhöhungen betroffen.
Ein Single mit monatlichem Nettoeinkommen von weniger als 900 Euro wurde demnach im Juli mehr als ein Sechstel stärker von der Inflation getroffen als ein Alleinlebender mit mehr als 5000 Euro Gehalt. Der Grund: Ärmere Haushalte müssen prozentual mehr für Nahrungsmittel und Energie ausgeben – die stärksten Preistreiber. Ihren „Warenkorb“ aus Kostengründen anzupassen oder auf Güter zu verzichten, fällt ihnen deutlich schwerer.
Der heutige Handelsblatt-Wochenendtitel beleuchtet ein Phänomen, das unaufhaltsam ist und weit über unseren Planeten hinaus für tiefgreifende Veränderungen sorgt: die Privatisierung des Weltalls. Früher war die Raumfahrt ein staatliches Geschäft samt all der Trägheit, die behördlich angeordnete Innovation mit sich bringt. Heute revolutionieren Start-ups den Weg ins All – allen voran Space-X und Elon Musk.
Kommerzielle Anbieter übertreffen die Wirtschaftsaktivität der staatlichen Raumfahrtprogramme schon seit einigen Jahren – und der Vorsprung dürfte noch größer werden.
Den Unternehmen ist es gelungen, mit scheinbar einfachen, aber dennoch entscheidenden Veränderungen die Raumfahrt massentauglich und lukrativ zu machen. Frühere Raketen waren Wegwerfmaschinen, deren Booster nach dem Start verglühten – mittlerweile können sie teilweise wiederverwertet werden.
Das lässt ganz neue Träume aufkommen, die in der kommerziellen Raumfahrt mittlerweile geträumt werden dürfen. Das Start-up Astrobotic, eine Uni-Ausgründung aus Pittsburgh, träumt von einer Tankstelle im All. „Wir wissen, dass es Wasser auf dem Mond gibt“, sagt John Thornton, Chef von Astrobotic. Das könne man nicht nur trinken. Aus Wasser lasse sich Sauerstoff zum Atmen herstellen und, noch wichtiger, Raketentreibstoff. „Wasser auf dem Mond ist wie Öl auf der Erde“, sagt Thornton.
Doch das große Ziel liegt noch weiter entfernt. Die „final frontier“, die „letzte Grenze“, die die TV-Serie „Star Trek“ geprägt hat, ist die Besiedelung fremder Welten. Elon Musk zeigt sich optimistisch, den Mars mithilfe des „Terraforming“ lebensfreundlich machen zu können – was der Menschheit einen „Planeten B“ zur Erde schenken soll.
Welche Visionen die Raumfahrtpioniere des 21. Jahrhunderts noch umtreiben und welches kommerzielle Potenzial der Weltraum bietet, lesen Sie in unserem großen Report.
Die neuen US-Beschränkungen für Auslandsinvestitionen in China könnten ein Vorbild für die EU sein.
Foto: ReutersEs ist recht wahrscheinlich, dass der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping bei den aktuellen Meldungen einmal kräftig schlucken musste. Nachdem die USA gestern ankündigten, Investitionen von US-Unternehmen kritischer Branchen in China zu kontrollieren, wollen andere Erdteile nachziehen. Die EU-Kommission plant einen ähnlichen Schritt wie Washington und will bis zum Ende des Jahres einen Vorschlag vorlegen. Dahinter steckt die Sorge, dass westliche Technik schlussendlich beim chinesischen Militär landen könnte.
Die Sorge bei Investitionen in China besteht darin, dass Wissen auch dann abfließen könnte, wenn US-Unternehmen in China Standorte errichten und dort Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen eingehen. Es scheint sich eine ökonomische Eiszeit zwischen den Großmächten anzubahnen: Die US-Investitionen in China sind bereits im vergangenen Jahr stark zurückgegangen.
Indien wählt indes einen anderen Schritt, der Peking auch nicht gefallen dürfte, und beschränkt die Einfuhr von chinesischen Computern, um sich aus der Abhängigkeit von Technologieimporten aus dem Nachbarland zu lösen.
Die deutsche Wirtschaft hat jahrzehntelang vom wirtschaftlichen Aufschwung Chinas profitiert. Erst diente das Land als Lieferant günstiger Vorprodukte, später als gigantischer Absatzmarkt für deutsche Exporte. Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup hat die aktuellen volkswirtschaftlichen Kennzahlen des Landes analysiert und kommt zu dem Schluss: Man solle die Party verlassen, wenn es am schönsten sei. Diese Lebensweisheit könne auch für die Wahl von Investitionsstandorten gelten.
Zum Abschluss noch ein Blick auf die schöne neue Arbeitswelt. Es gibt eine alte Regel, wonach man als Gast misstrauisch werden sollte, wenn der Koch nicht von seinem eigenen Essen isst.
Dementsprechend lässt die Meldung aufhorchen, dass viele Tech-Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder ins Büro holen. Dabei sind auch die Plattformen, denen wir alle endlose Stunden vor den Bildschirmen in gespielt angestrengter Denkerpose zu verdanken haben: Zoom und Microsoft mit dem Videodienst Teams.
Ein kleines Eingeständnis, dass ihre eigenen digitalen Plattformen ein echtes Miteinander eben doch nicht ersetzen können. Auch unsere stellvertretende Chefredakteurin Kirsten Ludowig plädiert für eine (zumindest teilweise) Rückkehr ins Büro.
Statt der berühmt gewordenen Zoom-Fatigue kann dann wieder der altbewährte Kaffeeküchen-Kollaps oder der Schweißgeruch-Schwindel die Mitarbeiter in den Wahnsinn treiben.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Arbeitstag – ob im Büro oder zuhause.
Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt