Bundestagswahl: Was denken Deutschlands Manager über die Kanzlerkandidaten?
Düsseldorf. Es sind noch fünf Tage bis zur Bundestagswahl. In den Umfragen liegt die Union von Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) bei den Wählern deutlich vor der Konkurrenz von AfD, SPD und Grünen. Ein Wahlsieg der Union ist höchstwahrscheinlich.
Doch wen wünschen sich Deutschlands Führungskräfte aus der Wirtschaft als nächsten Kanzler? Und welchen Kandidaten schreiben sie die meiste Kompetenz zu? Das untersucht der Handelsblatt/Civey Leader’s Survey.
Im Auftrag des Handelsblatts befragt das Meinungsforschungsinstitut Civey bis zur Bundestagswahl dazu mehr als 1000 Erwerbstätige, die laut eigenen Angaben Führungsverantwortung tragen, nach ihren Ansichten zum Wahlkampf.
Die folgenden sechs Grafiken zeigen, wie Deutschlands Manager den Bundestagswahlkampf wahrnehmen – und wo ihre Präferenzen liegen.
Die erste Grafik zeigt klar, dass sich Deutschlands Manager andere Kräfteverhältnisse in der Politik wünschen als bisher. Denn nur eine Koalitionsoption überzeugt gut ein Viertel der Führungskräfte: CDU/CSU und FDP. Und diese Koalition ist auf Basis aller Umfragen sehr unrealistisch – selbst wenn die FDP den Einzug in den Bundestag schafft. Und auch die zweitbeliebteste Koalition aus SPD und Grünen ist weit von einer Mehrheit entfernt.
Immerhin: Eine Fortsetzung der gescheiterten Ampelkoalition wünschen sich auch unter Führungskräften die allerwenigsten: Nur ein Prozent präferiert diese Konstellation.
Manager neigen zu CDU und AFD
Auf die Frage, welche Partei die nächste Bundesregierung anführen sollte, spricht sich eine große Mehrheit für die Union aus: 44 Prozent der Manager wünschen sich eine von CDU/CSU angeführte Bundesregierung. 22 Prozent sind indes davon überzeugt, dass die in Teilen rechtsextreme AfD die nächste Bundesregierung anführen sollte. Und 17 Prozent der Führungskräfte würden gern die Grünen an der Spitze der nächsten Regierung sehen.
Diese Werte unterscheiden sich indes sehr stark von den Umfragewerten der Parteien in der Gesamtbevölkerung. Die Differenz aus den Führungskräfte-Daten und dem Wahltrend aller Umfragen zeigt, welche Präferenzen die Manager haben.
Auf den ersten Blick wirkt es nicht überraschend, dass Beschäftigte mit Führungsverantwortung eine gewisse Vorliebe für wirtschaftsnähere Parteien wie CDU/CSU aufweisen. Doch wie stark die Unterstützung für die Union vom Wahltrend abweicht, ist beachtlich.
Zudem fällt auf, dass die SPD und Kanzler Olaf Scholz unter Führungskräften deutlich an Rückhalt verloren haben, verglichen mit der Gesamtbevölkerung.
Schlechtes Zeugnis für Wirtschaftskompetenz von Scholz
Das zeigt sich auch bei der Frage nach der stärksten Wirtschaftskompetenz. Hier liegt Scholz neben Markus Söder (CSU) auf dem sechsten Platz; nur vier Prozent sehen die höchste fachliche Qualifikation hier beim Kanzler und Ex-Finanzminister.
Die größte Wirtschaftskompetenz schreiben die Manager indes Friedrich Merz zu, mit deutlichem Abstand vor Alice Weidel (AfD) und Robert Habeck (Grüne).
Civey-Gründerin Janina Mütze zeigt sich irritiert von den hohen Werten der AfD. Sie sei als Unternehmerin überrascht davon, „dass etwa ein Fünftel der Führungskräfte in Deutschland der AfD ein Know-how in Wirtschaftsfragen ausstellen“.
Civey hat die Führungskräfte auch nach der Wirtschaftskompetenz der Parteien gefragt. Hier fällt auf, dass die FDP fünf Prozentpunkte besser abschneidet als ihr Parteichef Christian Lindner. Auch Scholz und Weidel werden etwas schlechter bewertet als ihre Parteien, während Robert Habeck zwei Prozentpunkte besser dasteht als die Grünen.
Auch in den Bereichen Migration und Klimaschutz spielt Olaf Scholz keine Rolle für die Führungskräfte: In Sachen Migration sehen sie die größte Kompetenz bei AfD-Chefin Weidel, in Sachen Klimaschutz liegt Grünen-Spitzenkandidat Habeck vorn. In Klimafragen halten sogar nur zwei Prozent der Führungskräfte Scholz für den kompetentesten Kandidaten – CSU-Chef Söder kommt auf sechs Prozent.
Deutsche Manager wählen Scholz ab
Ein ebenfalls schlechtes Zeichen für Olaf Scholz sind die Antworten auf die Frage, wen die Führungskräfte zum nächsten Bundeskanzler wählen würden. CDU-Chef Merz führt deutlich mit 38 Prozent. Nur gut jeder 15. Manager würde sich für Scholz entscheiden (7 Prozent). Robert Habeck erhält dreimal so viel Zustimmung (22 Prozent). Allerdings: Ein Drittel der Führungskräfte würde keinen der Kandidaten wählen.
AfD-Kooperation schadet Friedrich Merz nicht
Civey-Gründerin Mütze stellt in Bezug auf die Beliebtheitswerte des CDU-Chefs Friedrich Merz fest: „Die Umfragen wirken wie einbetoniert.“ Denn trotz der gemeinsamen Beschlüsse mit der AfD im Bundestag hätten sich dessen Werte nicht verändert. Merz und die Union hätten, außer in der Migrationspolitik, bei „sämtlichen wahlentscheidenden Themen die Nase vorn“, so Mütze.
Insgesamt zeigt der Handelsblatt/Civey Leader’s Survey außerdem, wie schlecht die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aktuell ist. Nach ihrer aktuellen Gefühlslage gefragt, nennen die wenigsten positive Gefühle wie Zuversicht oder Freude. Die häufigsten Emotionen der Manager sind hingegen Unsicherheit und Wut.
Womöglich ändert sich diese Stimmungslage, sobald der Wahlkampf endet und das Wahlergebnis feststeht. Zumindest die Unsicherheit vieler Führungskräfte könnte dann abnehmen.
Zur Methodik des Handelsblatt/Civey Leader’s Survey: Civey befragt für das Handelsblatt seit dem 6. Dezember online Erwerbstätige in Führungspositionen ab 18 Jahren. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung der statistischen Fehlertoleranz.
Erstpublikation: 13.02.2025, 09:56 Uhr.