Morning Briefing: Drohnen über Polen laut Kreml „nicht geplant“ – wer glaubt's?
Drohnen über Polen: Mal wieder typisch Putin! / Neuer reichster Mann der Welt: Ellison überholt Musk
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Gestern habe ich an dieser Stelle vermerkt, dass der Software-Veteran Larry Ellison laut der Reichstenliste des US-Magazins „Forbes“ zum zweitreichsten Amerikaner der Welt aufgestiegen ist. 24 Stunden später ist diese Nachricht schon wieder überholt: Nach starken Quartalszahlen stieg die Aktie von Ellisons Softwareunternehmen Oracle am Mittwoch bis auf ein Rekordhoch von rund 345 Dollar, was einem Plus von über 40 Prozent entsprach.
Das Vermögen des 81-jährigen Ellison, das hauptsächlich aus Oracle-Aktien besteht, wuchs dadurch laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg auf geschätzte 397 Milliarden Dollar. Damit überholt er Tesla-Chef Elon Musk, dessen Vermögen auf 384 Milliarden Dollar geschätzt wird. Mit anderen Worten: Die Welt hat einen neuen reichsten Menschen.
Oracle, groß geworden mit Datenbanksystemen und Geschäftsanwendungen, hat relativ spät mit dem Aufbau einer Cloudinfrastruktur nach dem Vorbild von Amazon und Microsoft begonnen. Nun aber profitiert Oracle stark vom Boom der Künstlichen Intelligenz. Allein der ChatGPT-Entwickler OpenAI ruft bei Oracle Cloudkapazitäten im Volumen von 30 Milliarden Dollar pro Jahr ab.
Trump-Verbündeter Kirk erschossen
Der bekannte rechtskonservative US-Aktivist und Influencer Charlie Kirk ist während einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Utah erschossen worden. Der Auftritt fand auf dem Campus der Utah Valley University statt. Ein Sprecher der Universität teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, ein Schuss sei aus einem nahe gelegenen Gebäude abgefeuert worden. Am späten Mittwochabend (Ortszeit) wurde weiterhin nach dem Täter gesucht. Ein zunächst verhafteter Verdächtiger wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen.
Kirk galt als einer der wichtigsten Architekten der amerikanischen Rechtsaußenbewegung und ist ein enger Trump-Verbündeter. Mit der Gründung von „Turning Point USA“ (TPUSA) im Jahr 2012 machte Kirk eine kleine Campusinitiative zur einflussreichsten rechtskonservativen Jugendorganisation des Landes. Sie sammelt jährlich Millionen an Spenden und organisiert Tausende Veranstaltungen an amerikanischen Universitäten. Kirk suchte früh die Nähe zu Donald Trump und seiner Familie, begleitete Trumps Wahlkämpfe und wurde von ihm als Vordenker und Sprachrohr gefeiert.
Reaktionen auf Drohnen-Provokation
Der US-Präsident brauchte am Mittwoch eine Weile, bis er sich zu den über Polen abgeschossenen russischen Drohnen äußerte. Dann schrieb Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social etwas kryptisch:
Auf Deutsch etwa: „Was hat es mit der Verletzung des polnischen Luftraums durch russische Drohnen auf sich? Jetzt geht's los!“
Trump telefonierte am Mittwochabend mit Polens Präsident Karol Nawrocki. „Die heutigen Gespräche haben die Einigkeit der Bündnispartner bestätigt“, schrieb Nawrocki anschließend bei X. Der US-Außen- und der US-Verteidigungsminister äußerten sich bis zum Abend nicht.
Erstmals seit Beginn des Ukrainekriegs hatten zuvor Kampfflugzeuge der Nato russische Drohnen abgeschossen. Mehr als ein Dutzend der Fluggeräte war teils tief in polnischen Luftraum eingedrungen. Noch ist unklar, ob die Drohnen bewaffnet waren, wie ihre Flugroute aussah und ob die Verletzung des Luftraums von der russischen Militärführung angeordnet war.
