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Morning Briefing Söders Askese-Strategie

04.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland teilt sich derzeit auf in den Freistaat Bayern, dessen oberster Gestalter Markus Söder eine Art General Norman Schwarzkopf der Corona-Bekämpfung ist. Er ruft den „Katastrophenfall“ aus. Der andere Teil Deutschlands ist jenes große Gebiet „Nicht-Bayern“, dessen Mitglieder voller Staunen schauen, welche Haken der stürmische Ministerpräsident aus München gerade wieder schlägt. Von Mittwoch an verwandelt Söder „Lockdown light“ in „Lockdown medium“: Schulen ab achter Klasse im Wechselunterricht, strengere Ausgehnormen, Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, nächtliche Ausgangssperre in „Hotspots“, Askese zu Silvester. Die anhaltend hohen Infektionszahlen machen auch dem Wohlwollendsten klar, dass die bisherige Covid-Strategie gescheitert ist. Ihr Trick war, mit Gast- und Kulturstätten jene Plätze zu schließen, die just sichere Hygienekonzepte erarbeitet hatten. „Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen“, kommentiert George Bernard Shaw.

Quelle: dpa
Das „Alkoholfest“ Silvester könnte eine dritte Welle einleiten, warnt Karl Lauterbach.

Was Söders CSU in Bayern vormacht, ist für den obersten Gesundheitsexperten der SPD nur ein Anfang. Karl Lauterbach schlägt auch vorgezogene und längere Schulferien vor sowie ein Schließen der Geschäfte zumindest nach Weihnachten. Das „Alkoholfest“ Silvester könnte eine dritte Welle einleiten, warnt er – und fordert baldigst eine neue Ministerpräsidentenkonferenz. Sonst würden bis Ende Januar 25.000 Menschen sterben. „Wir fangen an, uns an fast 500 Tote am Tag zu gewöhnen, das sind aber vermeidbare Einzelschicksale“, twittert Lauterbach. Falls es diese Woche doch nichts mit dem geforderten politischen Corona-Gipfel werden sollte, werden wir den streitbaren Mediziner sicherlich umso häufiger in Talkshows erleben.

Im Weihnachtsgeschäft gilt zwar weiter: Freiheit beim Geschenkekauf, höchstens der Umtausch wird durch Corona gestört. Aber eine ganz andere Gefahr droht der Grundversorgung im Christmas-Shopping: Es gibt Lieferprobleme bei vielen Produkten, vor allem bei elektronischer Ware wie Notebooks, PCs und Monitoren, beschreibt unser Titelkomplex. Ähnliche Probleme existieren bei Fahrrädern, Mode, Sportartikeln und Spielzeug. Selbst Amazon soll am Anschlag sein.

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    • Wichtigster Grund für die Engpässe sind völlig überlastete Transportrouten aus Asien. Allein in Schanghai bleibt jeder vierte Container stehen.
    • Die Lage verschärft sich durch eine steigende Nachfrage der Amerikaner nach „Made in China“, ganz so, als habe sich der Trump-Fluch über Nacht aufgelöst. Die in den Pazifik verlegten Schiffe fehlen für die Asien-Europa-Strecke.
    • Das Betrübliche der Engpass-Falle: Besserung ist erst frühestens im Frühjahr 2021 zu erwarten.

    Das Fazit kommt von Marcus Diekmann, Chef des Fahrradhändlers Rose Bikes: „Dem deutschen Handel fällt jetzt auf die Füße, dass er sich so stark von Lieferungen aus Asien abhängig gemacht hat.“

    Quelle: dpa
    Neu-Schnee sorgte für gravierende Verkehrsprobleme in Teilen der Alpen, auch am Brenner-Pass zwischen Österreich und Italien.

    Für besondere aktuelle Lieferprobleme sorgt der Neuschnee. Folge sind gravierende Verkehrsprobleme in Teilen der Alpen, auch am Brenner-Pass zwischen Österreich und Italien. Teilweise war die Autobahn gesperrt, Zugverbindungen waren unterbrochen. Aufgrund der Witterung und steigender Lawinengefahr fielen sogar einige Spitzen-Skirennen aus. Für heute sagen Experten regional mehr als einen Meter Neuschnee voraus, was den vom Lockdown geplagten Ski-Fan gleichgültig lassen muss.

    Als die Pandemie im Frühjahr erstmals wütete, befürchteten die meisten ein großes Start-up-Sterben. Die Neulinge würden den rauen Wind nicht verkraften. Es kommt anders: 2020 ist ein neues Rekordjahr bei den Finanzierungsrunden. Mindestens 38 Milliarden Euro fließen diesmal in Jung-Unternehmen, wahrscheinlich eher mehr, recherchierten meine Kollegen. 2019 waren rund 37,2 Milliarden verbucht worden. Uwe Horstmann vom Berliner Frühphaseninvestor Project A resümiert: „Der nukleare Winter ist bei der Start-up-Finanzierung nicht eingetreten.“ Sogar die stolze Summe von 700 Millionen Euro spielt der jüngste Fonds des Wagniskapital-Investors Highland Europe aus Genf ein. Der Grund des Booms: Minuszinsen sorgen nach wie vor für eine Liquiditätsschwemme, die man erst einmal bewältigen muss. Das Problem, Millionen los zu werden, ist für einige größer als Millionen zu machen.

    Premiere für Finanzinvestoren im deutschen Spitzenfußball: Im ersten Quartal wolle die Betreibergesellschaft Deutsche Fußball Liga (DFL) Angebote von Private-Equity-Häusern für den Einstieg in eine neue Tochterfirma prüfen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine“. Es geht um eine digitale Plattform zur Nutzung von Auslandsrechten; für die Investoren bliebe dabei ein Anteil zwischen 10 und 25 Prozent zur Akquisition. Als Deal-Berater tritt die im Sportgeschäft erfahrene Investmentbank Nomura auf. Die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga werden sich heute bei der DFL-Mitgliederversammlung über den Plan „Private-Equity“ verständigen – und über die Verteilung der Fernsehgelder für vier weitere Jahre. Schon vorher sind sich alle einig geworden, dass Geld doch Tore schießt.

    Quelle: dpa
    Zalando-Vorstand Rubin Ritter (Mitte) finalisiert seinen laufenden Kontrakt aus Liebe zu seiner wachsenden Familie.

    Und dann ist da noch Rubin Ritter, seit elf Jahren einer der Co-Chefs des Berliner Online-Modekonzerns Zalando. Der Finanzexperte finalisiert seinen noch fast drei Jahre laufenden Kontrakt zur Hauptversammlung 2021, aus Liebe zu seiner wachsenden Familie: „Meine Frau und ich sind uns einig, dass in den kommenden Jahren ihr Beruf Priorität haben soll.“ In den alten Tagen des Männer-Kapitalismus, als man mit Schmiss Karriere machte, wäre Ritter ein „Weichei“ gewesen, heute ist er für viele ein Held. Ein finanzielles Polster für die Zeit hat sich der künftige Family-CEO ohnehin mit dem Verkauf von 600.000 Aktien verschafft, was fast 40 Millionen Euro erbrachte. Zusammen mit den Mit-CEOs Robert Gentz und David Schneider hat er außerdem für philanthropische Zwecke die „Z Foundation“ gegründet. Aus der Ferne kann Ritter dann zusehen, wie Zalando bald im erweiterten Dax zurechtkommt, und sich ganz dem Slogan der Firma widmen: „Free to be“.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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