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Corona-Pandemie„Erzieher sind extrem belastet und haben Angst“: Wie Kitas ohne Impfung des Personals öffnen sollen

Bundesfamilienministerin Giffey plädiert für engmaschige Corona-Tests in Kitas. Es sei eine „Überbrückungsstrategie für zehn Wochen“ bis das Personal geimpft werden kann.Heike Anger 10.02.2021 - 08:49 Uhr Artikel anhören

Die gesundheitliche Situation des Kita-Personals sei schon vor der Coronakrise stiefmütterlich behandelt worden, kritisiert die FDP.

Foto: dpa

In der Pandemie fordert Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) eine Öffnungsperspektive für die bundesweit rund 58.000 Kitas. Dabei nimmt die Ministerin nun besonders die Situation des Kita-Personals in den Blick.

„Erzieher sind extrem belastet und haben Angst wegen ihres persönlichen Gesundheitsschutzes, wenn sie ihre Arbeit ausüben“, sagte Giffey nach der jüngsten Sitzung des Corona-Kita-Rates, in dem Vertreter der Bundesländer sowie von Kommunen, Kitas, Gewerkschaften und Eltern sitzen. Öffnungsschritte müssten folglich mit Sicherheit einhergehen, erklärte die Ministerin.

Nach Angaben von Giffey können Erzieher und das nicht pädagogische Personal der Betreuungseinrichtungen im Mai dieses Jahres geimpft werden. „Wir brauchen also eine Überbrückungsstrategie für zehn Wochen, die Kita-Öffnungen schon vor Mai ermöglicht“, sagte Giffey.

Diese Überbrückungsstrategie sieht die SPD-Politikerin im Testen und rechnet vor: Deutschlandweit gehe es um 800.000 Personen, bei denen bis zum Impftermin möglichst zweimal in der Woche ein Corona-Schnelltest durchzuführen sei. Die Kosten für die zugelassenen Selbsttests lägen dabei zwischen fünf und neun Euro pro Test.

Für eine solche Testung über die Dauer von zehn Wochen würden folglich für die Länder Kosten von bis zu 144 Millionen Euro entstehen. „Ich appelliere an die Länder, die Teststrategie umzusetzen, um zu einer höheren Sicherheit zu kommen“, sagte Giffey. „Das Testen als Brücke zum Impfen muss in Anspruch genommen werden.“

„Fatal unvorbereitetes System“

Die Opposition sieht indes grundsätzlich Versäumnisse mit Blick auf den Gesundheitsschutz der Erzieherinnen und Erzieher. „Zunächst bedarf es einer wissenschaftlich fundierten Datenlage zur gesundheitlichen Lage von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung“, heißt es in einem von der FDP-Bundestagsfraktion verabschiedeten Antrag, der dem Handelsblatt vorliegt.

Hierzu solle die Bundesregierung in einem ersten Schritt eine aktuelle Analyse zur generellen gesundheitlichen Situation des Personals vornehmen. „Parallel dazu ist eine Evaluation der Erfahrungswerte und Maßnahmen der derzeitigen Pandemie notwendig“, heißt es in dem Antrag weiter, der im Bundestag eingebracht werden soll.

„Die derzeitige Pandemie zeigt, wie fatal unvorbereitet unser System der frühkindlichen Bildung ist“, sagte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Seestern-Pauly, dem Handelsblatt. „Wir müssen aus der Krise lernen und jetzt sicherstellen, dass sich flächendeckende Kita-Schließungen künftig nicht wiederholen. Denn nicht erst seit dem Coronavirus ist klar, dass bestimmte Viren ein enormes Pandemiepotenzial bergen.“

Die gesundheitliche Situation der Fachkräfte sei schon vor der Coronakrise stiefmütterlich behandelt worden, kritisierte Seestern-Pauly. Dabei leisteten Erzieherinnen und Erzieher „unglaublich wichtige“ Arbeit.

Nach Angaben der Bundesfamilienministerin können Erzieher sowie das nicht pädagogische Personal der Betreuungseinrichtungen im Mai geimpft werden.

Foto: dpa

Die Ausgestaltung von Hygienekonzepten für eine pandemiegerechte Öffnung der Einrichtungen sei eine Herausforderung, denn Kinder im Kita-Alter könnten sich nicht an dieselben Hygieneregeln halten wie ältere Kinder oder gar Erwachsene. Die Situation werde durch unklare Datenlagen zur Infektiosität von Kleinkindern im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 zusätzlich erschwert.

„Aus Sicht der Antragsteller ist klar, dass wochen- oder gar monatelange Schließungen von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung vermieden werden müssen“, heißt es in dem Antrag. Konkret fordert die FDP-Fraktion neben den Analysen zu Fachkräften und Pandemiekonzepten die Einsetzung eines Expertenrats.

Expertenrat gefordert

Er soll aus Kita-Praktikern, Kinderpsychologen, Pädiatern, Elternvertretern, Trägern, Experten des Arbeitsschutzes, Epidemiologen, Vertretern der Bundesländer und Vertretern der Kommunen bestehen. Dieser Expertenrat soll einen Aktionsplan für die Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Fachkräften der frühkindlichen Bildung erstellen und „zukunftsfeste Konzepte“ für verschiedene Pandemieszenarien als Handlungsrahmen für Kitas erarbeiten.

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„Kitas sind der erste Teil der Bildungskette“, sagte FDP-Politiker Seestern-Pauly. Die wertvolle Arbeit von Fachkräften in Kitas und der Kindertagespflege ermögliche nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie unterstütze Kinder bei ihrem Start ins Leben. So werde der Grundstein für den Bildungserfolg und den weiteren Lebensweg gelegt.

Zuletzt hatte auch Giffey vor negativen Auswirkungen langfristiger Einschränkungen gewarnt. Die Familienministerin verwies auf Probleme wie Bewegungsmangel, psychische und seelische Belastungen, fehlende Bildungsgerechtigkeit und die fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei geschlossenen Betreuungseinrichtungen.

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