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AuslandsstudiumBiden-Bonus: Warum Amerikas Business-Schools ein Comeback erleben

Die Coronafolgen lassen nach, seit dem Ende der Ära Trump kehren auch ausländische Studenten zurück. Doch wie zeitgemäß ist der US-Wirtschaftsabschluss noch?Lilian Fiala 16.10.2021 - 09:00 Uhr Artikel anhören

Das Interesse an MBA- Programmen in den USA steigt wieder.

Foto: imago images/ZUMA Wire

Köln. Das MBA-Studium an der Kellogg School of Management begann für Kevin Bay nicht im Hörsaal seiner neuen Uni. Statt in Evanston, 20 Kilometer nördlich von Chicago, saß er zu Hause in Berlin vor seinem Laptop. Der Studienstart im Juli vergangenen Jahres hatte es für den Unternehmensberater in sich: Wegen der Zeitverschiebung fanden die Buchhaltungskurse für ihn von ein Uhr nachts bis vier Uhr morgens statt. Seine Kommilitonen lernte er via Zoom kennen, nicht auf dem Campus.

Wie für Bay gab es für viele Deutsche, die in den USA ein Auslandsstudium absolvieren wollten, wegen der Coronabeschränkungen über Monate hinweg kein Visum. Ende August 2020 war es dann endlich so weit: Auch die internationalen Studenten durften wieder einreisen und vor Ort studieren.

Für Amerikas Wirtschaftshochschulen häufen sich derzeit die guten Nachrichten: Dank hoher Impfquoten unter den Studierenden ist das Leben auf den Campus zurückgekehrt, und auch der Regierungswechsel zu Beginn des Jahres brachte vielen Unis den lang ersehnten Rückenwind. Denn in den vier Regierungsjahren unter Präsident Donald Trump waren insbesondere den Business-Schools die Studenten weggelaufen.

70 Prozent der Wirtschaftsunis meldeten Ende 2018 einen Rückgang der Interessenten für zweijährige Vollzeitstudiengänge zum Master of Business Administration (MBA), dem beliebtesten und renommiertesten Wirtschaftsabschluss. Vor allem internationale Bewerber machten aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik der Trump-Regierung einen Bogen um die USA.

Seit die neue Regierung einige der Beschränkungen rückgängig gemacht hat und etwa die Einreise für angehende Start-up-Unternehmer erleichtert, hoffen viele Bildungsanbieter auf einen „Biden-Bonus“ – und die Rückkehr zur Normalität. Doch die dürfte sich so bald nicht einstellen, zumindest nicht für alle. Denn unter Studenten wird längst eine ganz andere Frage diskutiert: Wie sinnvoll ist ein MBA überhaupt noch?

Der Konkurrenzdruck steigt

Fakt ist: Die Stimmung an den Hochschulen bessert sich, das Interesse an MBA-Programmen steigt wieder, während die pandemiebedingten Sorgen schwinden. Waren noch im Juli 2020 rund 44 Prozent der Interessenten wegen der Coronapandemie „extrem“ oder „sehr besorgt“, sank die Zahl den Daten des gemeinnützigen Bildungsdienstleisters Graduate Management Admission Council (GMAC) zufolge zum Jahresende auf 33 Prozent. Die überwiegende Mehrheit (84 Prozent) der Befragten ist ferner davon überzeugt, dass ein MBA-Studium für die berufliche Karriere hilfreich ist. Seit dem Regierungswechsel gebe es zudem für ausländische Studenten wieder mehr Planungssicherheit, beobachtet MBA-Student Bay.

Die Entspannung wirkt sich allerdings nicht auf alle Anbieter gleichermaßen aus. Während sich die prestigeträchtigen Ivy-League-Universitäten wie Stanford, Harvard oder Kellogg kaum Sorgen machen müssen, dass die Hörsäle ihrer MBA-Programme leer bleiben, wird der Konkurrenzkampf für die weniger berühmten Business-Schools immer härter.

