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Elektromobilität Der elektrische Seelentröster – der Kia E-Soul im Handelsblatt-Autotest

Als Verbrenner hat der Kia Soul unseren Autotester enttäuscht – nun steigt er auf die elektrische Version um. Hat das Modell eine zweite Chance verdient?
04.11.2020 - 07:45 Uhr 1 Kommentar
Das Elektroauto der Koreaner macht vieles richtig.
Kia E-Soul

Das Elektroauto der Koreaner macht vieles richtig.

Düsseldorf Der Porsche-Fahrer scheint noch überraschter als ich zu sein, dass wir parallel auf den Engpass zuhalten. Eigentlich wollte ich bei Grün nur, wie in der Fahrschule gelernt, zügig anfahren. Okay, vielleicht wollte ich auch schauen, ob der Kia E-Soul an der Ampel auch einen Sportwagen stehen lässt. Am Ende beuge ich mich den Marktgesetzen (und der Geschwindigkeitsbegrenzung) und lasse den 911er trotz Vorsprung vorbeiröhren. Aber da haben alle Beteiligten bereits begriffen, was das koreanische Elektroauto mit „Dynamic“ eigentlich meint.

Ein E-Auto mit Sportfahrmodus, das ist mir zu dem Zeitpunkt neu. In der Regel unterschieden die Stromer aufgrund knapper Batteriekapazitäten zwischen sparsam, super sparsam und „wir schalten alle Systeme bis auf die Lebenserhaltung aus“ sparsam. Der koreanische Testwagen kann derweil über eine satte Akkuleistung von 64 Kilowattstunden verfügen.

Theoretisch reicht das für bis zu 452 Kilometer Reichweite – für ein Elektroauto im Allgemeinen und ein E-SUV im Besonderen schon ein Spitzenwert. Bei den kleineren Wagen hält da nur Renaults Zoe mit, selbst Audis E-Tron schafft nur rund 430 Kilometer. Die mehr als 500 Kilometer lässt sich Tesla im Model X mit mehr als 80.000 Euro bezahlen.

Entsprechend großzügig geht der Kia mit seinem Saft um. Im Handelsblatt Autotest merke ich nicht nur deswegen schnell, dass mir der E-Soul ganz gut gefällt. Und auch das überrascht mich. Vor einigen Jahren hatte ich einen Benziner der ersten Baureihe im Test. Und ich muss gestehen – ich habe ihn nicht leiden können.

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    Nicht wegen seines auffälligen, kastigen und bunten Designs. Mein persönliches Empfinden war: Der Soul ist untermotorisiert, schlecht abgestimmt, das Fahrverhalten schwammig und die Technik nicht ausgereift. Wenn ich an den Wagen zurückdenke, denke ich auch an zwei Kollegen, die sich abwechselnd mit dem Sprachassistenten über eine Zieladresse für das Navi gestritten haben. Vielleicht haben das die Koreaner auch selbst gemerkt, zumindest was den Antrieb angeht. Den Soul gibt es nunmehr nur noch mit dem „E“ davor.

    Der Kia E-Soul setzt seit jeher auf ein kontroverses Würfeldesign.
    Sauberwürfel

    Der Kia E-Soul setzt seit jeher auf ein kontroverses Würfeldesign.

    Die Koreaner haben das Elektromodell auch optisch aufgewertet.
    Liebe zum Detail

    Die Koreaner haben das Elektromodell auch optisch aufgewertet.

    Kastig ist er immer noch, doch wie es ein anderer Kollege ausdrückt: „Früher war es ein Würfel, jetzt ist es ein aggressiver Würfel.“ Tatsächlich geht visuelles Understatement anders. Die klare Form mit der markanten Lkw-Schnauze und den riesig wirkenden Felgen sticht im Alltag hervor. Und wer schon einmal sein Auto im Parkhaus verloren hat, weiß: Es muss ja nicht immer Silbermausgraumetallic oder Oryxweiß-Perlmutteffekt sein. Beide Entsprechungen bietet Kia auch für den Soul, der Testwagen darf seiner aggressiven Würfeligkeit in einem angemessenen Rot Ausdruck verleihen.

    Auf jeden Fall kommt der E-Soul bei der Kundschaft an. Allerdings etwas später: Aktuell muss man etwa fünf Monate warten, bis der bestellte Wagen ausgeliefert wird. In der Jahresliste der meist zugelassenen Elektroautos landete der Kia in Deutschland aber bereits auf dem zehnten Platz. Auf dem koreanischen Heimatmarkt ist das E-Auto noch deutlich beliebter. Gut 33.000 Euro kostet das Einstiegsmodell, das ist in etwa auf Augenhöhe mit dem Nissan Leaf, dem Opel E-Corsa oder dem Volkswagen ID.3. Günstiger als das Tesla Model 3 oder der BMW i3 ist es allemal.

    Kein Sportwagen, aber außergewöhnlich dynamisch

    Dafür gibt es einen Reinstromer mit ordentlicher Reichweite und Platzangebot, das noch für die kleine Familie reicht. Hinzu kommen die aktuell hohen Förderprämien, sodass Interessenten unterm Strich sogar mit fast 20.000 Euro dabei sind. Das ist wettbewerbstauglich. Aber auch alltagstauglich?

