Morning Briefing: Bei Tesla würde es auch nicht laufen, wenn Musk ein Linker wäre
Inside Grünheide: Was das deutsche Werk über Tesla verrät
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
in unserer Nachbarschaft wohnt ein Tesla-Fan der ersten Stunde. Schon als wir vor elf Jahren ins Viertel zogen, hatte er ein Model S in der Einfahrt stehen, zwischendurch auch mal einen X und aktuell einen Y. Auf dem prangt seit einigen Monaten ein Aufkleber: „Tesla hui, Elon pfui.“
Das ist die einfachste Erklärung für den Absatzeinbruch bei Tesla: Bei der klassischen Elektroauto-Klientel vom Typ 3G (gut situiert, gebildet, grün) kommt es einfach nicht gut an, wenn Tesla-Chef Elon Musk für Donald Trumps Wahlkampf spendet und sich für Deutschland Alice Weidel als Bundeskanzlerin wünscht.
Weltweit sanken die Auslieferungen von Tesla im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 Prozent auf 384.000 Fahrzeuge. In Deutschland wurden im Juni nur noch 1860 Teslas zugelassen, das sind 60 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Selbst Suzuki verkaufte hierzulande zuletzt mehr Autos.
Das Paradoxe: Die Probleme von Tesla lassen sich auch sehr gut ohne die politischen Sperenzchen des obersten Chefs erklären. Das Unternehmen krankt an Schwächen, die so auch jedem anderen schlecht geführten Autokonzern widerfahren könnten.
Vor allem ist da die veraltete und unausgewogene Modellpalette: Das Model S kam erstmals 2012 auf den Markt und gilt inzwischen als Ladenhüter. Das jahrelang angekündigte Tesla-Einstiegsmodell lässt bis heute auf sich warten. Stattdessen leistete sich der Konzern mit dem Cybertruck einen teuren Flop in der Nische.
Gleichzeitig ist die Konkurrenz stärker geworden. Nach einem holprigen Start haben inzwischen auch Hersteller wie Volkswagen oder BMW wettbewerbsfähige Elektroautos am Markt. Und beim autonomen Fahren hat Tesla seine Rolle als Technologieführer verloren, unter anderem an Mercedes.
Vieles von dem, was Tesla derzeit im Großen schwächeln lässt, zeigt sich im Kleinen im einzigen deutschen Tesla-Werk in Grünheide. Dort sind die ehrgeizigen Ausbaupläne erst einmal vom Tisch. Wer in der Betriebsversammlung kritisch nach der Absatzschwäche fragt, wird von der Betriebsratsvorsitzenden und dem Werksleiter zur Ordnung gerufen.
Wohin die 5000 Model Y gehen, die in Grünheide pro Woche produziert werden, mag niemand so recht verraten – in die Türkei, lautet eine Erklärung. Das Management ringt unterdessen mit Kaffeetassendiebstahl und Krankmeldungen.
Im Titel-Report „Inside Grünheide“ zeichnet unser Investigativteam eindrücklich nach, was geschieht, wenn Silicon-Valley-Hybris auf deutschen Fabrikalltag stößt.
Chef von Jaguar Land Rover tritt ab
Wo wir gerade bei Autoherstellern sind, die in der Klemme stecken: Adrian Mardell, CEO von Jaguar Land Rover (JLR), geht nach nur drei Jahren an der Unternehmensspitze in den Ruhestand. Wer übernimmt, ist noch offen. Der Autobauer steckt mitten im Umbau. JLR hat keine Werke in den USA – die US‑Autozölle machen das Geschäft nicht leichter. Vor einigen Monaten hatte Mardell zudem einen umstrittenen Relaunch für Jaguar vorgelegt: Die Marke soll komplett elektrisch werden, die Raubkatze aus dem Logo verschwinden. Aktuell baut Jaguar gar keine Autos – erst wenn die neue Linie steht, soll es weiter gehen.
Daimler Truck korrigiert Prognose nach unten
Ein drittes Mal Autos, diesmal die Großen: Der Dax-Konzern Daimler Truck hat am Donnerstagabend angesichts der Unsicherheit rund um die US-Zölle die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Das bereinigte Ergebnis soll nun zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Zum Vorjahresergebnis von 4,7 Milliarden Euro wäre das ein Rückgang von bis zu 23 Prozent. Statt maximal 460.000 verkauften Lkws erwartet der Konzern höchstens 440.000 Verkäufe.
Im zweiten Quartal lief es für Daimler Truck dagegen besser als von Analysten erwartet. Das bereinigte Ergebnis lag mit 1,1 Milliarden leicht über den Schätzungen. Nachbörslich verlor die Daimler-Truck-Aktie bis zu vier Prozent.
