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Hamburg-Wahl Die FDP bangt um ihre Zukunft: „Betrinkt euch nicht allein“

Der Wahlabend bei den Liberalen beginnt mit einer Panne und endet ungewiss. Für die FDP wird der Abend zur Zitterpartie. Eindrücke von der Wahlparty.
23.02.2020 - 20:02 Uhr Kommentieren
Die FDP-Spitzenkandidatin auf einem Wahlplakat. Quelle: dpa
Anna von Treuenfels

Die FDP-Spitzenkandidatin auf einem Wahlplakat.

(Foto: dpa)

Hamburg Die Wahlprognose kommt bei der Hamburger FDP von einem kleinen iPhone-Bildschirm. Wenige Sekunden vor 18 Uhr ist der Beamer ausgefallen, der eben noch die ZDF-Sendung „Bares für Rares“ klaglos übertragen hat. Also steigt eine Frau auf die Bühne und ruft die Ergebnisse der Prognose mit lauter Stimme aus: SPD wie erwartet stark, Grüne auch, CDU sackt durch – und die FDP bei fünf Prozent.

Kurze Zeit Ratlosigkeit im Craftbier-Haus „Altes Mädchen“, dann demonstrativer Jubel und anhaltender Applaus. Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels steigt auf die Bühne. „Leute, der Abend wird lang!“, ruft sie. Und: „Ich gehe jetzt rüber zu den Medien. Betrinkt euch nicht allein“, scherzt sie.

Carl Cevin-Key Coste verfolgt die Szene vom Rand, wo die Partei die jungen Leute mit den Wahlkampfschildern positioniert hat. Dieser Abend entscheidet über die berufliche Zukunft des 23-jährigen Vorsitzenden der Jungen Liberalen (Julis) Hamburg. Vielleicht wird der Jurastudent an diesem Abend zu einem der jüngsten Abgeordneten. Nach einer Bundestagskandidatur auf einem aussichtslosen Platz vor drei Jahren steht er nämlich diesmal auf Listenplatz fünf.

Damit hätte er, bis zum Thüringen-Theater, den Sitz in der Bürgerschaft fast sicher gehabt. Dafür habe er sich in den letzten beiden Monaten 70 bis 80 Stunden pro Woche eingesetzt, dank einer Examenspause, berichtet er. „Nach Thüringen waren es eher 100 Stunden“, fügt er hinzu.

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    Bekannt geworden ist Coste in Hamburg am Tag nach der umstrittenen Ministerpräsidentenwahl von Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD. Coste wollte sich den Demonstranten vor der FDP-Zentrale vor zwei Wochen stellen – die Polizei riet ihm aber davon ab.

    Coste ist schon physisch ein standfester Mann. Doch die Reaktionen auf der Straße haben ihn getroffen. „Noch kurz vor Thüringen habe ich in einem Interview gesagt, dass wir von Hasskommentaren nichts bemerken. Aber danach ging es los“, sagt er.

    Am Wochenende noch hätten Antifa-Aktivsten den FDP-Stand im Schanzenviertel umlagert. „Dabei sind die Julis in Hamburg doch der sozialliberale Flügel der Partei. Den ‚liberalen Antifaschismus‘ haben wir schon lange im Programm“, beklagt er sich. Immerhin habe sich die Partei mittlerweile klar von der AfD abgegrenzt: „Christian Lindner hat inzwischen einige unserer Formulierungen übernommen.“

    Ernüchterung nach den ersten Hochrechnungen: Die Spitzenkandidaten der Linken, Cansu Özdemir, der CDU, Marcus Weinberg und der FDP, Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein. Quelle: dpa
    Bürgerschaftswahl

    Ernüchterung nach den ersten Hochrechnungen: Die Spitzenkandidaten der Linken, Cansu Özdemir, der CDU, Marcus Weinberg und der FDP, Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein.

    (Foto: dpa)

    Klar ist dennoch: Mit fünf Prozent in der ersten Hochrechnung muss die FDP wohl den ganzen Abend um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft zittern – ausgerechnet um das Parlament, bei dessen Wahl vor fünf Jahren die Stimmung zugunsten der Liberalen kippte. Damals führte Katja Suding die FDP mit überraschend starken 7,4 Prozent ins Rathaus.

    Um 23.10 Uhr zeigt die „Vorabauszählung“ aller Wahllokale: Es sind 121 Stimmen, die die FDP über die Fünf-Prozent-Hürde heben – zumindest vorläufig. Denn das amtliche Endergebnis steht noch aus.

    Suding, inzwischen als Abgeordnete nach Berlin gewechselt, verbreitet im Medienzentrum in der Hamburger Messehalle dennoch Optimismus: Es handle sich um „gute fünf Prozent“, das Ergebnis werde sich verfestigen. „Es passt gut zur Freien und Hansestadt Hamburg, dass die Freien Demokraten in die Bürgerschaft kommen, die AfD aber nicht.“

    Wie angespannt sie wirklich ist, offenbart sich erst, als die Kamera aus ist. Mit einem ZDF-Reporter diskutiert sie angefasst dessen Frage nach Thüringen: Wenn der Journalist eindeutiger gefragt hätte, hätte sie das Verhalten der Partei klar als Fehler benennen können, ärgert sie sich – bevor sie zum nächsten Interview weitergezogen wird.

    SPD gewinnt Hamburg-Wahl – Grüne auf Platz zwei

    Lockerer drauf ist Robert Bläsing, der bei der FDP-Wahlparty, 200 Meter Luftlinie entfernt, mit Parteifreunden scherzt. Der FDP-Vorsitzende im Bezirk Nord kandidiert auf einem hinteren Listenplatz. „Für mich geht das Leben in jedem Fall weiter“, sagt er – schließlich sei er als Projektleiter in der Schulbehörde Beamter. Im Wahlkampf hat er auf ein eigenes Thema gesetzt, eine „Unique Selling Proposition“, wie er sagt: Die Stadt brauche einen Karl-Lagerfeld-Platz.

    Nach dem Hamburger Wahlrecht können die Kandidaten mit solchen Aktionen Einzelstimmen auf sich vereinen und so trotz eines schlechten Listenplatzes nach oben rutschen. Bläsing hat zudem ungewöhnliche Fotos für seine Online-Wahlkampfmotive schießen lassen, auf denen er im ärmellosen Shirt posiert. „Wenn ich auch nur 60 Stimmen einsammle, hilft das der Partei vielleicht noch“, sagt er. Seine Hoffnung bleibt, dass die Slogans auf den Plakaten stimmen: „Die Mitte lebt.“

    Mehr: Alle Ereignisse des Abends im Newsblog.

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