    Ja. Denn der E-Soul ist so konstruiert, dass man als Fahrer wenig Abstriche gegenüber einem Verbrenner hinnehmen muss. Klar, es ist eine Umgewöhnung: Der Elektromotor kann nur vor und zurück – geschaltet und gekuppelt wird nicht. Entsprechend fällt auch der Schalthebel weg und lässt Raum für mehr Bedienelemente.

    Der Vorschub ist konstant und ruckelfrei, auch daran muss man sich gewöhnen. Hier kommen die 150 kW (204 PS) des Testwagens ins Spiel, die ohne Vortriebsverlust eben auch den 911er ausstechen. Auf der Autobahn ist bei rund 170 Stundenkilometern Schluss – reicht auch. Ein gut gemeinter Hinweis: nicht das Beschleunigungspedal durchtreten, ohne den Effekt mal im freien Raum getestet zu haben.

    Bei all dem bleibt der Kia beherrschbar, ohne ein Sportwagengefühl vermitteln zu wollen. Die Lenkung könnte ein bisschen straffer sein, das Fahrwerk versucht es mit Gemütlichkeit, was im „Dynamic“-Modus (der von Kia offiziell als Sportmodus bezeichnet wird) schon mal etwas schwammig wirkt. Von einem 4,20 Meter langen, 1,80 Meter breiten und 1,60 Meter hohen Kompakt-SUV erwartet man aber eben auch kein Rallye-Fahrverhalten.

    Im Test erweist sich das Elektromodell als äußerst alltagstauglich.
    Praktisch veranlagt

    Im Test erweist sich das Elektromodell als äußerst alltagstauglich.

    Rückwärts ein- und ausparken ist wegen der extravaganten Form schon mal schwieriger. Gut, dass es eine Kamera gibt.
    Hilfe erwünscht

    Rückwärts ein- und ausparken ist wegen der extravaganten Form schon mal schwieriger. Gut, dass es eine Kamera gibt.

    Im Comfort-Modus gleitet der Soul überraschungsfrei und geschmeidig dahin, er wird auf Dauer weder anstrengend, noch knirscht es irgendwann unterm Hintern. Dazu erzeugt der elektrische Seelenretter als Anfahrgeräusch (VESS) einen beinahe meditativ sphärischen Choral. Es ist grundsätzlich immer wieder erstaunlich, wie sehr Stadtfahrten in Elektroautos innerlich entschleunigen, hilft das viele Bremsen doch durch Energierückgewinnung, die Reichweite zu optimieren.

    Die solide Verbrauchsrechnung des Kia nimmt einem auch sportliche Beschleunigungsschübe nicht übel. Über das Display lässt sich die Statistik des eigenen Fahrverhaltens aufrufen, auf dessen Basis – mutmaßlich – die Restreichweite ausbaldowert wird. Das Umschalten in den Sportmodus macht sich mit rund 30 Kilometern Verlust bemerkbar. Schaltet man die Heizung ein, sind zehn Kilometer futsch. Insgesamt ist der Wagen mit Extras zwar gut gefüllt, aber nicht überfrachtet. Rückfahrkamera und Parksensoren braucht es beim Würfeldesign auf jeden Fall. Die Heckklappe öffnet derweil aus Energiespargründen nicht per Automatik.

    Das Multimediasystem verbindet sich reibungslos und klingt solide. Wirklich hilfreich ist das Head-up-Display, was es gegen Aufpreis gibt. Die Übersicht der angenehmen Sitzhöhe bleibt durch die virtuelle Instrumententafel über dem Lenkrad gut erhalten. Die Cruise Control arbeitet nahtlos mit dem Spurhalteassistenten zusammen, und Straßenabschnitte mit Stop-and-go bewältigt der Kia auch schon mal ohne Hilfe des Fahrers. Man merkt, dass das autonome Fahren im Hinterkopf der Autoentwickler zusehends eine Rolle spielt.

    Viel Reichweite, aber mitunter hoher Verbrauch

    Die realistische Startreichweite sinkt, trotz Sitzheizung und -kühlung, nie unter 400 Kilometer. Damit ist das E-Auto eben nicht nur für die Kurzstrecke geeignet. Der Wochenendausflug zu zweit geht relativ problemlos, für mehr reicht der recht schmale Kofferraum (305 Liter Volumen) eher nicht. Für Beifahrer ist aber vorn wie hinten ausreichend Beinfreiheit gegeben.

    Wenn man sich mit dem Platzangebot arrangiert, geht – oder ginge – sogar der etwas längere Urlaub für zwei. Dann muss man aber sehr genau planen und sich sicher sein, dass die Schnellladestationen entlang des Weges auch liefern. Der Soul hat einen CCS-Kombistecker und kann damit an Gleichstromanschlüssen mit 50 kWh theoretisch in rund einer Stunde auf 80 Prozent laden. So wären etwa 600 Kilometer Laufleistung mit einem Pausenstopp denkbar. Denn natürlich verringert sich die Reichweite eines Stromers auf der Autobahn deutlich, da keine Energie zurückgewonnen wird und dafür sehr viel Energie in den Antrieb fließt.

