SPD: Was das Klingbeil-Debakel für die Regierungspartei bedeutet
Berlin. Die Malaise der SPD lässt sich am miesen Wahlergebnis von Parteichef Lars Klingbeil erklären – oder an der Parteitagsrede von Philipp Türmer. Als der Juso-Chef die ersten Reden auf dem SPD-Bundesparteitag gehört hat, legt Türmer seine vorbereitete Rede beiseite und hält eine gänzlich andere.
Während sich die Partei in ihrer schwersten Krise befinde, habe nur die Hälfte der Delegierten die vorherigen Wortbeiträge mitbekommen, weil die Hälfte schon wieder raus aus dem Saal sei, sagt Türmer. Am Ende würden die Jusos auf dem Parteiabend um Punkt zwölf wie immer die „Internationale“ singen, während die Parteifreunde vom konservativen Flügel pikiert gucken. „Alles wie immer“, sagt Türmer.
Dabei sei seit der Bundestagswahl, die so verheerend für die SPD endete, „unser größter Feind die Normalität“, ruft Türmer mit sich überschlagender Stimme in den Saal.
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Es ist auch dieser Eindruck vieler Delegierter auf dem SPD-Parteitag von der gemütlichen Einrichtung in der Normalität, die Klingbeil kurz darauf zum Verhängnis wird. Gerade einmal 65 Prozent erhält der neue starke Mann der SPD bei seiner dritten Wahl zum Parteivorsitzenden. Schlechter schnitt 1995 nur Oskar Lafontaine bei seiner Kampfkandidatur gegen Rudolf Scharping ab.