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Morning BriefingWelche Start-ups inmitten der Krise zu den Einhorn-Aspiranten gehören

Christian Rickens 07.07.2023 - 06:00 Uhr
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Christian Rickens Foto: Handelsblatt
Morning Briefing vom 07.07.2023

Sushi statt Sondertilgung: Warum uns Immobilien heute so teuer vorkommen

07.07.2023
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, 

selten hat eine Handelsblatt-Recherche zu Immobilienpreisen so kontroverse Reaktionen erzeugt wie die meines Kollegen Julian Trauthig vor gut zwei Wochen: Die eigenen vier Wände sind laut historischen Vergleichsdaten keineswegs so unerschwinglich, wie es in der öffentlichen Debatte den Anschein hat. Im Gegenteil – bezieht man Zinsen, Immobilienpreise und Realeinkommen in die Betrachtung ein, war es kaum je günstiger, in Deutschland Wohneigentum zu erwerben als im Moment.

Manche Rückmeldungen zu diesem Beitrag warfen uns vor, mit falschen Zahlen Lobbyarbeit für die Immobilienbranche zu verrichten. „Endlich schreibts mal einer“, war der Tenor der anderen Zuschriften: Junge Familien hätten halt verlernt, dass man für die eigene Immobilie an anderer Stelle auch mal kürzertreten müsse, nach dem Motto: Sushi statt Sondertilgung.

Und Eigenleistung am Bau sei auch nicht mehr so üblich, meint der Chef des Immobilien-Marktforschungsinstituts Empirica, Reiner Braun: „Früher haben Käufer noch mehr selbst gemacht. Heute gibt es mehr Akademiker mit zwei linken Händen.“

Anlass für uns, „Das Märchen von den hohen Hauspreisen“ in einem Freitagstitel näher zu beleuchten. An den Fakten lässt sich dabei wenig rütteln: Inklusive Zinsbelastung und Einkommenszuwachs gerechnet sind Immobilien heute etwa so erschwinglich wie 2008, also vor Beginn des großen Preisauftriebs am Immobilienmarkt.

Und 1980 war es viermal so schwer, ins Eigenheim zu kommen wie heute. Die Zahlen stammen übrigens nicht von der Immobilienlobby, sondern größtenteils von der OECD.

Zwei Faktoren geben uns heute das Gefühl, Immobilien seien so viel teurer geworden:

  • Gestiegene Ansprüche, vor allem bei der Wohnfläche
  • und eine deutlich gesunkene staatliche Förderung, die zu Hochzeiten schon mal 40 Prozent des Immobilienkaufpreises ausmachte und in der Berechnung des Erschwinglichkeitsindexes nicht enthalten ist.

Fazit: Die goldenen Zeiten der Nullzinsjahre kehren so schnell nicht zurück, ebenso wenig die üppige Staatsförderung. Doch mit ein paar Abstrichen bei Größe, Lage und Ausstattung ist der Weg in die eigene Immobilie auch heute noch möglich. „Auch Verzichten muss man lernen“, rät die Finanzpsychologin Monika Müller im Interview.

Die Start-ups Vivid, Isar Aerospace und Tado gehören zu möglichen Einhorn-Kandidaten.

Foto: Vivid, Isar Aerospace, Tado

Der Zinsanstieg macht auch Wagniskapitalfonds zu schaffen, das Geld sitzt bei ihnen längst nicht mehr so locker. Aber es gibt sie noch: Die jungen deutschen Firmen, die den Sprung zum Einhorn schaffen, also zu einer von ihren Kapitalgebern mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerteten Firma.

Der Datendienst Dealroom hat ermittelt, welche Start-ups inmitten der Krise die besten Chancen auf den Einhorn-Status haben. Aktuell gibt es in Deutschland 13 Start-ups, die bereits mit mehr als 600 Millionen Dollar bewertet werden, aber eben die Milliardengrenze noch nicht überschritten haben. Ganz oben auf der Liste der Einhorn-Aspiranten stehen demnach:

  • das Fintech Vivid
  • die Kreditplattform Auxmoney
  • das Berliner Blockchain-Start-up Matter Labs

Laut Wagniskapitalgeber Atomico gab es Ende 2022 insgesamt 352 Einhörner in Europa, darunter 36 in Deutschland. Dabei gehe es nicht nur um Symbolkraft, so unsere Start-up-Reporterin Nadine Schimroszik: „Mit dem Einhorn-Status steigt in der Regel auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einhorn in absehbarer Zeit einen Börsengang oder Verkauf hinlegt, der den Geldgebern hohe Rendite verspricht.“

Auch Thomas Heilmann war mal ein erfolgreicher Start-up-Unternehmer, nach der Wende gründete er eine Werbeagentur in Dresden, aus der später „Scholz & Friends Berlin“ wurde. Weitere Unternehmen folgten. Seit gestern ist der heutige CDU-Abgeordnete der neue König der Herzen in seiner Fraktion. Denn mit dem erfolgreichen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gegen das parlamentarische Hoppla-Hopp beim Heizungsgesetz hat Heilmann dem CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz einen unverhofften Punktsieg beschert.

