1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Geld: Bund will Finanzbildung stärken – Fünf Maßnahmen im Blick

GeldBund will Finanzbildung stärken – Fünf Maßnahmen im Blick

Zu wenige Deutsche beschäftigen sich mit ihren Finanzen. Vor allem Menschen mit wenig Geld und geringem Bildungsniveau haben deutliche Wissenslücken. Das soll sich ändern.Laura Thalmeyer 24.09.2024 - 18:00 Uhr Artikel anhören
Christian Lindner und Bettina Stark-Watzinger: Die beiden FDP-Bundesminister wollen eine Finanzbildungsstrategie entwickeln. Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler

Berlin. Was sind ETF-Sparpläne? Wie lassen sich Aktien „traden“? Und wie funktioniert eigentlich die private Altersvorsorge? Finfluencer behandeln Fragen wie diese online und sprechen damit vor allem junge Menschen an. Immer mehr Jugendliche interessieren sich für ihre Finanzen – doch noch immer sind es zu wenig.

Vor allem Frauen, junge Erwachsene sowie Menschen mit niedrigem Einkommen und geringem Bildungsniveau haben Wissenslücken im Bereich Finanzen. Das hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jüngst analysiert.

Das Problem: Diese Gruppen sind im Laufe ihres Lebens anfälliger, sich zu überschulden oder andere finanzielle Risiken einzugehen. Die Bundesregierung will gegensteuern. Noch in diesem Jahr möchte die Ampel eine nationale Finanzbildungsstrategie entwickeln, die auf Empfehlungen der OECD beruht. Und diese Strategie wurde an diesem Dienstag vorgestellt.

Sparen und Altersvorsorge als zentrale Themen

In der Strategie sollen vor allem Maßnahmen gebündelt werden, um Themen wie langfristiges Sparen und Altersvorsorge oder die Beteiligung am Kapitalmarkt zu vermitteln. Das erklärten Finanzminister Christian Lindner und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (beide FDP) gemeinsam.

Die Analyse der OECD zeigt: Je höher die Finanzkompetenz, desto besser die individuelle Finanzlage. Unter Finanzkompetenz verstehen die Studienautoren die „Kombination aus finanziellem Problembewusstsein, Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen, die notwendig ist, um solide Finanzentscheidungen zu treffen und damit letztlich das finanzielle Wohlergehen zu sichern“.

Im internationalen Vergleich ist das Finanzkompetenzniveau der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland zwar relativ hoch, aber nur 55 Prozent der Erwachsenen sind von ihren Finanzplänen fürs Alter überzeugt. Und 25 Prozent sind demnach nicht in der Lage, ihre Lebenshaltungskosten bei Verlust ihrer Haupteinnahmequelle drei Monate zu decken.

OECD: In diesen Bereichen sollte das Finanzwissen gestärkt werden

Besonders in fünf Themenbereichen schlägt die OECD zielgruppengerechte Maßnahmen wie beispielweise Kampagnen vor, um das Bewusstsein für Finanzen zu stärken.

  • Teilnahme am Finanz- und Kapitalmarkt: Für zu wenige ist die Beteiligung am Kapitalmarkt eine Anlageoption. Fast 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland legen aktiv Geld zurück, aber nur 18 Prozent tun dies mit Anlageprodukten.
  • Langfristiges Sparen und Altersvorsorge: Nur 52 Prozent der Erwachsenenbevölkerung im Erwerbsalter halten ihre Finanzpläne fürs Alter für richtig. Nur etwa die Hälfte kann eine betriebliche Alterssicherung vorweisen oder private Altersvorsorgeprodukte.
  • Haushaltsplanung, Verhinderung von Überschuldung und verantwortungsvoller Umgang mit Krediten: Die Förderung der Finanzbildung hat auch eine bewusste Kreditnutzung zum Ziel. Obwohl viele Finanzbildungsprogramme das Thema Kredite behandeln, haben 2022 in Deutschland fast 600.000 Menschen eine Schuldenberatung aufgesucht.
  • Stärkung der digitalen Finanzkompetenz: Hierbei steht vor allem eine sichere Nutzung digitaler Finanzdienstleistungen im Fokus. Weniger als die Hälfte der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland gibt an, sich sicher im Umgang mit digitalen Finanzdienstleistungen zu fühlen. Sieben Prozent erlebten bereits Finanzbetrug.
  • Umsetzung von Nachhaltigkeitspräferenzen: Nachhaltiges Investieren und Sparen spielt gegenwärtig eine untergeordnete Rolle bei den Befragten. 65 Prozent der Erwachsenen haben von nachhaltigen Geldanlagen gehört, aber nur 15 Prozent investieren in solche Finanzprodukte.