Trump attackiert Big Pharma
Im Kampf um niedrigere Medikamentenpreise will US-Präsident Trump große Pharmakonzerne in die Pflicht nehmen. Binnen 60 Tagen sollen Hersteller wie Eli Lilly, Novartis und Boehringer Ingelheim sicherstellen, dass US-Verbraucher stärker von einer Bestpreisgarantie für Medikamente profitieren und neue Arzneien in den USA automatisch zum niedrigsten Preis angeboten werden. In Briefen an 17 große Pharmakonzerne setzte Trump eine Frist bis zum 29. September.
Anders als in Deutschland gibt es in den USA bislang keine zentrale staatliche Regulierung für Medikamentenpreise. Die Pharmaindustrie entscheidet weitgehend selbst darüber, wie viel Arzneien kosten.
Quartalszahlen von Amazon und Apple
Von Big Pharma zu Big Tech: Der Umsatz des weltgrößten Online-Händlers Amazon stieg im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 167,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang um mehr als ein Drittel auf 18,2 Milliarden Dollar. Dennoch verlor die Amazon-Aktie im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als vier Prozent.
Ein Grund war womöglich Amazons Prognose für das laufende Quartal: Der Konzern stellte beim operativen Ergebnis eine Spanne in Aussicht, deren unteres Ende unter den Erwartungen der Analysten liegt. Das Wachstum der Cloud-Sparte AWS lag im vergangenen Quartal mit 17,5 Prozent auch nur gerade so im Schnitt der Markterwartungen.
Dank eines starken iPhone-Absatzes hat Apple mit seinem Quartalsergebnis die Markterwartungen übertroffen. Apple steigerte die Einnahmen aus iPhone-Verkäufen den Angaben zufolge um 13,5 Prozent auf 44,58 Milliarden Dollar. Damit fiel das Plus rund sechsmal so hoch aus wie vorhergesagt. Der Konzernumsatz legte um knapp zehn Prozent auf 94,04 Milliarden Dollar zu.
Ein Prozentpunkt davon gehe auf das Konto vorgezogener Käufe wegen der drohenden US-Zölle, sagte Apple-Chef Tim Cook der Nachrichtenagentur Reuters. Das Unternehmen lässt die iPhones für den US-Markt vor allem in China fertigen. Wegen der wachsenden Spannungen zwischen den USA und China hat der Konzern die Smartphone-Produktion teilweise nach Indien verlagert. Allerdings werden in den USA ab heute auch 25 Prozent Zoll auf sämtliche indischen Waren fällig.
Neuer Co-Chef für Kryptoplattform
Bitpanda bekommt einen neuen Co-Chef. Die österreichische Kryptohandelsplattform wird künftig weiterhin von Eric Demuth und ab August dieses Jahres auch von Lukas Enzersdorfer-Konrad geführt, wie Handelsblatt-Finanzredakteur Dennis Schwarz exklusiv erfuhr. Die bisherige Doppelspitze bestand aus Demuth und Paul Klanschek. Klanschek tritt nach Angaben des Unternehmens im August auf eigenen Wunsch vom Chefposten zurück und wird im Oktober in den Bitpanda-Aufsichtsrat einziehen. Enzersdorfer-Konrad ist seit 2018 bei Bitpanda, seit Juli 2022 als stellvertretender CEO.
Mehr zu den Hintergründen hier.
Weiter Preisspielraum beim Immobilienkauf
Feilschen lohnt sich am deutschen Immobilienmarkt noch immer. Zwar sind die Zeiten der ganz großen Preisnachlässe schon wieder vorbei, aber es gilt weiterhin das Lebensmotto von Monaco Franze:
Wieviel genau da geht, hat das Immobilienportal Immoscout 24 zusammen mit seiner Analysetochter Sprengnetter anhand der durchschnittlichen Differenz zwischen Angebots- und tatsächlichen Transaktionspreisen ermittelt. Bei Einfamilienhäusern liegt der mögliche Abschlag nach den Daten von Immoscout24 im zweiten Quartal 2025 bei durchschnittlich fünf Prozent. Bei Eigentumswohnungen ist noch etwas mehr drin.
Unter den deutschen Metropolen und über alle Immobilientypen hinweg hatten Käufer zuletzt in Hamburg die größten Möglichkeiten, einen Preisnachlass zu verhandeln. Aktuell liegt die durchschnittliche Differenz zwischen Angebots- und Transaktionspreis dort bei rund 10 Prozent.
Womöglich hat man in dieser Kaufmannsstadt einfach das Feilschen im Blut. Dafür spricht, dass ein Freund aus den westlichen Elbvororten die letzten 5000 Euro Preisnachlass noch im Büro des Notars herausgeholt hat, denn:
Ich wünsche Ihnen einen Wochenausklang ohne Verhandlungsspielraum beim Erholungsfaktor.
Herzliche Grüße, Ihr
Christian Rickens