Russland versicherte, ein Vorgehen gegen Ziele auf polnischem Gebiet sei „nicht geplant“ gewesen, vielmehr habe es eine Operation gegen den „militärisch-industriellen Komplex“ der Ukraine gegeben. Westliche Politiker glauben indes nicht an ein Versehen. Es gebe „definitiv keinen Anlass“ für die Theorie, dass die Drohnen irrtümlich nach Polen geflogen seien, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Vielmehr seien sie „ganz offenkundig gezielt auf diesen Kurs gebracht worden“.
Auch unsere Osteuropa-Korrespondentin Mareike Müller glaubt nicht an ein russisches Versehen. Vielmehr folge Russland einem bekannten Muster:
So taste sich Putin systematisch vor, „immer darauf vertrauend, dass die Antwort seiner Gegner spät kommt, schwach und uneinheitlich bleibt“.
USA streben nach Energiedominanz
Der Ukraine-Krieg hat offenbart, in welch gefährliche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen sich Deutschland gebracht hatte. Droht uns nun eine ähnliche Abhängigkeit von den USA?
US-Energieminister Chris Wright ist an diesem Donnerstag in Brüssel, um mit der EU-Kommission über Details der Gaslieferungen zu sprechen, die beide Seiten im Juli vereinbart hatten. Wright drängt auf Entscheidungen, die es möglich machen, dass Europa innerhalb von drei Jahren verflüssigtes Erdgas im Wert von 750 Milliarden Dollar abnimmt. Dazu könnte etwa die europäische Methanverordnung gelockert werden.
Die USA machen kein Hehl aus ihren Absichten: Der Handelsdeal ist für sie Teil einer Strategie, mit der sie dominanter Spieler auf dem Weltmarkt für Energie werden wollen. Das erklärte Jarrod Agen, der Beauftragte des Weißen Hauses für Energiedominanz. Und ja, diese Jobbezeichnung gibt es wirklich.
Lebenszeichen auf dem Mars
Eine vom Nasa-Rover „Perseverance“ im vergangenen Jahr auf dem Mars entnommene Gesteinsprobe könnte nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde möglicherweise Spuren von früherem mikrobiellem Leben enthalten. „Dies könnte das deutlichste Zeichen von Leben sein, dass wir auf dem Mars je gefunden haben“, sagte der derzeit als Interimschef der Nasa eingesetzte US-Verkehrsminister Sean Duffy. Sicher sei das allerdings nicht, betonte die stellvertretende Nasa-Chefin Nicky Fox. Es seien noch mehr Daten und Studien notwendig.
Die Gesteinsprobe hatte „Perseverance“ im vergangenen Sommer in einem ausgetrockneten Flussbett entnommen. Dem Nasa-Team war das Gestein aufgefallen, weil es Flecken zeigt, die einem Leoparden-Muster ähneln. Die Probe war dann mit allen wissenschaftlichen Instrumenten, die der Rover an Bord hat, untersucht worden. Das Ergebnis wurde nun im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. Die Flecken im Gestein bestehen demnach unter anderem aus den Mineralen Vivianit und Greigit, die in Kombination auf früheres Leben hindeuten können. Allerdings können sie auch ohne biologische Reaktionen entstehen.
Stimmung und Lage in der Medienbranche
Gestern hatte ich das Vergnügen, in Hamburg eine kleine Diskussionsrunde zu moderieren mit den Geschäftsführern von „Spiegel“ (Stefan Ottlitz), „Tagesspiegel“ (Stefan Buhr) und dem Verlag Nürnberger Presse (Sigrun Albert). Es ging, wie könnte es bei dieser Besetzung anders sein, um Lage und Stimmung in der Medienbranche. Zusammengefasst: Letztere ist mal wieder schlechter als Erstere.
Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag, an dem Sie Lage und Stimmung in Einklang bringen.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef