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Fachkräftemangel Bundesregierung verspricht Betrieben bessere Corona-Ausbildungsprämien

Die Pandemie lässt die Zahl der Lehrstellen stark schrumpfen, warnt die Bundesagentur für Arbeit. Berlin will umfangreichere Förderinstrumente bereitstellen.
29.10.2020 - 15:46 Uhr Kommentieren
Die Auswirkungen der Pandemie sind auf dem deutschen Ausbildungsmarkt deutlich sichtbar. Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser
Angehende Industrieelektrikerin

Die Auswirkungen der Pandemie sind auf dem deutschen Ausbildungsmarkt deutlich sichtbar.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Berlin Die Bundesregierung will die Corona-Ausbildungsprämien verlängern und verbessern. Das bestätigten das Arbeits- und das Bildungsministerium dem Handelsblatt. So sollen vor allem die strengen Regeln für den Anspruch auf die Prämien gelockert werden, damit mehr Betriebe profitieren – und mehr Azubis einstellen. 

„Wir müssen die Maßnahmen immer wieder neu bewerten“, sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dem Handelsblatt. „Denn wir haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt, um der Corona-Pandemie und ihren weitreichenden, auch wirtschaftlichen Auswirkungen so gut es geht entgegenzutreten.“

Vor dem Hintergrund der anhaltend angespannten wirtschaftlichen Situation und wieder steigender Infektionszahlen werde vor allem geprüft, „inwieweit bei den Förderrichtlinien des Bundesprogramms ,Ausbildungsplätze sichern‘ Anpassungsbedarf besteht“, sagte ein Sprecher von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). 

Die bisherige Prämie von 2000 Euro für jeden neuen Lehrling – oder 3000 Euro, wenn ein Betrieb die Ausbildung sogar aufstockt – wird aktuell nur gezahlt, wenn das Unternehmen im ersten Halbjahr mindestens einen Monat in Kurzarbeit war oder der Umsatz im April und Mai mindestens um 60 Prozent gegenüber 2019 eingebrochen ist. Vor allem das Handwerk und der DGB hatten dies heftig kritisiert und vor einem dauerhaften „Substanzverlust“ bei der Ausbildung gewarnt.

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    Mehr Betriebe sollen profitieren 

    Daneben soll auch die Übernahmeprämie für Auszubildende aus insolventen Betrieben bis Ende 2021 verlängert werden, bestätigte das Arbeitsministerium einen entsprechenden Vorstoß von Bildungsministerin Karliczek. Alle Nachjustierungen sollen „zeitnah“ in der Bundesregierung abgestimmt werden.

    Gemeinsames Ziel sei, „dass möglichst viele Betriebe, die jetzt dringend eine Unterstützung benötigen, von den Förderungen des Bundesprogramms ,Ausbildungsplätze sichern‘ profitieren können“, hieß es im Arbeitsministerium.

    Darauf dringt auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele. Er mache sich „große Sorgen“ vor allem für das kommende Ausbildungsjahr. Denn vor allem in der Industrie würden üblicherweise bereits im Winter die Lehrverträge für das nächste Lehrjahr geschlossen – und hier drohe nun wegen der Pandemie und des Konjunktureinbruchs große Zurückhaltung.

    Damit wachse die Gefahr eines verschärften Fachkräftemangels: „Wer jetzt nicht ausbildet, guckt irgendwann in die Röhre“, sagte er bei der Vorstellung der Ausbildungsmarktbilanz.

    Schon jetzt, zu Beginn des angelaufenen Lehrjahrs 2020/21, seien die Auswirkungen der Pandemie „deutlich sichtbar“ – und das, obwohl viele Betriebe die Verträge bereits vor Ausbruch der Coronakrise geschlossen haben. So waren bis Ende September fast 42.000 Lehrstellen weniger im Angebot als im Vorjahr. Gut 216.000 Schulabgänger begannen bisher eine Ausbildung – fast 34.000 weniger als im Vorjahr.  

    Zwar hätten sich auch weniger Bewerber gemeldet, sodass die rechnerische Chance, bis Jahresende noch einen Platz zu finden, ähnlich groß sei wie 2019. Aber es würden eben schon jetzt deutlich weniger Fachkräfte ausgebildet, so Scheele. 

