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Morning BriefingWarum das schlechte Wahlergebnis für Lars Klingbeil in Ordnung geht

Christian Rickens 30.06.2025 - 05:57 Uhr
Morning Briefing

IBM: Big Blue is back – zumindest ein bisschen / SPD-Parteitag: Wer führt, wird hier nicht geliebt

30.06.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich galt IBM schon als abgeschrieben. Zu groß der technologische Rückstand, zu bürokratisch die Kultur, um noch eine Chance auf ein Comeback an die Weltspitze zu haben. Zuletzt schien der 114 Jahre alte Pionierkonzern des Computerzeitalters gleich zwei Megatrends verpasst zu haben:

  • Zum einen das Cloud-Geschäft, das IBM schon betrieb, als das Wort dafür noch nicht einmal erfunden war. Um dann doch die anderen großen Tech-Konzerne vorüberziehen zu lassen.
  • Fast noch tragischer ist es, wie IBM mit dem Supercomputer Watson einst führend im Bereich Künstlicher Intelligenz war – nur, um sich dann von Start-ups wie OpenAI den Schneid abkaufen zu lassen.

Doch seit gut einem Jahr zeigen sich bei dem Koloss überraschende Vitalitätssignale. Am 27. Juni erreichte die IBM-Aktie mit 289,70 Dollar ein neues Rekordhoch. Anleger, die Ende 2023 eingestiegen waren, haben ihren Einsatz fast verdoppelt.

Ein Teil dieses Aufschwungs dürfte mit Arvind Krishna zusammenhängen. Der US-Amerikaner indischer Herkunft, promoviert in Elektrotechnik, steht seit fünf Jahren an der Spitze von IBM. Wie er im Handelsblatt-Interview erläutert, will er den Konzern für seine Kunden – das sind meistens andere Unternehmen oder Behörden – wieder relevanter machen. Dabei setzt er auf eine gezielte Nischenstrategie:

  • In Sachen KI favorisiert er im Vergleich zu ChatGPT und Co. enger zugeschnittene Spezialmodelle, eines davon heißt bei IBM „Granite“. „Wir investieren in viele kleinere Modelle“, sagte Krishna. Gleichzeitig bietet IBM über Partnerschaften auch die Modelle der Konkurrenz an.
  • Bei Cloud-Angeboten verfolgt IBM einen hybriden Ansatz, bei dem ein Teil der Daten auf lokalen Rechnern bei den Kunden bleibt. Die Hybrid-Cloud solle vor allem Unternehmen mit sensiblen Daten locken, sagt Krishna. Es gehe dabei – gerade im Ausland – auch um „Souveränität“. Derzeit sind die meisten Cloud-Kunden von US-Anbietern und ihren Rechenzentren abhängig.
Lars Klingbeil Foto: Kay Nietfeld/dpa

65 Prozent für Klingbeil – so what?

Zwar noch nicht als abgeschrieben, aber doch als angeschlagen gilt seit dem Wochenende Lars Klingbeil. Der Vorsitzende der SPD wurde auf dem Parteitag der Sozialdemokraten mit lediglich knapp 65 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Zum Vergleich: Seine neue Co-Vorsitzende Bärbel Bas erhielt 95 Prozent.

Schlechter als Klingbeil schnitt bei der Wahl zum SPD-Parteivorsitzenden nur Oskar Lafontaine ab – aber der trat 1995 immerhin in einer Kampfkandidatur gegen den damals amtierenden Vorsitzenden Rudolf Scharping an.

Nach all dem, was Klingbeil seiner Partei in den vergangenen Monaten zugemutet hat, glaube ich: Er ist mit dem Ergebnis gut bedient. Sein Umfeld hatte vorab mit einem für Parteitage ebenfalls nur mittelprächtigem Ergebnis von rund 75 Prozent gerechnet. Jetzt sind es noch einmal zehn Prozentpunkte weniger, so what? So tickt die SPD nun einmal im Umgang mit all denen, die Macht wollen und das auch zeigen.

Zur Erinnerung: Klingbeil hat...

  • ... die Verantwortung für das bislang schlechteste Bundestagswahlergebnis der SPD erfolgreich von sich selbst ferngehalten.
  • ... sich noch in der Wahlnacht vorübergehend den Posten des Fraktionsvorsitzenden, später dann den des Finanzministers und Vizekanzlers gesichert.
  • ... politische Weggefährten wie die bisherige Co-Vorsitzende Saskia Esken und den langjährigen Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil abserviert.
  • ... mit der Union einen Koalitionsvertrag verhandelt, der klingt, als wären CDU und CSU die Mehrheitsbeschaffer der SPD und nicht umgekehrt.

Und schließlich hält Klingbeil seine Partei, in der viele pazifistische oder moskaufreundliche Unterströme fließen, bislang eisern auf einem Pro-Ukraine- und Pro-Aufrüstungskurs. Entsprechende Gegenanträge sind auf dem Parteitag gescheitert.