Diese Gruppen haben Nachholbedarf

Die Studie der OECD zeigt, dass diese Wissenslücken gerade in bestimmten Bevölkerungsgruppen auftreten – bei Menschen mit niedrigem Einkommen und Bildungsniveau.

„Diese Personen haben oft eine geringe Finanzkompetenz und kaum Zugang zu einer Finanzbildung, die ihren Bedürfnissen entspricht“, schreibt die OECD in ihrem Bericht.

Die Analyse ergab zudem, dass Frauen über ein geringeres Finanzwissen als Männer verfügen, sich weniger Finanzkompetenz zutrauen und weniger sparen. Dass sie häufiger Karrierebrüche erleben und ihr Renteneinkommen tendenziell geringer ist als das von Männern, wirkt sich ebenfalls negativ auf ihre Finanzbildung aus.

Auch innerhalb der Gruppe der erwerbstätigen Erwachsenen und Selbstständigen hat die OECD Defizite ermittelt. Von ihren Finanzplänen fürs Alter sind insgesamt nur 62 Prozent der Selbstständigen und 53 Prozent der Angestellten überzeugt. In Ostdeutschland sind es nur 40 Prozent der Erwachsenen im Erwerbsalter.

Auch bei Jugendlichen gibt es Nachholbedarf. Dabei ist das Interesse groß, wie nicht nur Finfluencer zeigen, die online Hunderttausende erreichen: 81 Prozent der 14- bis 24-Jährigen würden in der Schule gern mehr über Möglichkeiten der Altersvorsorge erfahren, 87 Prozent über den Umgang mit Geld und 73 Prozent über Anlagemöglichkeiten. Künftige Bemühungen müssten sich dieses Potenzials bedienen.

Es geht also um die Frage, wie das Wissen besser vermittelt werden kann. Und dort soll die nationale Finanzbildungsstrategie ansetzen.

Der Plan der Bundesregierung

Zwar ist Bildung Ländersache, jedoch sollen die Maßnahmen der Finanzbildungsstrategie im Kompetenzbereich des Bundes liegen. Um insbesondere Jugendliche und Menschen mit geringem Einkommen und Bildungsniveau zu erreichen, will der Bund Barrieren abbauen und niedrigschwellige Angebote einführen.

Die Strategie soll auf den Empfehlungen der OECD beruhen und auf Dauer in einer zentralen Organisation koordiniert und umgesetzt werden. „Solides Wissen über Geld und Geldanlage ist die Grundlage, um finanzielle Entscheidungen treffen zu können“, betonte Lindner.

Verwandte Themen
OECD
Deutschland
Christian Lindner
Berlin
FDP
Altersvorsorge

Social-Media-Kampagnen, die Finanzbildungsplattform „Mit Geld und Verstand“ und das Festival der Finanzbildung in Berlin sollen entstehen oder gestärkt werden. Bereits seit 2023 fördert die Bundesregierung Finanzkompetenzen mit der „Initiative Finanzielle Bildung“.

Für Stark-Watzinger sind die Vorschläge der OECD „ein Meilenstein“ für eine Finanzbildungsstrategie in Deutschland. Sie nannte finanzielle Bildung „eine entscheidende Grundvoraussetzung für kompetente ökonomische Teilhabe“. Vor allem für junge Erwachsene und Frauen seien Finanzkompetenzen für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben notwendig.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt