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E-Autobauer Tesla baut seine Gigafactory im Eiltempo – doch beim Wohnungsbau droht ein Engpass

Firmen-Chef Elon Musk wird heute auf der Baustelle in Grünheide erwartet. Tausende Arbeitskräfte sollen ab Sommer 2021 die Fahrzeuge produzieren. Doch wo sie wohnen werden, ist unklar.
02.09.2020 - 09:27 Uhr 1 Kommentar
Tesla Gigafactory: Kampf um Wohnungsmarkt in Ostdeutschland Quelle: Bloomberg
Gelände in Grünheide

Die Tesla-Fabrik entsteht im Eiltempo, aber der Wohnraum für die künftigen Beschäftigten ist knapp.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Tesla elektrisiert Deutschland. Und das nicht nur, weil sich Firmenchef Elon Musk gerade auf einem Überraschungsbesuch befindet, bei dem er am Mittwochnachmittag auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) treffen könnte. Die Deutschland-Pläne des Autobauers haben auch handfeste Folgen für den Immobilienmarkt.

Seit sich Tesla das brandenburgische Grünheide als Standort für seine vierte Gigafabrik ausgeguckt hat, rückt eine über Jahre wenig beachtete Region zunehmend in den Fokus von Investoren: die östlich von Berlin. Auch hier, auf der Tesla-Baustelle in Grünheide, wurde bereits ein Festzelt für Musks Stippvisite aufgebaut.

„Vor Teslas Investitionsbeschluss hat kaum einer über den Brandenburger Osten geredet“, sagt André Adami von der auf Immobilien spezialisierten Analysefirma Bulwiengesa. „Seitdem hat sich das Interesse an Immobilien in der Region verdoppelt.“

Ab Sommer 2021 sollen in Grünheide die ersten Elektroautos vom Band rollen, produziert von bis zu 12.000 Arbeitskräften. Doch wo diese wohnen werden, ist noch weitgehend unklar. „Grünheide kann den Ansturm sicherlich nicht allein verkraften“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH.

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Standort erkennen

    Die Immobilienbranche steht in den Startlöchern, sieht sich aber gebremst. Die ganze Welt schaue auf die Region, so Schorr. Es sei eine „unglaubliche Dynamik“ entstanden, für die aber schnell die richtigen Weichen gestellt werden müssten – „und zwar nicht erst in zehn Jahren“.

    Schorr, der institutionelle Investoren vor allem bei Grundstücksakquisitionen in und um Berlin berät, spielt damit auf die jahrelangen Planungszeiträume der deutschen Behörden an. Grundstücke müssten in einem langwierigen Prozess bebauungsfähig gemacht werden, das müsse schneller gehen, so Schorr.

    „Es wird 2021 zu riesigen Engpässen kommen, wenn jetzt nicht schnell gegengesteuert wird“, sagt Schorr voraus. „Am Ende landen hochbezahlte Ingenieure in Containerdörfern, weil es an einer ausreichenden Menge an Wohnraum fehlt.“ Adami sieht zwar eher für die weniger gut bezahlten Arbeitskräfte ein Problem, aber dass die Nachfrage nach Wohnungen in der Region mittelfristig deutlich höher als das Angebot sein wird, „ist nicht zu vermeiden“.

    Schorr vermutet, dass sich am Ende Tesla selbst um Wohnraum kümmern wird, „aber auch dafür braucht es bebauungsfähige Grundstücke“. PRS selbst plant zwar aktuell den Bau von mehr als 6000 Wohnungen in der weiteren Region rund um Grünheide, der Baubeginn ist teilweise aber erst 2022 geplant.

    Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa
    Deutschlandreise

    Tesla-Chef Elon Musk

    (Foto: dpa)

    Die stark steigenden Preise in der Hauptstadt sind der Grund, warum das Berliner Umfeld bereits vor einigen Jahren in den Fokus von Investoren gerückt ist. Nur im Osten war die Entwicklung überwiegend mau. Dass sich das jetzt ändert, davon ist auch Susanne Klabe, Geschäftsführerin des Landesverbands Berlin-Brandenburg des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), überzeugt.

    Die Tesla-Ansiedlung sieht sie als „Paukenschlag“. Alle großen privaten Wohnungsbauunternehmen in Berlin hätten sich im Umfeld der beiden Großprojekte Flächen gesichert und „sind bereit und willens, die komplette benötigte Produktpalette an Wohnraum anzubieten und zu errichten“.

