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Konjunktur Mit dem zweiten Lockdown kommt die zweite Rezession

Der jüngste Lockdown würgt die Konjunktur in Deutschland erneut ab. Trotzdem könnte die Wirtschaft glimpflicher davonkommen als im Frühjahr, hoffen Ökonomen.
15.12.2020 - 04:02 Uhr 1 Kommentar
Wie schwer wird der Corona-Schock für die deutsche Wirtschaft? Quelle: AFP
Einkaufspassage in Leipzig

Wie schwer wird der Corona-Schock für die deutsche Wirtschaft?

(Foto: AFP)

Berlin Der zweite Lockdown wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht von Konjunkturforschern erneut in die Rezession treiben. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt den Verlust für die hiesige Volkswirtschaft zum Jahresende auf 40 bis 50 Milliarden Euro.

Diese Zahlen nannte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths gegenüber dem Handelsblatt. Die Wirtschaftsleistung werde demnach im vierten Quartal 2020 um 0,8 Prozent und im ersten Quartal 2021 um 1,4 Prozent schrumpfen.

Die verschärften Maßnahmen ab Mittwoch verursachen dabei nur rund ein Viertel des Rückgangs, weil von Weihnachten bis Mitte Januar das Wirtschaftsgeschehen wegen der Feiertage ohnehin heruntergefahren wird.

Der Einbruch würde damit nicht annähernd so stark ausfallen wie im Frühjahr. Das IfW geht bei seiner Prognose davon aus, dass nach dem 10. Januar bis Ende März wieder ein Lockdown light gelten wird.

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    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte dem Handelsblatt: „Der Lockdown ist notwendig. Je schneller wir mit den Infektionszahlen nach unten kommen, desto schneller kann es für unsere Wirtschaft wieder bergauf gehen.“ Die Politik werde der Wirtschaft zudem „durch diese Krise helfen. Wir werden daher die Überbrückungshilfen ab Januar von derzeit 200.000 auf monatlich maximal 500.000 Euro erhöhen.“

    Einige Wirtschaftsverbände halten die neuen Hilfen immer noch für zu kompliziert. Altmaier mahnte an, „die Wirtschaft nicht mit unnötiger Bürokratie und Steuererhöhungsdebatten zu belasten“.

    Für Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen, hängen die Auswirkungen des Lockdowns vor allem davon ab, wie lange dieser dauern wird. „Ein leichter Lockdown wie im November ist in unserer Prognose eingepreist“, sagte Feld dem Handelsblatt. Für das Jahr 2021 erwarten die Wirtschaftsweisen ein Wachstum von 3,7 Prozent.

    Ökonomen erwarten „Lockdown light” bis Ende März

    Wie das IfW rechnen auch die Wirtschaftsweisen mit einem „Lockdown light“ bis Ende März. Sie nehmen an, dass sich ganz ohne Einschränkungen im Winter das Virus sofort wieder wie im Oktober ausbreiten würde.

    Die Ferienzeit dafür zu nutzen, die Infektionszahlen deutlich zu senken, nannte Ifo-Präsident Clemens Fuest auf Twitter eine „Investition in die Zukunft“.

    Denn ohne härteren Lockdown wäre das Gesundheitssystem im Januar so überlastet, dass die Lage dann ähnlich wie im Frühjahr im italienischen Bergamo noch härtere Maßnahmen erzwingen würde. Wie sich der härtere Lockdown auswirken wird, zeigt sich an diesen Punkten:

    Einzelhandel

    Das Bild für die Branche ist nicht gar so trüb, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Einzelhandel insgesamt ist in diesem Jahr bereits stärker gewachsen als 2019. Allerdings unterscheiden sich die unterschiedlichen Sektoren stark: Der Handel mit Lebensmitteln, mit Computern und anderer IT boomt, ebenso jeglicher Onlinehandel, während die Innenstadtläden leiden, vor allem Modegeschäfte.

    Für den innerstädtischen Einzelhandel berechnete das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Zeitungen der Funke-Gruppe am Montag Umsatzausfälle von 10,2 Milliarden Euro netto im Dezember und 5,7 Milliarden Euro im Januar. Vor allem das abrupt abgebrochene Weihnachtsgeschäft schade dem Innenstadthandel.

    Ökonomen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute halten die Schäden des Handels für die Gesamtwirtschaft für begrenzt. Die Maßnahmen würden das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um etwa 50 Milliarden Euro oder 1,25 Prozent schmälern gegenüber einer Corona-freien Welt, so IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. 20 Milliarden Euro davon entfielen auf den Dezember, 30 Milliarden auf den Januar. „Abgemildert werden die Auswirkungen dadurch, dass sie für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum gelten, in den recht viele Feiertage und Schulferien fallen“, sagte er.

    Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser betonte, dass der Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel nur 45 Prozent der Wertschöpfung des Einzelhandels erwirtschafte. Zudem seien die Geschäfte wegen der Ferienzeit nur an elf von 24 Verkaufstagen im Dezember und an sieben von 25 Verkaufstagen im Januar geschlossen.

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    Der Januar sei zudem ein ohnehin schwacher Monat. Kooths betonte, der Einzelhandel könne 2021 einen Teil der Ausfälle nachholen: Die Leute kauften Kleidung und Möbel eben später. Bei Restaurants und Friseuren sei der Umsatz unwiederbringlich verloren.

    Der Onlinehandel erlebt dagegen während der Pandemie einen Boom. Auf Basis von Daten des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) und des Einzelhandelsverbands HDE hat das IW exklusiv für das Handelsblatt diese Szenarien berechnet: Im optimistischen Fall geben die Deutschen von November bis Januar online 26,2 Milliarden Euro aus, 5,6 Milliarden mehr als 2019. Im pessimistischen Fall geben sie „nur“ 24,2 Milliarden Euro online aus – immer noch ein Plus von 3,6 Milliarden Euro.

    Die Wachstumsquoten berechnete das IW auf Basis der Onlinehandels-Zunahme während der Lockdowns im April und November und bezog die vom HDE erwartete Onlinehandels-Wachstumsrate für das Weihnachtsgeschäft mit ein.

    Industrie

    Völlig anders als die vom Lockdown betroffenen Konsumbranchen entwickelt sich die Industrie: Produktion, Auftragseingänge und Exporte legten bis einschließlich Oktober zu. Die Autoindustrie verkaufte nicht nur in China, sondern auch hierzulande wieder gut: Im November lagen die Pkw-Neuzulassungen über den Vorjahresmonaten 2019 und 2018.

    Allerdings zeigte Ende November das Ifo-Geschäftsklima, dass die Lockdowns überall in Europa für neue Unsicherheiten auch in der Industrie gesorgt haben: Wenn Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien tiefer in die Rezession rutschen, könnten die Exporte dorthin schnell auch wieder schrumpfen, so die Befürchtung. Allerdings: Die Lieferketten sind bisher intakt, der Handel mit China boomt sogar. Anders als im Frühjahr leidet die Industrie daher nicht unter ausbleibenden Zulieferungen.

    Deutsche Konjunktur insgesamt

    Die Rezession über den Jahreswechsel wird nach Auffassung der Ökonomen im zweiten Quartal 2021 enden, die Wirtschaft dann wieder wachsen. Wie stark, hängt vor allem davon ab, wie schnell möglichst viele Menschen weltweit geimpft werden können. „Der Impfstoff ändert alles“, sagt etwa IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

    Wie lange kann die deutsche Wirtschaft den Shutdown überstehen? Quelle: dpa
    Geschlossene Gastronomie in Dresden

    Wie lange kann die deutsche Wirtschaft den Shutdown überstehen?

    (Foto: dpa)

    Die jüngsten Prognosen für 2021 reichen aktuell von rund drei bis gut vier Prozent. Deutlich senken will die Jahresprognose wegen des auch nach der Verschärfung begrenzten Lockdowns kaum ein Ökonom. Das nächste Jahr ist allerdings schwer einzuschätzen, weil umfassende Impfungen einen weltweiten Wachstumsboom auslösen könnten, von dem die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark profitieren würde.

    Das Bundeswirtschaftsministerium wies darauf hin, dass der positive Effekt stark sein kann, wenn die Pandemie unter Kontrolle ist. „Wir hatten dieses Jahr im dritten Quartal ein Wachstum von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das zeigt: Es ist möglich!“ sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dem Handelsblatt: „Es ist möglich, wenn wir jetzt diszipliniert Kontakte reduzieren und dafür sorgen, dass die Pandemie nicht außer Kontrolle gerät.“

    Allerdings: Seit Oktober haben sich mit den steigenden Infektionszahlen Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und das GfK-Konsumbarometer verschlechtert.

