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Auto-LieferfristenWenn das Cabrio erst im Spätherbst kommt

Die Entwicklung könnte kaum gegensätzlicher sein: Trotz spürbarer Marktschwäche und Rabatten auf Höchstniveau kommt es bei deutschen Neuwagen zu langen Lieferfristen. Bei einigen Modellen ist das besonders ärgerlich. 27.03.2012 - 09:36 Uhr Quelle: MIDArtikel anhören

Duisburg Essen.

Trotz spürbarer Marktschwäche und hoher Rabatte kommt es zu langen Lieferfristen für Neuwagen.

Foto: MID

Der deutsche und der europäische Automarkt sind derzeit von gegensätzlichen Entwicklungen geprägt. Auf europäischer Ebene ist nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler des CAR Institut der Universität Duisburg Essen weiter mit zum Teil dramatisch sinkenden Verkäufen zu rechnen. „2012 wird das schlechteste Jahr seit 18 Jahren“, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Instituts. Viele Autobauer lebten daher bei ihrem Bestelleingang „von der Hand in den Mund“.

Somit sind auch die verkaufsfördernden Preisnachlässe zuletzt wieder auf ein rekordverdächtiges Niveau gestiegen - und dennoch kommt es zu langen Lieferfristen, die allerdings sehr unterschiedlich ausfallen.

Für individuell bestellte Fahrzeuge ergibt sich im Monat März eine durchschnittliche Wartezeit von 15,3 Wochen. Allerdings sind noch deutlich längere und unterschiedliche Lieferfristen keine Ausnahme: Auf einen Audi Q5 wartet man bis zu 36 Wochen, einen A4 oder einen A6 kann man dagegen schon nach 20 Wochen in Empfang nehmen.

Bei VW liegen die längsten Wartezeiten beim Golf Variant und beim Tiguan (32 Wochen), und ein Golf Limousine oder Touran erhält man nach 18 oder 20 Wochen. Spitzenreiter bei Lieferzeiten ist VW. Hier muss der Käufer im Durchschnitt 22 Wochen auf sein Auto warten.

CAR-Chef Dudenhöffer sieht die Ursache dafür in der „mangelnden Flexibilität“ des VW-Produktionssystems. Dagegen wurden die Lieferzeiten bei Mini und der BMW-Muttergesellschaft trotz eines höheren Fahrzeugabsatzes (plus zehn Prozent bei Mini in Europa) auf 2,6 und 2,3 Monate (BMW) verringert. Die längsten Lieferzeiten haben bei BMW der X3 und der X6 mit jeweils 18 Wochen.

Laut Dudenhöffer sind viele Cabrio-Hersteller schlecht auf das Frühjahrsgeschäft mit den offenen Autos vorbereitet. Wer jetzt ein Audi A3-Cabrio in individueller Ausstattung bestellt, wird es nach CAR-Berechnungen erst im Herbst 2012 übernehmen können. Dann kann er es gleich für den Winter einmotten und im Frühjahr 2013 für die erste offene Ausfahrt in Betrieb nehmen.

Wenn Hersteller und Verkäufer zu viel versprechen
Die Regel gilt zwar für alle Preisklassen. Aber die Fehler werden in der oberen Klasse schnell teurer. Darum sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Kaufvertrag das Herstellungsdatum korrekt angegeben ist und dass tatsächlich die Lieferung eines "Inland-Fahrzeugs" vereinbart wird und - falls nicht ausdrücklich gewünscht - die Lieferung eines Re-Imports ausgeschlossen ist.
Gerade bei Edelautos gibt es viele Sonderwünsche. Umso wichtiger ist es, dass alle Vereinbarungen, wie beispielsweise die Lieferung eines speziellen Zubehörs, schriftlich niedergelegt werden.
Auch hier ist schon viel schief gelaufen. Deswegen raten Juristen dazu, unbedingt darauf zu achten, dass der Vertrag von einer vertretungsberechtigten Person auf Verkäuferseite unterschrieben wird.
Ganz wichtig: Damit Autokäufer nicht ausgenommen werden, sollten sie den Kaufpreis nur Zug um Zug gegen Übergabe des Fahrzeugs mit allen Papieren zahlen. Wer sich hier großzügig zeigt und zu schnell zahlt, kann nachher eine böse Überraschung erleben.
Ist der teure neue Wagen mangelhaft, hat der Verkäufer laut Experten nur zwei Reparaturversuche. Oft wird von Autohäusern und Herstellern behauptet, es gäbe noch einen dritten Versuch. Falsch. Nach schon nach zwei fruchtlosen Nachbesserungsversuchen kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Gerade bei hohen Kaufpreisen wird hier dann gern gestritten.
Nach dem zweiten Reparaturversuch kann die Einschaltung eines Anwalts unter Umständen weiterhelfen. Denn geht es um eine Rücktrittserklärung, sind verschiedene rechtliche Besonderheiten zu beachten.

Über den hoher Preisdruck auf dem Automarkt hatte das Car-Institut zuletzt Ende Februar berichtet. Demzufolge waren die Rabatte erneut angestiegen. Als Grund werde die hohe Zahl von taktischen Zulassungen – also Neufahrzeug-Zulassungen auf einen Händler oder den Hersteller genannt, die dann mit hohem Preisabschlag wenig später in den Verkauf gehen. Im Januar 2012 wurden 63.596 Fahrzeuge auf diese Weise für den Verkehr zugelassen. Zwar waren das 6.700 Einheiten weniger als im Vormonat, doch stieg der Anteil an den Gesamtzulassungen von 28,7 Prozent auf 30,3 Prozent.

Ein weiterer Faktor war die hohe Zahl von 370 offenen Herstelleraktionen. Das waren 36 Aktionen mehr als noch im Januar und gleichzeitig die höchste Zahl an offenen Verkaufsförderungsaktionen der Autobauer, die die Autoexperten je in einem Februar beobachtet hatten.

Erfasst werden unter dieser Kategorie Sondermodelle, Sonderfinanzierungen, Leasing, Rabatte, Gebrauchtwagenüberzahlungen und Wertgutscheine, die direkt vom Hersteller ausgelobt werden. Zusätzliche Händleraktionen fallen noch nicht einmal darunter.

Außerdem waren die Rabatte bei den Internetvermittlern weiter gestiegen. So wurde beispielsweise der VW Golf bei Onlinevermittlern mit einem Preisabschlag von 20,5 Prozent zu Markte getragen, und bei Inzahlungnahme eines Fremdfabrikats waren es sogar 23 Prozent.

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Der durchschnittliche bei Internetvermittlern ermittelte Händlerrabatt lag im Februar 2012 bei 18,2 Prozent und damit um 0,6 Prozentpunkte höher als im Januar. Gestiegen waren vor allem die Nachlässe auf den BMW 1er und X1, den Ford Fiesta und Focus, den Opel Astra, Corsa und Meriva und den VW Golf.

Den Kunden freut’s. Und als Fazit sieht das Institut auch in den kommenden zwei bis drei Monaten ein hohes Rabattniveau bei Neuwagenverkäufen, die jedoch von einer dauerhaft anhaltenden, guten Konjunkturlage wieder gestoppt werden könnte.

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