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ArbeitsmarktArbeitslosigkeit sinkt nur leicht – Fachkräfteengpass hält an

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung bremst die übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sank zwar, der Rückgang fiel aber vergleichsweise gering aus. 04.06.2024 - 10:24 Uhr aktualisiert
Die Bundesagentur für Arbeit hat die Bilanz für den Arbeitsmarkt im Mai vorgelegt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Berlin. Der zweigeteilte Arbeitsmarkt, vor dem die Bundesagentur für Arbeit (BA) seit längerer Zeit warnt, wird zunehmend zur Realität. Zum einen fällt es Arbeitslosen immer schwerer, eine neue Beschäftigung zu finden. Zum anderen haben Unternehmen weiter Schwierigkeiten, Fachkräfte für offene Stellen zu finden.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai im Vergleich zum April um 27.000 auf gut 2,7 Millionen gesunken. Die BA registrierte aber  179.000 Arbeitslose mehr als im Mai vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum April um 0,2 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent.

„Die Frühjahrsbelebung ist in diesem Jahr nicht richtig in Fahrt gekommen“, sagte BA-Chefin Andrea Nahles am Dienstag bei der Präsentation der Daten in Nürnberg. Zwar seien Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung auch im Mai zurückgegangen, aber nicht so kräftig wie in den meisten Jahren zuvor. Saisonbereinigt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Mai im Vergleich zum Vormonat um 25.000.

Bereits im April war die Arbeitslosenzahl wegen der Wirtschaftsschwäche im Vergleich zum Vormonat nur leicht um 20.000 auf 2,75 Millionen gesunken. Im Vorjahresvergleich waren sogar 164.000 Menschen mehr ohne Job.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die bereits seit mindestens einem Jahr auf der Suche nach einer Beschäftigung sind, hat sich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um zehn Prozent auf 965.000 Personen erhöht. Die Chance, Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden, ist im Augenblick so gering wie im ersten Halbjahr 2021 während der Coronapandemie, heißt es im Arbeitsmarktbericht. 

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sprach dennoch von einem „stabilen Arbeitsmarkt mit einer leichten Frühjahrsbelebung“. Es zeige  sich allerdings, dass die schwache Konjunktur im vergangenen Jahr Spuren hinterlassen habe. Nun gelte es, die „verhaltene wirtschaftliche Belebung“ zu nutzen, „um Investitionen zu fördern und den Konsum weiter anzukurbeln“, betonte Heil.

Weniger Nachfrage nach Arbeitskräften – aber kaum Entspannung bei Engpassberufen

Nahles sagte, viele Unternehmen könnten offene Stellen weiter nicht besetzen, obwohl aktuell rund 463.000 Arbeitslose mehr registriert seien als noch vor zwei Jahren. „Es kann sein, dass manche Firmen nicht wachsen können, weil sie keine qualifizierten Arbeitskräfte finden“, so Nahles. Dies liege daran, dass die Arbeitslosen oft nicht über die von den Unternehmen nachgefragten Qualifikationen verfügten. 

Allerdings ging die Nachfrage nach Arbeitskräften insgesamt zurück. Im Mai waren 702.000 offene Stellen bei der Bundesagentur gemeldet – 65.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt mit rund 34,8 Millionen im März nach BA-Angaben indes immer noch auf einem hohen Niveau.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten 134.000 mehr Menschen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, wobei der Zuwachs allein auf Arbeitskräfte mit ausländischem Pass zurückzuführen ist. Saisonbereinigt hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Februar auf März 2024 aber leicht um 3000 Personen abgenommen.  

Gastkommentar

Wie Deutschland für internationale Fachkräfte anziehend sein kann

Eine ganz leichte Entspannung zeigt sich auch beim Fachkräftemangel. Laut der jährlichen Fachkräfteanalyse der BA ist die Zahl der sogenannten Engpassberufe 2023 leicht auf 183 gesunken – nach 200 im Vorjahr. Hier zeigen sich Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Trotz des leichten Rückgangs sind immer noch in rund jedem siebten Beruf die Fachkräfte knapp.   

Für die Engpassanalyse in rund 1200 Berufsgattungen werden sechs verschiedene Indikatoren herangezogen, beispielsweise die Dauer, bis eine Stelle besetzt ist, die berufsspezifische Arbeitslosenquote und die Entgeltentwicklung.

Köche und Köchinnen tauchten im vergangenen Jahr neu unter den Engpassberufen auf, ebenso technische Servicekräfte. Etwas entspannt hat sich die Situation bei Ingenieuren in der Luft- und Raumfahrttechnik und bei Fachkräften im Baubereich, was mit der anhaltenden Baukrise zu tun haben dürfte.

Betrachtet man die Beschäftigtenzahlen, gab es 2023 in den Pflege- und Gesundheitsberufen, im Handwerk, im Berufskraftverkehr, in der Kinderbetreuung, in der Gastronomie, im IT-Bereich und in der Bauplanung die größten Engpässe.

Keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten

Trotz der Konjunkturschwäche rechnet BA-Chefin Nahles nicht mit einem nachhaltigen Rückgang des Personalmangels. „Aufgrund der demografischen Entwicklung werden auch in den kommenden Jahren viele gut qualifizierte und erfahrene Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen“, sagte sie.

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Insgesamt sind die Zukunftserwartungen für den Arbeitsmarkt eher gedämpft. Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur, ein Indikator für die Arbeitskräftenachfrage in Deutschland, blieb im Mai zwar unverändert, lag aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahres.

Auch das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht von gedämpften Aussichten aus. Es basiert auf den Einschätzungen aller deutschen Arbeitsagenturen für die Entwicklung in den bevorstehenden drei Monaten.

fsp
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