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Aufstiegsfortbildung Mehr „Meister-Bafög“: Reform sieht Verbesserungen auf breiter Front vor

Die Bundesregierung stockt die Hilfe für die höhere Berufsbildung auf. Doch das ist noch nicht genug, kritisieren Wirtschaft und Opposition.
08.01.2020 - 04:16 Uhr Kommentieren
Der Bund will die Unterstützung für Fachkräfte, die sich fortbilden kräftig aufstocken. Quelle: Florian Gaertner/photothek.net
Auszubildender im Metallbau

Der Bund will die Unterstützung für Fachkräfte, die sich fortbilden kräftig aufstocken.

(Foto: Florian Gaertner/photothek.net)

Berlin Der Bund will die Unterstützung für Fachkräfte, die sich fortbilden – das sogenannte Meister-Bafög –, kräftig aufstocken. Der Bundestag soll die Reform des „Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes“ (AFBG) Ende Januar absegnen, sodass sie im August in Kraft treten kann. Das soll berufliche Karrieren jenseits der Hochschulen attraktiver machen.

Die Wirtschaft spendet Beifall, ist aber nicht zufrieden. Schließlich ging es zuletzt bergab: 2018 war die Zahl der Prüflinge der höheren Berufsbildung allein bei den IHKs um 2000 auf unter 60.000 gerutscht, mahnt der DIHK in seiner Stellungnahme.

Die GroKo werde „das Aufstiegs-Bafög stärken wie nie zuvor“, erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). „Handwerker, Pflegekräfte und Dienstleister sollen wissen, dass wir an ihrer Seite stehen, wenn sie den beruflichen Aufstieg angehen wollen“, sagte sie bei der ersten Lesung im Bundestag. Gerade weil sich die Arbeit auch mit der Digitalisierung rasant weiterentwickle, „brauchen wir die enge Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung“. Unterm Strich hofft die Regierung, die Zahl der Geförderten von zuletzt 167.000 pro Jahr mittelfristig um 17.000 steigern zu können.

Grundsätzlich hilft das AFBG – auch „Aufstiegs-“ oder „Meister-Bafög“ genannt – seit 1996 vor allem durch Zuschüsse für Kurse, Meisterstücke und Lebensunterhalt, für die übrigen Kosten gibt es Darlehen. 2013/14 erreichte die Zahl der Förderfälle mit 171.000 einen Höchststand, seitdem ist sie gesunken – vor allem bei Teilzeitkursen.

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    Die Ausgaben des Staates für die Zuschüsse betrugen zuletzt 281 Millionen Euro jährlich, wovon der Bund 78, die Länder 22 Prozent tragen. Der Bund plant für diese Legislatur mit Mehrausgaben von 350 Millionen Euro durch die Novelle.

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    Die Reform sieht Verbesserungen auf breiter Front vor: Künftig sollen insgesamt bis zu drei Fortbildungen möglich sein – bis hin zum Master-Niveau. Im Ausnahmefall soll sogar die Förderung für mehrere Kurse auf einer Stufe, also etwa mehrere Meistertitel, drin sein. Zudem werden auch für die unterste Stufe, die Berufsausbildung, Zuschüsse möglich, etwa um Studienabbrechern den Sprung in eine Lehre zu erleichtern.

    Die größte Verbesserung ist bei den Unterhaltskosten geplant: Hier wird der Zuschuss zum Lebensunterhalt für Fachkräfte, die sich in Vollzeit fortbilden, von 50 auf 100 Prozent erhöht. Der Höchstsatz betrug zuletzt knapp 1000 Euro. Der Vollzuschuss sei etwa für Erzieherinnen enorm wichtig, sagte die Berichterstatterin der SPD, Ulrike Bahr. „Das zeigt, dass es uns ernst ist mit der Behebung des Fachkräftemangels auch in diesem Bereich.“ Denn mehr als 80 Prozent der Erzieherinnen lernten den Beruf in Vollzeit. Ihre Ausbildung gilt als Aufstiegsfortbildung, weil sie, wenn sie keine Hochschulreife haben, zuvor eine einschlägige Ausbildung im Sozial- oder Pflegebereich machen müssen.

