Neuer Liberalismus: Aktienrente, Staatsfonds, Klima – Wie FDP und Grüne an der sozial-ökologischen Marktwirtschaft arbeiten
Von FDP und Grünen hängt ab, welche Richtung die nächste Regierung einschlägt.
Foto: Handelsblatt- Als die FDP vor acht Jahren einen Erneuerungsprozess einläutete, ging es ums Überleben. Heute, kurz vor einer Regierungsbeteiligung stehend, muss sie sich abermals neu erfinden.
- Helfen kann dabei eine Rückbesinnung auf liberale Wurzeln. So oder so wird sich die FDP aber auch Themen zuwenden müssen, um die sie sich bisher wenig gekümmert hat: Soziales und Ökologie.
- Der Politikprofessor Hans Vorländer erklärt die Stärke der FDP und wieso der Blick in die Vergangenheit bei einer Ampelkoalition helfen kann.
- Im Interview spricht FDP-Chef Christian Lindner über die Aufgaben seiner Partei, die Bedeutung eines liberalen Rechtsstaats und über Freiheit als die günstigste Form von Wirtschaftsförderung.
Berlin, Düsseldorf. Die Neuerfindung der FDP begann mit einem Anruf vor ziemlich genau acht Jahren. Karl-Heinz Paqué, zu diesem Zeitpunkt ehemaliger Fraktionsvorsitzender der FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, spazierte mit seinem Hund im Wald, als sein Handy klingelte.
Christian Lindner rief an, damals Landesvorsitzender der FDP in NRW. Nur wenige Wochen vorher war die Partei aus dem Bundestag geflogen und lag darnieder. Er stelle ein Team zusammen, sagte Lindner, um für den Bundesvorsitz zu kandidieren. Ob Paqué nicht dabei sein wolle? „Ich habe keine Sekunde gezögert“, erinnert sich Paqué, der heute die liberale Naumann-Stiftung leitet, wenn man so will den Thinktank der Partei.
Nicht nur Paqués Telefon klingelte in diesen Herbsttagen 2013. Auch Wolfgang Kubicki, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Johannes Vogel, Michael Theurer und Volker Wissing etwa sollten mit ins Team. Es formierte sich eine FDP-Führung, deren Schnittmengen mit jener Parteispitze, die unter fünf Prozent gelandet war, überschaubar groß war.
Acht Jahre später nun hat sich die FDP nicht nur personell neu gefunden, sie steht auch kurz vor einer Regierungsbeteiligung. Und dafür muss sie sich nun auch, zumindest teilweise, inhaltlich neu erfinden; sich für soziale und ökologische Themen von SPD und Grünen erwärmen, die in ihrem Programm bislang nur eine Nebenrolle spielten. So klingt es zumindest, wenn man die Aufgabe pessimistisch definieren möchte.