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  4. Ausbildungsumlage: DGB will Zukunftsfonds, in den alle Betriebe einzahlen

ArbeitsmarktDGB nimmt neuen Anlauf für bundesweite Ausbildungsumlage

Die Gewerkschaften wollen die von der Ampelregierung geplante Ausbildungsgarantie über einen Fonds finanziell absichern. Das steht so allerdings nicht im Koalitionsvertrag.Frank Specht 07.09.2022 - 07:37 Uhr Artikel anhören

Der derzeitige Markt ist ein Bewerbermarkt, trotzdem bleiben die Auszubildenden aus.

Foto: dpa

Berlin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will der Krise auf dem Ausbildungsmarkt mit einem umlagefinanzierten Zukunftsfonds begegnen. Ein entsprechendes Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt, hat der DGB-Bundesvorstand am Dienstag beschlossen. Vorbild ist die Bauwirtschaft, wo die Sozialkasse (Soka) Bau bereits seit Anfang der 1970er-Jahre eine umlagefinanzierte Ausbildung gewährleistet.
Trotz des Fachkräftemangels seien auch im vergangenen Jahr rund 230.000 junge Menschen im sogenannten Übergangsbereich hängen geblieben, weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack dem Handelsblatt. Nur etwa zwei Drittel aller interessierten Jugendlichen schafften jährlich den Sprung in die Ausbildung.

Nicht einmal 20 Prozent der hiesigen Unternehmen bildeten noch aus. Und mehr als 2,3 Millionen 20- bis 34-Jährige in Deutschland hätten keinen Berufsabschluss. „Prekäre Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind für diese Menschen oft die Folge. Diese unhaltbaren Zustände dürfen wir uns nicht länger leisten und den jungen Menschen nicht länger zumuten“, sagte Hannack.

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Allerdings geht auf dem Ausbildungsmarkt die Zahl der Interessenten stetig zurück, während Unternehmen immer größere Schwierigkeiten haben, ihre freien Plätze zu besetzen. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurden von Oktober 2021 bis August dieses Jahres 526.000 freie Ausbildungsplätze gemeldet – 20.000 mehr als vor einem Jahr.

Im gleichen Zeitraum meldeten sich 408.000 junge Leute auf der Suche nach einer Lehrstelle bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter, 13.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. 182.000 nicht besetzten Ausbildungsplätzen standen im August 112.000 unversorgte Bewerber gegenüber.

Obwohl der Ausbildungsmarkt momentan also ein Bewerbermarkt ist, hatten SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag eine Ausbildungsgarantie für Jugendliche verabredet. Die Ausgestaltung ist allerdings noch unklar.

In seinem zwölfseitigen Positionspapier schlägt der DGB mehrere Elemente für eine Ausbildungsgarantie vor. So sollen nach den Vorstellungen der Gewerkschaften die Jugendberufsagenturen ausgebaut und die Berufsorientierung in den Schulen gestärkt werden.
Auch müsse es einen Datenaustausch zwischen Schulen und Berufsagenturen geben, um eine Beratung und Betreuung aller Schüler sicherzustellen. Die neue Chefin der BA, Andrea Nahles, hatte gerade erst im Interview mit dem Handelsblatt beklagt, dass der Datenschutz dem oft entgegenstehe.

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Um die Mobilität von Ausbildungsinteressenten zu fördern, schlägt der DGB ein kostenfreies Azubi-Ticket und Förderprogramme für Wohnheimplätze vor. Für Bewerber, die trotz einer mehrwöchigen geförderten Vorbereitung keine Lehrstelle in einem Unternehmen finden, soll es garantierte außerbetriebliche Ausbildungsplätze geben.
Kernpunkt der DGB-Überlegungen ist aber der umlagefinanzierte Zukunftsfonds. „Eine Ausbildungsgarantie muss durch eine Finanzierung gedeckt sein, die sicher und krisenunabhängig ist und die Betriebe nicht aus der Ausbildungsverantwortung entlässt“, heißt es in dem Positionspapier.
Branchenbezogene Ausbildungsumlagen gibt es beispielsweise in der Pflege oder in der Bauwirtschaft. Dort haben die Tarifparteien bereits 1971 eine branchenweite Finanzierung der Ausbildung über die Soka Bau eingeführt. Alle Unternehmen zahlen ein, und mit dem Geld werden die überbetrieblichen Kosten der Ausbildung in den Ausbildungszentren finanziert. Außerdem erstattet die Soka ausbildenden Betrieben Teile der Ausbildungsvergütung.

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„Die Ausbildungsgarantie darf nicht zu einer Alibi-Garantie werden, die ausbildungsinteressierte junge Menschen im Regen stehen lässt.“

Foto: DGB

Nach den DGB-Vorstellungen sollen in einen bundesweiten Ausbildungsfonds alle Betriebe mit mindestens fünf Beschäftigten 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme einzahlen. Mit dem Geld sollen überbetriebliche Bildungs- und Unterstützungsleistungen finanziert und ausbildende Betriebe finanziell entlastet werden. Außerdem soll sichergestellt werden, dass es ausreichend überbetriebliche Ausbildungsplätze für Jugendliche gibt, die keinen Platz in einem Unternehmen finden.
„Nur eine Umlagefinanzierung schafft wirksame Anreize, damit Unternehmen mehr Ausbildungsplätze bereitstellen“, sagte DGB-Vizechefin Hannack. Die Ausbildungsgarantie dürfe nicht zu einer Alibi-Garantie werden, die ausbildungsinteressierte junge Menschen im Regen stehen lasse.
Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass eine bundesweite Ausbildungsumlage tatsächlich in dieser Legislaturperiode kommt. SPD und Grüne hatten sich zwar vor der Wahl dafür starkgemacht, im Koalitionsvertrag mit der FDP ist von der Umlage aber keine Rede mehr.

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