    Recht auf Weiterbildung

    Der DGB will die gleiche Verbesserung auch für Teilzeitfortbildungen. Denn „seit Jahren fällt die Zahl der Teilnehmer, die sich in Teilzeit fortbilden. Wer seine Arbeitszeit für eine Fortbildung reduziert, verliert Einkommen“, sagt DGB-Vize Elke Hannack.

    Die Wirtschaft ist im Prinzip, ähnlich wie der DGB, voll des Lobes, fordert aber Nachbesserungen: Vor allem das Handwerk pocht darauf, der Staat müsse für Fortbildungskurse und -prüfungen die gesamten Kosten übernehmen. „Schließlich sind in Deutschland auch Studium und Universitätsprüfungen kostenlos“, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Bislang ist geplant, den Zuschuss für Lehrgänge und Prüfung von 40 auf 50 Prozent zu erhöhen.

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    Rückenwind kommt von der FDP: Ihr Sprecher für berufliche Bildung, Jens Brandenburg, kritisiert die unterschiedliche Unterstützung angehender Akademiker und beruflich Ausgebildeter als „ungerecht“. Während das Studium kostenlos sei, müsse man für die Meisterausbildung selbst mit Förderung noch mehrere Tausend Euro auf den Tisch legen.

    Daneben fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), erfolgreichen Prüflingen die Kosten für Lehrgang und Prüfung komplett zu erlassen, um so „einen echten Leistungsanreiz zu schaffen“ und die Attraktivität gegenüber dem Studium zu erhöhen. Bislang ist auch hier nur die Erhöhung von 40 auf 50 Prozent vorgesehen. Lediglich Existenzgründer können die Kosten zu 100 Prozent erlassen bekommen.

    Grüne und Linke unterstützten den Gesetzentwurf, fordern darüber hinaus aber ein Recht auf Weiterbildung. „Ohne das bleibt jede Weiterbildungsstrategie eine leere Hülse“, sagte die Grüne Beate Walter-Rosenheimer. „Denn es hilft nichts, wenn ein Arbeitnehmer zwar alle Maßnahmen bewilligt bekommt, der Arbeitgeber ihn aber nicht freistellt.“ Die Grünen wollen daher einen Freistellungsanspruch mit Rückkehrrecht – wobei sicherzustellen sei, „dass auch kleine Unternehmen dies stemmen können“.

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    Dass die Unterstützung durch die Arbeitgeber ausbaufähig ist, unterstreicht auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie zu beruflicher Fortbildung. Gerade weil Fortbildungsabsolventen in bestimmten Feldern unerlässlich und auch durch Akademiker nur schwer ersetzbar seien, müsse man nicht nur die Nachfrage der Teilnehmer anregen – sondern auch „die Förderung und Nachfrage vonseiten der Unternehmen“. Denn fast vier von zehn Unternehmen, die Mitarbeiter mit einem höheren beruflichen Abschluss beschäftigten, „bieten ihnen dafür keine Unterstützung an“.

    DIHK fordert Marketingkampagne

    Ein Grundproblem der Aufstiegsfortbildung und der Fördermöglichkeiten ist allerdings, dass sie – zumindest im Vergleich zu einem Studium – sehr kleinteilig und relativ wenig bekannt sind. Das gelte sowohl für potenzielle Nachfrager als auch für viele „Akteure der Berufsberatung“, moniert die Studie des IW.
    Daher brauche es dringend eine Marketingkampagne, die dann auch gleich die neuen Abschlüsse Bachelor und Master Professional bekannt machen könnte, fordert der DIHK und bietet die Mithilfe der Handelskammern an.

    Ein großes Problem ist offenbar auch die sehr unterschiedliche Auslegung und Bewilligungspraxis in den Ländern – teilweise sogar innerhalb der Länder, moniert der DIHK. Und schließlich sei es nach mehr als 20 Jahren AFBG auch höchste Zeit für eine Evaluierung der Förderung, fordern DIHK und DGB unisono.

    Mehr: Lesen Sie auch den Gastkommentar von Elke Hannack - Wie sich die Qualität der dualen Ausbildung verbessern könnte

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