    Im Stadtbetrieb reichen die mehr als 400 Kilometer Ausgangslage hingegen für viele Tage. Gerade der Einsatz der Rekuperation über die Schaltwippen am Lenkrad erweist sich dabei als sehr nützliches Feature. Relativ präzise lässt sich damit steuern, wie leicht und lange der Wagen rollt oder wie stark der Generator abbremst – und dabei etwas Energie zurückgewinnt.

    Hier zeigt sich aber auch klar, dass der deutsche Innenstadtverkehrsfluss nicht auf vorausschauendes Fahren angelegt ist. Gemächliches auf eine rote Ampel Zutrudeln spornt die umgebenden Teilnehmer gern zu dramatischen Bremseinlagen, nervösen Überholmanövern und dem Gebrauch der Hupe an.

    Praktischer erweist sich die Würfelform bei der Zuladung. Hier ist reichlich Platz.
    Viel Stauraum

    Praktischer erweist sich die Würfelform bei der Zuladung. Hier ist reichlich Platz.

    Anders als bei seinen Vorgängern überzeugt auch das Fahrverhalten.
    Dynamischer als der Verbrenner

    Anders als bei seinen Vorgängern überzeugt auch das Fahrverhalten.

    Wenn man ihn dann laden muss, den Soul, muss man aber auch Geduld mitbringen. Die Haushaltssteckdose will sich atemberaubende 29 Stunden Zeit lassen. Bei 7,2 kWh Leistung, was vielen öffentlichen Säulen entspricht, sind es immer noch 9,5 Stunden. Im Test zog der Wagen sowohl an der Wandladestation als auch im öffentlichen Raum maximal elf kWh – das wären rund sieben Stunden Standzeit.

    Entsprechend gilt auch für den E-Soul: Er lohnt sich wirklich, wenn man zu Hause einen vernünftigen Anschluss legen kann und Platz hat, ihn über Nacht am Netz hängen zu lassen.

    Der Test hat mir aber auch gezeigt, wie sich Elektromobilität anhand von Kleinigkeiten allmählich in den Alltag kämpft. So hat mich die Suche nach einer Ladesäule zu einem Supermarkt ein bisschen außerhalb geführt. Das Versprechen: kostenloses Laden während des Einkaufs. Das ist immer noch ein bisschen hakelig, vor allem da es den Schlüssel zur Station natürlich nur im Markt gibt und man zudem noch Pfand hinterlegen muss. Aber am Ende habe ich dort in Ruhe den Wocheneinkauf erledigt, während der Kia in rund 40 Minuten Strom für knapp 35 Kilometer gezogen hat. Auf dem Land ist das für Elektroautos ein echtes Argument.

    Für mich selbst kann ich sagen: Es war das erste Mal, dass mich ein E-Auto im direkten Vergleich mit dem entsprechenden Verbrenner überzeugen konnte. Und bei allen Schwachstellen, die das Gesamtkonzept noch hat – solche Momente können für den Kunden zum Schlüsselerlebnis werden.

    Mehr: Dreiliterauto mit 560 PS – der Porsche Panamera 4S E-Hybrid im Handelsblatt Autotest

    Der Soul hat in Zukunft keinen Auspuff mehr.
    Exklusiv elektrisch

    Der Soul hat in Zukunft keinen Auspuff mehr.


    Technische Daten

    Fünftüriger, fünfsitziger Kompaktwagen

    • Länge: 4,20 Meter
    • Breite: 1,80 Meter
    • Höhe: 1,61 Meter
    • Radstand: 2,60 Meter
    • Kofferraumvolumen: 315 – 1.339 Liter
    • Permanentmagnet-Synchronmotor
    • 150 kW/204 PS
    • maximales Drehmoment: 395 Nm bei 0 – 3.600 U/min
    • Frontantrieb
    • Eingang-Automatikgetriebe
    • 0-100 km/h: 7,9 s,
    • Vmax: 167 km/h
    • Normverbrauch: 15,7 kWh
    • Batteriekapazität: 64 kWh
    • Reichweite: 452 km
    • CO2-Ausstoß: 0 g
    • Effizienzklasse: A+
    • Preis: ab 33.000 Euro
    • Preis des Testwagens: 40.346 Euro


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    1 Kommentar zu "Elektromobilität: Der elektrische Seelentröster – der Kia E-Soul im Handelsblatt-Autotest"

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    • TIPP: Vielleicht doch noch mal Nachlesen wie die Leistung (kW) und Energiemenge (kWh)angegeben und verwendet werden. kW/h gibt es schon gar nicht. Das korrekt auseinander zu halten, sollte man vom Autor erwarten bei solch einem Artikel. Wird in zukünftigen Test bestimmt häufiger vorkommen.

      Ansonsten recht ausführlich der Test. Volle Hütte wird mit Sicherheit teurer sein als 20k€ nach Förderung.

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