Das Angebot an MBA-Studiengängen außerhalb der USA ist in den vergangenen Jahren immer größer und besser geworden. Für viele Bewerber sind zudem die hohen Kosten eines Studiums in den Vereinigten Staaten ein mächtiges Ausschlusskriterium. „Der Dollar war zuletzt sehr stabil, was es deutlich teurer gemacht hat, in den USA zu studieren“, sagt Lars Zimmermann, Studienberater bei Academic Embassy. Mehrere US-Hochschulen hatten in den vergangenen Jahren ihre MBA-Programme mangels Nachfrage eingestellt.

Aktuell gibt es darüber hinaus Diskussionen über die inhaltliche Ausrichtung der MBA-Programme. „Viele Leute wollen heute lieber im Technologiebereich Karriere machen und nicht in klassischen Managementpositionen arbeiten“, sagt Markus Martinelli, angehender MBA-Student in Stanford. „Und dafür ist technisches Grundwissen die Voraussetzung.“ Das wiederum wird in Masterstudiengängen in Computertechnologie (MSIT) gelehrt, im klassischen MBA-Studium allerdings eher nicht.

In studentischen Onlineforen wird das Für und Wider zwischen MBA und MSIT inzwischen kontrovers diskutiert. Martinelli sagt: „Ich kann mir vorstellen, dass die Nachfrage irgendwann den Punkt erreicht, an dem MBA-Anbieter sich gezwungen sehen, darauf zu reagieren, und sich anpassen“ – also Coding- und Technology-Kurse in das Kerncurriculum aufzunehmen. Das dürfte dann nicht nur für Programme in den USA gelten, sondern weltweit.

Ein wichtiger Grund, dass die Vereinigten Staaten nach wie vor das beliebteste Studienland für MBA-Interessenten sind, ist die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. „Viele Unternehmen, die mich interessieren, weil sie in ihrer Branche Marktführer sind, haben ihren Sitz in den USA“, begründet Thilo Braun seine Entscheidung, sich hier weiterzubilden. Der ehemalige Leiter Industrial Management beim Flugtaxi-Start-up Lilium Aviation ist im zweiten Jahr MBA-Student in Stanford. „Zahlreiche Technologien sind hier deutlich weiter entwickelt.“

Rückkehr der Abschlussfeier

Hinzu kommt für ihn die akademische Qualität: „Was hier von den Topunis geboten wird, ist auf einem höheren Niveau als in Europa“, befindet Braun. Aufgrund der hohen Studiengebühren haben die amerikanischen Kaderschmieden deutlich mehr Geld zur Verfügung als die meisten internationalen Konkurrenten. Die Kehrseite: Dieses Niveau kann sich längst nicht jeder leisten, was die Spaltung der Anbieter in wenige prosperierende Elitehochschulen und den darbenden Rest weiter vorantreibt – und viele Studierende dazu zwingt, sich zu verschulden oder um ein Stipendium zu bemühen. Auch Braun finanziert sich mit einem Stipendium seinen Traum vom Studium in den USA.

Das Studentenleben hat sich vielerorts inzwischen wieder normalisiert, obwohl die Coronapandemie in weiten Teilen des Landes noch andauert. In Stanford sollen nach aktuellem Stand alle Vorlesungen wieder in Präsenz stattfinden. In geschlossenen Räumen muss Maske getragen werden, ansonsten gibt es nicht viele Einschränkungen.

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Viele Unis haben eine Impfpflicht mit nur wenigen Ausnahmen eingeführt, Stanford gab kürzlich in einer Rundmail an die Studierenden bekannt, dass 95 Prozent der Mitarbeiter und Studenten, die den verpflichtenden Gesundheitscheck durchgeführt haben, bereits geimpft sind. Zusätzlich werden einmal pro Woche Coronatests ausgehändigt, welche die Studenten selbstständig durchführen müssen.

Kellogg-Student Bay jedenfalls ist trotz des holprigen Starts am heimischen Laptop dankbar, dass er in den USA studieren konnte: „Der Jahrgang über uns musste das Studium mitten in der Panik um die aufkommende Pandemie beenden. Wir hatten am Ende sogar eine Abschlussfeier. Draußen mit Bühne und allem Drum und Dran.“

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