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Deutsch-französische ErklärungHandwerk sieht sich als zentralen Akteur für Erholung der EU-Wirtschaft – und erhofft sich mehr Wertschätzung

Die Handwerks-Spitzenverbände aus Deutschland und Frankreich fordern die Politik auf, die Rolle des Sektors stärker zu würdigen und die Ausbildung zu fördern.Frank Specht 31.05.2021 - 04:07 Uhr Artikel anhören

Die Spitzenverbände fordern, mehr für die grenzüberschreitende Mobilität im Handwerk zu tun.

Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin. Nach dem deutsch-französischen Wirtschafts- und Finanzministerrat Ende vergangener Woche war Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) voll des Lobes: Die Politik beider Länder sei in den vergangenen, schwierigen Monaten von großer Einigkeit geprägt gewesen, sagte er in einer Pressekonferenz nach den Beratungen mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire.

Und man wolle gemeinsam für eine schnelle Erholung nach der Corona-Pandemie arbeiten. Als Beispiele für Kooperationen nannte Altmaier ein gemeinsames europäisches Wasserstoffprojekt, Anreize für die Ansiedlung von Chip- oder Pharmaproduzenten oder die geplante Cloud Gaia X.

Wenn sich an diesem Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zusammen mit ihren Kabinettsmitgliedern beim 22. deutsch-französischen Ministerrat austauschen, dann dürfe es aber nicht nur um solche europäischen Leuchtturmprojekte gehen, mahnen die Handwerks-Spitzenverbände beider Länder.

In einer gemeinsamen, an die Regierungen gerichteten Erklärung, die dem Handelsblatt vorliegt, fordern CMA France und ZDH die deutsche und die französische Regierung auf, die europaweite Anerkennung des Handwerks zu stärken und insbesondere die Berufsausbildung und die Mobilität von Auszubildenden zu fördern.

„Nur mit dem Handwerk wird ein Wiedererstarken der Wirtschaft in Europa gelingen“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer dem Handelsblatt. Es sei in beiden Ländern eine der tragenden Säulen der wirtschaftlichen Entwicklung und ein wichtiger Motor eines erfolgreichen Nach-Corona-Starts in Europa.

Mehr Mobilität über Landesgrenzen hinweg

Zahlen unterstreichen die Bedeutung: In Frankreich beschäftigen 1,7 Millionen Handwerksbetriebe 3,1 Millionen Beschäftigte und erzielen 300 Milliarden Euro Umsatz. Das deutsche Handwerk mit einer Million Unternehmen und 5,5 Millionen Beschäftigten setzt sogar 612 Milliarden Euro um.

In beiden Ländern ist der Sektor zudem eine wichtige Säule der Ausbildung. Nötig sei aber, an einer Imageverbesserung zu arbeiten, um mehr Jugendliche für eine Handwerksausbildung zu begeistern. In ihrer vierseitigen Stellungnahme machen sich die beiden Verbände für die Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards für die Ausbildung stark.

Außerdem müsse mehr für die Mobilität über nationale Grenzen hinweg getan werden. Dazu gehörten beispielsweise die Anerkennung und Zertifizierung der im Ausland erworbenen Kompetenzen. Es brauche aber auch klare Regeln und pragmatische Verfahren für das grenzüberschreitende Arbeiten, sagte Wollseifer.

„Anzeige-, Melde- und Nachweispflichten müssen auf ein notwendiges Maß reduziert und vereinfacht werden sowie transparent und nachvollziehbar sein.“ Beispielsweise müssten die Formalien, um einen Handwerker zeitweise in ein anderes EU-Land entsenden zu können, für die Betriebe schnell und unbürokratisch zu bewältigen sein.

Wichtig sei aber auch, das Handwerk bei den großen Zukunftsherausforderungen wie dem Klimaschutz oder der Digitalisierung einzubeziehen. Handwerker seien beispielsweise entscheidende Akteure bei der energetischen Gebäuderenovierung und verdienten deshalb besondere Berücksichtigung im europäischen „Green Deal“, heißt es in dem Papier.

Nötig seien aber auch faire Wettbewerbsbedingungen auf digitalen Märkten, insbesondere im Verhältnis zu Betreibern digitaler Plattformen. Der Zugang zu Daten werde für viele Geschäftsmodelle im Handwerk – zum Beispiel in den Bereichen Kfz, Landmaschinen oder Smart Home – immer wichtiger, betont Wollseifer. „Auf deutscher wie europäischer Ebene erfordert dies einen Rechtsrahmen, der den Betrieben einen fairen Datennutzungszugang gewährleistet.“

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Bei der europäischen Bankenregulierung sei Augenmaß gefragt, um Handwerksbetriebe nicht von der Finanzierung abzuschneiden, fordern die Verbände. Und schließlich brauche es eine systematische Bewertung der Auswirkungen bestehender und zukünftiger Gesetze auf die Handwerksbetriebe, um Bürokratie in engen Grenzen zu halten.

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