Die Ironie dabei: Heilmann steht so gar nicht für den neuen Merz-Kurs. Heilmann zählte vielmehr zu den Vertrauten von Bundeskanzlerin und Merz-Parteifeindin Angela Merkel und ist Vorsitzender der „Klima-Union“, dem Klimaschützer-Flügel seiner Partei.

Heilmann sagt, er habe mit seinem erfolgreichen Eilantrag der Ampelkoalition „einen Gefallen getan“: Wenn das Gesetzgebungsverfahren nicht ordentlich ablaufe, entstehe die Gefahr, ein formell verfassungswidriges Gesetz zu beschließen. Dann wäre das Gesetz womöglich später aufgehoben worden, was für den Klimaschutz „die allerschlechteste Lösung“ gewesen wäre.

Das Verfassungsgericht hat einem Eilantrag des CDU-Politikers zugestimmt, die Verabschiedung des Heizungsgesetzes aufzuschieben. Die Verfahren im Bundestag litten unter „mangelnder Sorgfalt“ durch „überhöhtes Tempo“, kritisierte Thomas Heilmann.

Keine ganz linientreue Wortmeldung in einer Partei, die nach dem Willen ihres Vorsitzenden die Auseinandersetzung mit den Grünen „intensivieren“ soll.

Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK hat einen Käufer für seine „Consumer Panel“-Sparte gefunden und damit die Bedingung für die Übernahme durch den US-Rivalen NielsenIQ erfüllt. Der für seine Online-Umfragen bekannte britische Marktforscher YouGov werde die Sparte für 315 Millionen Euro übernehmen, teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit. Der Verkauf war eine Auflage der EU-Kommission.

Die ukrainische Stadt Lwiw liegt hunderte Kilometer von der Frontlinie entfernt. Bei einem russischen Angriff mit Marschflugkörpern sind dort in der Nacht zu Donnerstag nach ukrainischen Angaben mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Das jüngste der Opfer sei 21 Jahre alt gewesen. Das älteste, eine 95-jährige Frau, habe den Zweiten Weltkrieg überlebt, aber nicht den russischen Angriffskrieg, sagte der Leiter der Militärverwaltung der Region.

Nackter Terror der russischen Streitkräfte, der für die Verantwortlichen hoffentlich vor den Richtern in Den Haag enden wird.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und sein Amtskollege Oleksii Reznikov: Die USA wollen nun offenbar doch Streumunition in die Ukraine liefern.

Foto: Reuters

Ob die Sache allerdings besser wird durch diesen Schritt der USA? Die US-Regierung plant Medienberichten zufolge die Lieferung von Streumunition an die Ukraine. Das berichtete am Donnerstag unter anderem die „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsquellen. Zuvor hatte das Weiße Haus erklärt, eine Weitergabe dieser Munitionsart werde geprüft. Dem Sender CNN zufolge könnten die Pläne nun an diesem Freitag offiziell verkündet werden. „Ich möchte anmerken, dass die Russen bereits Streumunition auf dem Schlachtfeld eingesetzt haben“, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums.

Als Streumunition werden Raketen und Bomben bezeichnet, die in der Luft über dem Ziel bersten und viele kleine Sprengkörper freisetzen. Zum Durchbrechen der russischen Stellungen in der aktuellen Offensive könnte dieser Munitionstyp nützlich sein. Allerdings detoniert ein gewisser Prozentsatz der Sprengkörper oft nicht und gefährdet als Blindgänger die Bevölkerung. Deutschland und viele andere Staaten haben deshalb einen Vertrag zur Ächtung von Streumunition unterzeichnet – die USA nicht.

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Ich wünsche Ihnen, uns und vor allem den Ukrainerinnen und Ukrainern, dass sich endlich ein Ausweg aus diesem Krieg auftut.

Herzliche Grüße

Ihr Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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