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Bundestagswahl 2025Warum die Zweitstimme dieses Mal besonders wichtig ist

Bei der Bundestagswahl 2025 gilt erstmals das neue Wahlrecht. Was sich geändert hat und wie das die Stimmvergabe beeinflussen kann – dieser Überblick macht fit für den Wahltag.Martin Benedikt Gehlen 23.02.2025 - 08:11 Uhr Artikel anhören
Stimmzettel für die Wahl zum Deutschen Bundestag: Das neue Wahlrecht gibt der Zweitstimme mehr Gewicht. Foto: IMAGO/Sven Simon

Düsseldorf. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gilt erstmals das neue Wahlrecht, mit dem die Zweitstimme eine größere Bedeutung bekommt. Auf dem Stimmzettel ändert sich nichts, alle Wahlberechtigten haben weiterhin eine Erststimme für Direktkandidaten vor Ort und eine Zweitstimme für die Landeslisten der Parteien.

Neu ist, was nach der Auszählung passiert. Denn: Sieger in einem Wahlkreis haben keine Garantie mehr auf einen Sitz im Bundestag.

Wer sich das Prinzip hinter Überhangmandaten und Ausgleichsmandaten ohnehin nie richtig merken konnte, muss nun nichts mehr nachschlagen: Beide Verfahrensregeln sind im Bundeswahlgesetz ersatzlos entfallen.

Wählerin im Rathaus von Traunstein bei der vorzeitigen Stimmabgabe zur Bundestagswahl 2025. Foto: IMAGO/Rolf Poss

Dadurch wird das Parlament kleiner als bisher. Der Bundestag soll laut Grundgesetz eigentlich nur 598 Abgeordnete haben, war aber zuletzt auf die Rekordgröße von 733 Sitzen angewachsen. Das lag vor allem am Wahlrecht mit Überhang- und Ausgleichsmandaten. Das neue Wahlrecht sieht nun genau 630 Sitze für den Bundestag vor.

Weniger gut ist die Vereinfachung jedoch für Kandidaten, die bei dieser Bundestagswahl nicht auf der Landesliste einer Partei geführt sind, sondern ausschließlich um die Erststimmen in einem Wahlkreis kämpfen. Auch wenn sie die meisten Erststimmen erhalten, haben sie nicht wie bisher einen Sitz im Bundestag sicher.

Wahlsieger könnten diesmal auch Verlierer sein

Wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreise nach Erststimmenergebnis gewinnt, als ihr für dieses Bundesland Parlamentssitze nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, dann wird unter den Erststimmengewinnern der Partei nach fallendem Stimmenanteil ausgelesen.

Kandidaten, die ihren Wahlkreis nur mit relativ geringem Erststimmenanteil gewinnen, gehen möglicherweise leer aus. Damit ist auch nicht mehr garantiert, dass jeder Wahlkreis im neuen Bundestag repräsentiert sein wird.

Bei der jüngsten Wahl im Jahr 2021 gewann die SPD 121 Direktmandate, die CDU 98, die CSU 45, AfD und Grüne je 16.

Die Linke gewann in drei Wahlkreisen die meisten Erststimmen und konnte sich nur so den Einzug ins Parlament sichern, denn bei den Zweitstimmen lag die Partei nur bei 4,9 Prozent. Die Linke profitierte von der Regel, dass drei Direktmandate eine Partei in den Bundestag bringen, unabhängig vom Ergebnis der Zweitstimmen.

Gregor Gysi gehört zusammen mit Gesine Lötzsch und Sören Pellmann zu den drei Direktabgeordneten der Linken. Gysi repräsentiert den Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick. Foto: IMAGO/Eventpress

Das neue Wahlrecht enthielt diese „Grundmandatsklausel“ zunächst nicht mehr, dort war nur noch die Fünfprozenthürde enthalten. Doch das Bundesverfassungsgericht ließ das nicht durchgehen, sodass die Klausel weiterhin gilt.

Ist ein Stimmensplitting bei der Bundestagswahl noch sinnvoll?

Der Wegfall der Überhangmandate gibt der Zweitstimme bei der anstehenden Wahl also mehr Gewicht im Hinblick auf die Sitzverteilung des Bundestags. Werden Wähler deshalb nun sorgsamer mit ihrer Zweitstimme umgehen und weniger bereit sein, ihre Erst- und Zweitstimme zu „splitten“, also zwischen zwei Parteien aufzuteilen?

Von dieser Möglichkeit hat bei der vergangenen Bundestagswahl immerhin ein Viertel der Wähler Gebrauch gemacht. Eine taktische Idee dabei kann sein: Wähler rechnen damit, dass ihre favorisierte Partei ohnehin genug Stimmen bekommt, und wählen stattdessen ihren bevorzugten Koalitionspartner.

Stimmensplitting und darauf zielende Zweitstimmenkampagnen sind in diesem Wahlkampf ein kleineres Thema, weil sich das Parteiengefüge deutlich gewandelt hat. Die klassischen Bündnisse aus Schwarz-Gelb einerseits und Rot-Grün andererseits sind aufgrund der Stärke von AfD und BSW nicht mehr stabil. Unionswähler, die bei der letzten Bundestagswahl ihre Zweitstimme an die FDP „verliehen“, wurden schließlich von der Ampelkoalition kalt erwischt.

Die Union blockt folglich diesmal ab und lockt ihrerseits FDP-Stammwähler. Die FDP hingegen kämpft laut Umfragen derzeit mit der Fünfprozenthürde und schaut nach taktischem Wählerpotenzial. Die Parteiführung hat auf dem jüngsten Parteitag die Gefahr einer schwarz-grünen Koalition beschworen, um für sich zu mobilisieren.

Friedrich Merz und Christian Lindner im Bundestag: Von einer Zweitstimmenkampagne für die FDP hält der CDU-Chef nichts. Foto: Michael Kappeler/dpa

Sollten bei dieser Wahl mit der FDP, dem BSW und den Linken gleich drei Parteien knapp unter der Fünfprozentschwelle bleiben und auch keine ausreichende Zahl an Direktmandaten erreichen, dann könnte nach der Wahl – alle Kleinparteien eingerechnet – ein Fünftel aller Wähler nicht durch die Legislative repräsentiert sein. Die Nichtwähler hinzugenommen, könnte im Ergebnis knapp die Hälfte der Wahlberechtigten im Parlament außen vor bleiben.

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Sein Wahlrecht zu nutzen, scheint also diesmal besonders geboten. An der Bundestagswahl 2021 haben sich 76,4 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt, das war der höchste Wert seit 2005.

Erstpublikation: 18.02.2025, 09:34 Uhr.

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