Wer derart machtbewusst agiert, der kann in der SPD nicht auch noch erwarten, geliebt zu werden. Eine Wahrheit, die sich der Vorsitzende sicherlich von einem Mann bestätigen lassen könnte, bei dem Klingbeil einst als Wahlkreisassistent das Politikgeschäft erlernte: SPD-Altkanzler Gerhard Schröder.

Kanzleramtschef offen für Stromsteuersenkung

Kanzleramtschef Thorsten Frei hat sich offen gezeigt für Gespräche über eine doch noch mögliche Stromsteuersenkung für alle. „Man muss eben schauen, wo kommt das Geld letztlich her“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD. Mit Blick auf die Verabschiedung des Etats für 2025 durch den Bundestag im September sagte Frei:

Wenn wir auf dem Weg dahin bessere Lösungen finden, dann bin ich sehr offen dafür, dass wir dann die Stromsteuer auch weiter senken.

Die Bundesregierung plant bei der Stromsteuer für das kommende Jahr lediglich, die bereits bestehende Entlastung für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft fortzuschreiben. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch als Sofortmaßnahme eine Senkung für alle angekündigt. Davon würden auch kleinere Betriebe und Privathaushalte profitieren.

Der Verzicht auf eine Stromsteuersenkung war mit dem Kabinettsbeschluss des Haushaltsentwurfs für 2025 und der Eckwerte bekanntgeworden, ohne dass die Regierung anfangs darauf hingewiesen hatte.

Donald Trump auf Tiktok Foto: Reuters

Trump: Käufer für Tiktok gefunden

Im Streit um die chinesische Videoplattform Tiktok ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump ein Käufer für deren US-Geschäft gefunden worden. Es handle sich um eine Gruppe „sehr reicher Leute“, die dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping voraussichtlich genehm seien, sagte Trump dem Sender „Fox News“ in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview.

Wegen einer befürchteten Bedrohung der nationalen Sicherheit hatte der US-Kongress 2024 gesetzlich festgelegt, dass der chinesische Tiktok-Mutterkonzern Bytedance sein US-Geschäft verkaufen müsse. Anderenfalls werde die Plattform in den USA gesperrt.

Künstliche Intelligenz im Jobmarkt. Foto: Getty Images / Collage

Weniger Freelancer durch KI

Es ist eine der ganz großen Zukunftsfragen: Welche Jobs werden sich durch Künstliche Intelligenz (KI) massiv verändern oder gar wegfallen? Anja Warning forscht am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu Arbeitsmarktveränderungen durch Digitalisierung. Sie sagt: Deutsche Arbeitgeber hätten KI noch nicht so flächendeckend eingesetzt, dass sie einen klaren Effekt auf die Arbeitslosigkeit vermute.

Dennoch gibt es laut Virginia Sondergeld, Ökonomin bei der Jobplattform Indeed, Anzeichen, wie KI die Arbeitslosigkeit in manchen Bereichen jetzt schon verstärken kann. Dabei gelte:

Freelancer sind oft die Ersten, die es trifft.

Das deckt sich mit einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). 2024 untersuchte das DIW, ob Ausschreibungen für freiberufliche Tätigkeiten seit der Einführung von ChatGPT abgenommen haben. Schreibtätigkeiten waren mit einem Minus von 30 Prozent in den ersten acht Monaten am deutlichsten zurückgegangen, Software-, Web- und App-Entwicklung um 20 Prozent, und im Bereich Grafikdesign sanken die Aufträge um 17 Prozent.

Letztere sind zwei Branchen, die auch in einer Analyse des Handelsblatt-Datenteams auffällig starke Anstiege in der Arbeitslosigkeit verzeichnen.

„Fiete“ ist schnellster Dackel Deutschlands

Insgesamt 220 Dackel sind am Wochenende bei der 1. Deutschen Meisterschaft im Dackelrennen in Magdeburg um die Wette gelaufen. Jeder Hund ging dabei nach Angaben der Veranstalter mit zwei Personen ins Rennen: Eine Person hielt den Hund am Start, die andere Person war im Zielbereich zum Locken mit Pfeifen, Quietschebällen oder Leckerlis im Einsatz.

In der Kategorie der Standarddackel siegte „Fiete“ aus Tornesch in Schleswig-Holstein. Er benötigte für die 40 Meter lange Bahn 5,6 Sekunden. Bei den Kaninchen- und Zwergdackeln siegte Dackeldame „Frieda“ aus Ludwigsfelde (Brandenburg). Ihr Herrchen Stefan Müller sagte nach dem Sieg:

„Frieda bekommt bei uns nur Büffelfleisch, vielleicht ist das so ein kleines Geheimnis.“

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Ich wünsche Ihnen einen fliegenden Start in die Woche.

Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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