    Goldgräberstimmung im Südosten

    „Durch den BER und die Tesla-Ansiedlung meinen viele, alles sei goldener Boden“, sagt Jürgen Leibfried, Vorstandsmitglied der Bauwert AG. Leibfried hat vor etwa fünf Jahren Wildau als Wohnort entdeckt. Wildau liegt im Süden von Berlin, man ist in 15 Minuten am Hauptterminal und nicht vom Fluglärm betroffen. Die nahe gelegenen Seen, das Einkaufszentrum sowie der S-Bahn-Anschluss und eine Autobahnanbindung nach Berlin haben Leibfried überzeugt. Ein Projekt wurde gerade fertiggestellt, ein weiteres ist in Vorbereitung.

    „Der Druck auf den Wohnungsmarkt in der Region wird stark steigen“, ist Leibfried überzeugt, will sich aber von der Goldgräberstimmung in der Region nicht anstecken lassen. Er ist eher für eine behutsame Entwicklung – und liegt damit auf Linie mit dem Bürgermeister der Gemeinde Grünheide. 

    „Grünheide ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ziemlich am Ende mit dem, was es kann“, sagte Arne Christiani (parteilos) vor wenigen Tagen dem Handelsblatt. „Wir können Baulücken schließen und für eine behutsame Entwicklung sorgen – aber es wird hier keine großen neuen Wohn- oder Gewerbegebiete geben.“

    Investor Schorr rät dagegen zu mehr Aufbruchstimmung: „Es braucht neben einer guten Verkehrsinfrastruktur Wohnungen, Kindergärten, Schulen einerseits sowie Büros, Logistikflächen, Platz für Zulieferer und Rechenzentren andererseits.“ Grünheide könne bei diesem Aufschwung rund um das „Welt-Prestigeobjekt“ dabei sein – oder eben nicht. „Dann ist Grünheide raus, und andere Gemeinden profitieren mehr.“

    Leibfried dagegen befürchtet, dass durch das große Interesse „viele Grundstücke auch in Gegenden auf den Markt kommen, die bislang über wenig Infrastruktur verfügen“. Das sei nicht sehr nachhaltig. Diese Gemeinden könnten zu reinen Schlafstädten verkommen, weil die Infrastruktur aufgrund des langwierigen Planungsrechts gar nicht so schnell geschaffen werden könne.

    Auch Tesla muss liefern

    Tesla habe bislang keine genauen Angaben zu den Anforderungen an das künftige Wohnen in Grünheide und angrenzenden Kommunen gemacht, kritisiert Klabe vom BFW. Dementsprechend könne das Land Brandenburg auch nur begrenzt agieren. „Wie sieht die Arbeitnehmerstruktur in der neuen Tesla-Fabrik aus? Welche Leute kommen, und was wollen beziehungsweise brauchen sie?“ Informationen wie diese seien notwendig, um passgenaue und nachhaltige Wohnraumkonzepte zu entwickeln.

    Eine erste Unterbringung der zuziehenden Arbeitskräfte sieht sie allerdings gesichert: Kommunale Wohnungsbauunternehmen hätten in den umliegenden Gemeinden teilweise Leerstände im zweistelligen Prozentbereich, etwa in Frankfurt an der Oder sowie in Eisenhüttenstadt, in gut erreichbarer Nähe zum Tesla-Werk. „Ob die Wohnungen aber ausreichen und dauerhaft den Anforderungen entsprechen, ob hier nachgebessert werden muss oder ob dringend neuer, bedarfsgerechter Wohnraum geschaffen werden muss, hängt entscheidend von der geplanten Arbeitnehmerstruktur ab.“

    Mehr: Bürgermeister von Grünheide: „Die Tesla-Ansiedlung ist wie ein Lottogewinn“

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    1 Kommentar zu "E-Autobauer: Tesla baut seine Gigafactory im Eiltempo – doch beim Wohnungsbau droht ein Engpass"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die erwarten das Tesla ein agiles Unternehmen einen 20 Jahres Plan an Mitarbeiterstruktur vorlegen soll. Ich glaube da treffen sich 2 Welten. Es werden sicherlich viele nur während der Woche vor Ort wohnen (weil sich viele Ingenieure gerne 3-5 Jahre bei Tesla auf Ihren Lebenslauf daraufsetzen wollen ohne gleich permanent nach Berlin zu wechseln.

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