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Industriepolitik Im Notfall steigt der Bund in die Produktion von klimaneutralem Stahl ein

Minister Altmaier will den Firmen helfen. Wenn Unternehmen wie Thyssen-Krupp den Wandel nicht aus eigener Kraft bewältigen können, soll sich notfalls der Bund beteiligen, so Altmaiers Kalkül.
27.08.2020 - 16:10 Uhr 2 Kommentare
Die konventionelle Stahlproduktion gerät unter Klimaschutzgesichtspunkten an ihre Grenzen. Die Umstellung auf wasserstoffbasierte Verfahren ist daher unumgänglich. Quelle: Bloomberg
Stahlproduktion bei Thyssen-Krupp in Duisburg

Die konventionelle Stahlproduktion gerät unter Klimaschutzgesichtspunkten an ihre Grenzen. Die Umstellung auf wasserstoffbasierte Verfahren ist daher unumgänglich.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Am Freitagvormittag wird sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei Thyssen-Krupp Steel Europe im Norden Duisburgs ein Bild davon machen, wie die Produktion von klimaneutralem Stahl funktioniert. Das Unternehmen arbeitet mit Hochdruck daran, die entsprechenden Verfahren zu optimieren. Die Basis dafür bietet Wasserstoff, der die Kohle ersetzt.

Was in kleinem Maßstab bereits funktioniert, muss in den kommenden Jahren auf die Ebene der industriellen Fertigung gehoben werden. Der Aufwand ist enorm. Allein Thyssen-Krupp veranschlagt die Kosten für den Komplettumbau der Stahlherstellung in den kommenden Jahren auf zehn Milliarden Euro. Für das angeschlagene Unternehmen ist das ein schwer zu bewältigender Kraftakt.

Das Bundeswirtschaftsministerium will den Stahlherstellern helfen – und schließt dabei nicht mehr aus, selbst in die betroffenen Unternehmen einzusteigen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen wird erwogen, das Geschäft mit der Produktion von klimaneutralem Stahl auf Wasserstoffbasis nicht nur mit Zuschüssen zu unterstützen; in Beamtenrunden sei schon das Wort „Vollverstaatlichung“ gefallen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person dem Handelsblatt.

Das Thema „stehe derzeit im Raum“. Es gehe darum, den Einstieg in die klimaneutrale Produktion rasch voranzubringen, eine staatliche Beteiligung könne die erforderliche Sicherheit schaffen. Eine Entscheidung über einen Einstieg gebe es allerdings nicht. Neben Thyssen-Krupp arbeiten auch andere Stahlhersteller in Deutschland an einer Umstellung ihrer Produktion, etwa Salzgitter.

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    Eine offizielle Bestätigung von Altmaiers Haus gibt es nicht. Mit Blick auf den Besuch des Ministers bei Thyssen-Krupp Steel Europe am Freitag sagte eine Sprecherin, man stehe „im Austausch mit der Stahlindustrie zur Umsetzung des Handlungskonzepts Stahl“.

    Es gehe darum, den Umbau der Branche hin zu einer klimaneutralen Produktion voranzubringen. „Was wir anzubieten haben, sind die sieben Milliarden Euro aus dem Konjunkturpaket für die Wasserstoffstrategie. Wir setzen uns dafür ein, dass ein erheblicher Teil davon für industrielle Anwendungen eingesetzt wird“, sagte die Sprecherin weiter.

    Konzept enthält viele Zusagen

    Altmaier hatte das Handlungskonzept Stahl kürzlich vorgestellt. Das Konzept, das in enger Abstimmung mit den Stahlunternehmen entstanden war, enthält eine Reihe von Zusagen an die Branche. Es  knüpft an die „Industriestrategie 2030“ des Bundeswirtschaftsministeriums sowie den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung und an den „Green Deal“ der EU-Kommission an.

    In dem Papier heißt es, EU und Deutschland sollten „auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene wirksame Maßnahmen ergreifen und gemeinsam mit der Stahlindustrie die Weichen für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit stellen, die mit dem langfristigen Ziel der Treibhausgasneutralität in Deutschland und Europa kompatibel ist“.
    Das Papier enthält die Zusage der Bundesregierung, sie werde sich für eine ausreichende Zuteilung kostenloser Emissionszertifikate für die Branche einsetzen. Zusätzlich sollen neue Instrumente eingeführt werden. Zentrales Instrument, mit dem die Bundesregierung der Stahlindustrie bei der Transformation helfen will, sind „Carbon Contracts for Difference“.

    Dahinter verbergen sich staatliche Garantien für eine bestimmte Höhe des CO2-Preises für Unternehmen, die in Klimaschutz investieren. „Die Unsicherheit rund um die Entwicklung des CO2-Preises nimmt dadurch ab und ermöglicht den Unternehmen eine bessere Planbarkeit ihrer Investitionen“, heißt es in dem Handlungskonzept.

    Die anteilige oder gänzliche Übernahme der Differenzkosten zwischen dem aktuellen CO2-Preis und einem an den Vermeidungskosten orientierten, vertraglich definierten CO2-Preis würde den Unternehmen die notwendige Investitionssicherheit verschaffen, in Zukunftstechnologien zu investieren, so die Überlegung. Entsprechende Pilotverfahren sind im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung bereits beschlossen.

    Zusätzliche finanzielle Spielräume ergeben sich aus dem Konjunkturpaket, das die Bundesregierung Anfang Juni beschlossen hat. Darin werden sieben Milliarden Euro für die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie zugesagt. Ein Fokus soll dabei auf dem Umstieg von fossilen Energieträgern auf Wasserstoff bei industriellen Prozessen liegen.

    Mehr: Der Stahlbranche droht die totale Überforderung.


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    2 Kommentare zu "Industriepolitik : Im Notfall steigt der Bund in die Produktion von klimaneutralem Stahl ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Thyssen-Krupp ist doch quasi pleite! Das liegt aber daran, dass in den vergangenen Jahrzehnten viele Fehlentscheidungen getroffen wurden, wie. z.B. neues Stahlwerk in Brasilien und USA. Das alles hat alles hat viele Milliarden gekostet, die heute fehlen. Tafelsilber wurde verkauft, um Schulden zu begleichen! Vielleicht würde es schon was bringen, wenn bei uns z.B. im Brückenbau deutscher Stahl eingesetzt würde, und nicht chinesischer in spezieller Qualität. Zu berücksichtigen ist die spezielle "Stiftungssituation" bei den den Eigentümern. Ich hatte mal Gelegenheit, Herrn Beitz mit 90 Jahren kennen zulernen; eloquente Erscheinung; ob der aber als wichtiger Entscheidungsträger noch passte, möchte ich mit einem Fragezeichen versehen!

    • Das wird aber auch langsam Zeit, dass sich hier der Staat einmischt. Glaubt denn jemand, dass man diesbezüglich in China schläft? Oder dass man in Süd-Korea schläft? Der Markt ist hier nicht der beste Entscheider bei derartig großen riskanten Investitionen. Ein Staat ist als Gesamt-Unternehmer zu sehen, der mit anderen Staaten, die auch als Gesamt-Unternehmer zu sehen sind, in scharfer Konkurrenz steht. Das Bla der Österreichischen Schule versagt hier vollständig als Lösungs-Ansatz.

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