    Handwerkspräsident mahnt an, „zügig  nachzujustieren“

    Nach Ansicht von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sind die rückläufigen Zahlen „ein Weckruf, dass die Sicherung der Ausbildung schon jetzt über die kurzfristige Pandemiebewältigung hinausgehen muss“. Er fordert, das Bundesprogramm „zügig  nachzujustieren, denn in seiner jetzigen Form entfaltet es nicht die notwendige Wirkung“. 

    Das Ausbildungsniveau dürfe durch Corona nicht erneut substanziell sinken, warnt Wollseifer: „In der Finanzkrise 2009 ist das Ausbildungsniveau eingebrochen und hat das Vorkrisenniveau danach nie wieder erreicht. Das darf sich keinesfalls wiederholen, weil mit einem immer niedrigeren Sockel an Auszubildenden langfristig die Fachkräftesicherung für unsere Betriebe immer schwieriger wird.“ 

    Unabhängig von der aktuellen Krise brauchten gerade kleine Handwerksbetriebe eine Entlastung bei den Ausbildungskosten – vor allem bei überbetrieblichen Kursen und bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Azubis müssten ebenso wie Studierende kostenfrei über die Eltern mitversichert werden.

    „Haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt.“ Quelle: dpa
    Bundesbildungsministerin Karliczek

    „Haben in den vergangenen Monaten viel dazugelernt.“

    (Foto: dpa)

    Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnen schon länger vor Problemen. Nach einer Umfrage der Gewerkschaft plant knapp jeder zehnte Betrieb der Metall- und Elektroindustrie, Lehrstellen abzubauen. Schon heute werde die Metall- und Elektroindustrie von Jugendlichen „als Krisenbranche abgestempelt“. 

    Daher werben IG Metall und Arbeitgeberverband Gesamtmetall massiv für die Beibehaltung der Ausbildungsanstrengungen: Man dürfe nun „nicht in einen Schweinezyklus verfallen“, hieß es bei der IG Metall. Sonst drohe in vier oder fünf Jahren wieder Fachkräftemangel.

    Auch die Opposition ruft nach Erleichterungen für die Ausbildung. So fordert der Ausbildungsexperte der FDP-Fraktion, Jens Brandenburg, Ausbildungsbetriebe in der Krise von Steuern und Abgaben zu befreien, denn sie brauchten jetzt „keine Trostpflaster, sondern Umsatz“. Auch dürfe es keinen zweiten Lockdown der Berufsschulen geben. 

    Die IG Bau warnt gar vor einer  „Corona-Verlierer-Generation“: „Immer mehr Firmen fahren die Ausbildung wegen unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven drastisch zurück. Die Pandemie dürfte deshalb den ohnehin eklatanten Fachkräftemangel insbesondere auch im Handwerk weiter verschärfen“, sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger. 

    Maurer und Zimmerleute gesucht

    Mittlerweile sei sogar die Baubranche, die bisher gut durch die Pandemie gekommen sei, betroffen. „Schon vor Corona haben viele Betriebe die Berufsausbildung schleifen lassen. Seit Jahren sinkt die Ausbildungsquote. In der jetzigen Krisensituation rächt sich das.“ Schon jetzt würden etwa Maurer und Zimmerleute vielerorts ebenso händeringend gesucht wie Gleisbauer.

    Der DGB erneuerte seine Forderung nach einer Ausbildungsgarantie. „Die berufliche Bildung befindet sich in einer Abwärtsspirale“, sagte die Vizevorsitzende Elke Hannack. Die kurzfristige Corona-Krisenhilfe „ist zwar gut, reicht aber nicht aus, um den Negativtrend umzukehren“.

    Hannack fordert eine Ausbildungsgarantie wie in Österreich: „Allen Jugendlichen muss auf jeden Fall der Eintritt ins erste Ausbildungsjahr möglich sein. Im zweiten Jahr sollen die Jugendlichen dann möglichst in einen Betrieb wechseln.“

    Schon vor der Krise blieben fast 1,4 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren ohne abgeschlossene Ausbildung, das seien 14 Prozent dieser Altersgruppe, erinnert die DGB-Vize an ein Strukturproblem des deutschen Arbeitsmarkts. „Das ist Gift für unsere Gesellschaft.“ 

    Mehr: Interesse an Ausbildungen in der Pflege wächst stark

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