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BundeswehrPistorius-Vertrauter wird neuer Kommandeur des Heeres

Generalmajor Christian Freuding löst Generalleutnant Alfons Mais als Chef der größten Teilstreitkraft ab. Der Offizier hat unter Minister Pistorius eine steile Karriere gemacht.Frank Specht 30.09.2025 - 17:28 Uhr Artikel anhören
Generalmajor Christian Freuding: Enger Vertrauter von Verteidigungsminister Pistorius. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Bis zuletzt hat Generalleutnant Alfons Mais den Finger in die Wunde gelegt – aus gegebenem Anlass. „Eine unserer größten Schwächen momentan ist die nach wie vor nicht materialisierte Befähigung zur Abwehr von Drohnen“, sagte der Inspekteur des Heeres kürzlich, nachdem mehrere russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen waren. Schon direkt nach Beginn des Ukrainekriegs war der Kommandeur der Bodentruppe mit dem Eingeständnis aufgefallen, seine Teilstreitkraft stehe „mehr oder weniger blank“ da.

Diesen Zustand zu ändern, ist nun aber nicht mehr Mais‘ Job. An diesem Mittwoch wird Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den 63-Jährigen, der seit gut fünfeinhalb Jahren an der Spitze des Heeres steht, in den einstweiligen Ruhestand versetzen. Und in einem feierlichen Appell in der Von-Hardenberg-Kaserne im brandenburgischen Strausberg einen engen Vertrauten zum Nachfolger machen: Generalmajor Christian Freuding.

„General Mais hat kein Risiko gescheut, Politik und Öffentlichkeit aufzurütteln angesichts der inakzeptablen Defizite in unserer Verteidigung“, sagt der frühere Wehrbeauftragte und Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Hans-Peter Bartels. Tatsächlich war die damalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) nicht amüsiert über die „Blank“-Äußerung, doch Mais blieb auf seinem Posten.

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Und Lambrechts Nachfolger Pistorius spricht längst selbst offen die Ausrüstungsmängel der Bundeswehr an. Diese haben sich seit Februar 2022 eher noch verschlimmert, weil Deutschland Waffen und Gerät an die Ukraine abgegeben hat. Und die Politik – trotz der in Aussicht gestellten, kreditfinanzierten Milliardensummen für die Verteidigung – bisher eher in homöopathischen Dosen nachbeschafft.

Die Ausrüstungsdefizite sind aber nicht die einzige Herausforderung, vor denen Mais' Nachfolger nun steht. „Für General Freuding bleibt die große Aufgabe, auf zügige Entscheidungen zur neuen Struktur und zur Personalvermehrung des Heeres zu drängen“, sagt Bartels.

Erst im März hatte das Heer als größte Teilstreitkraft mit insgesamt rund 60.000 Männern und Frauen das Kommando über die neu aufgestellte Heimatschutzdivision übernommen. Daneben wird Freuding auch die drei anderen Großverbände führen – die 1. und die 10. Panzerdivision sowie die Division Schnelle Kräfte (DSK) mit der leichten und hochbeweglichen Infanterie. Vollenden muss der 54-Jährige auch den Aufbau der Panzerbrigade 45 in Litauen, die von aktuell etwa 400 auf 4800 Soldatinnen und Soldaten anwachsen soll und ein deutsches „Leuchtturmprojekt“ für die Verteidigung der Nato-Ostflanke ist.

Echte Einsatzbereitschaft werden das Heer und die Bundeswehr insgesamt aber nur erlangen, wenn es auch ausreichend Personal gibt. Die schwarz-rote Koalition setzt mit dem Gesetz zum neuen Wehrdienst, das bald im Bundestag beraten werden soll, bisher auf Freiwilligkeit. Hochrangige Militärs haben aber durchaus Zweifel angemeldet, ob das ausreichen wird, um die erforderliche Personalstärke der Bundeswehr zu erreichen.

Scheidender Heeresinspekteur Alfons Mais: Ein Mahner tritt ab. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der gebürtige Oberpfälzer Freuding, der seine militärische Karriere im Wiedervereinigungsjahr 1990 bei der Panzertruppe begonnen hatte, machte unter Pistorius rasch Karriere. Der Verteidigungsminister ernannte ihn zum Leiter des im Frühjahr 2023 neu aufgestellten Planungs- und Führungsstabs, der die Arbeit des Ministers, der Staatssekretäre und des Generalsekretärs koordinieren sollte. Bei Reisen des Ministers war meist auch Freuding dabei.

Außerdem hatte der Offizier schon im Jahr 2022 die Leitung des Ukraine-Sonderstabs im Ministerium übernommen, das sich vor allem um die Unterstützungsleistungen für das von Russland angegriffene Land kümmert.

In Youtube-Videos in den sozialen Netzwerken hat der Offizier seither immer wieder über die Lage im Ukrainekrieg informiert – und frühzeitig die Bedeutung von Drohnen als Mittel der Kriegsführung erkannt. Im Juli vergangenen Jahres organisierte Freudings Sonderstab eine Art Drohnen-Speeddating mit Herstellern und Militärs, um weitere Hilfen für die Ausrüstung der Ukrainer einzuwerben.

Im Juli dieses Jahres wies Freuding dann im Bundeswehr-Videoformat „Nachgefragt“ auf Defizite bei der Drohnenabwehr hin und erklärte, dass es wenig Sinn mache, Shahed-Drohnen mit Stückpreisen von 30.000 bis 50.000 Euro mit Lenkflugkörpern zu bekämpfen, die Millionen kosten.

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Das Statement war damals auf die Verteidigung der Ukraine gemünzt. Doch haben die jüngsten Verletzungen des Nato-Luftraums durch russische Drohnen und Kampfflugzeuge noch einmal vor Augen geführt, dass die Bundeswehr vor ganz ähnlichen Problemen steht. Darauf hatte ja auch Inspekteur Mais hingewiesen. Nun wird es an seinem Nachfolger Freuding sein, die Rolle des Mahners zu spielen.

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