    Weltwirtschaft

    Die Weltwirtschaft gerät wegen der zweiten Corona-Welle in westlichen Ländern abermals ins Straucheln. Der Einbruch zum Jahresende wird mit drei Prozent nicht so stark wie im Frühjahr befürchtet, aber immer noch kräftig ausfallen, schreibt die Industrieländerorganisation OECD in ihrer jüngsten Prognose.

    Deutschland steht im internationalen Vergleich noch recht gut da. Die deutsche Wirtschaft hängt nicht so sehr von Sektoren ab, die besonders stark unter der Pandemie leiden, wie etwa dem Tourismus. Aus der Weltwirtschaft kamen überdies zuletzt ermutigende Zeichen für die exportorientierte Wirtschaft.

    Die Rohstoffpreise stiegen, der Kupferpreis sogar auf den höchsten Stand seit 2013. Auch die Containerfrachter sind wieder voll.

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    Und, für deutsche Unternehmen besonders wichtig: China, Großabnehmerland für Waren „made in Germany“, hat die Coronakrise sehr schnell hinter sich gelassen. Während überall auf der Welt die Konjunktur tief einbricht, rechnet der Weltwährungsfonds damit, dass Chinas Wirtschaft dieses Jahr um zwei Prozent und im nächsten sogar um acht Prozent wachsen wird.

    Haushalt

    Die Bundesregierung hatte sich beim Beschluss des Haushalts 2021 Ende November schon einen ordentlichen Puffer eingebaut. Noch einmal wurde die Neuverschuldung um 20 auf 180 Milliarden Euro erhöht. Dies solle als Sicherheit dienen, falls die Wirtschaft in der Pandemie weitere Hilfen benötigt. Insgesamt stehen damit für nächstes Jahr 75 Milliarden Euro bereit.

    Das klingt erst mal nach viel, und doch könnte dieser Puffer womöglich schnell aufgebraucht sein – und schon im Frühjahr einen Nachtragshaushalt nötig machen, den Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eigentlich vermeiden wollte. Allein die „November-“ und „Dezemberhilfen“ kosten zusammen rund 33 Milliarden Euro. Das meiste davon wird erst im nächsten Jahr abfließen. Für die bisher konzipierte Überbrückungsgeld-III-Hilfe bis Ende Juni sind 26 Milliarden Euro veranschlagt.

    Hinzu kommen 2,5 Milliarden Euro für einen neuen Kulturfonds. Die Ausweitung der Hilfen im Rahmen der Überbrückungshilfe III auf den gesamten Einzelhandel kostet nach Angaben der Bundesregierung nochmals elf Milliarden Euro.
    Damit ist man bei rund 70 Milliarden an Kosten.

    Das Geld würde also reichen, aber nur, wenn der Lockdown nicht weit über den 10. Januar hinausgeht, was Stand heute aber unwahrscheinlich ist. Viel wird davon abhängen, wie stark die Unternehmen die neue Überbrückungshilfe nachfragen. Bei den ersten beiden Runden blieben viele Mittel übrig.

    Staatsverschuldung

    Obwohl der Bund allein in diesem und im nächsten Jahr deutlich über 300 Milliarden Euro neue Schulden macht und die ‧Bundesschuld damit auf einen Schlag um fast 30 Prozent steigt, ist Deutschland noch in einer komfortablen Lage. Der Schuldenstand wird sich vorläufig bei rund 75 Prozent einpegeln.

    Das ist im internationalen Vergleich ein extrem niedriger Stand – und deshalb auch kein Grund zur Besorgnis. Trotz der gewaltigen Schuldenaufnahme liegt der Schuldenstand Deutschlands noch immer unter dem Stand nach der Finanzkrise, als er gemessen am Bruttoinlandsprodukt auf gut 80 Prozent gewachsen war. Der Grund: Die Bundesregierung konnte den Schuldenstand dank Wachstum und hoher Haushaltsüberschüsse bis vor Ausbruch der Coronakrise auf knapp unter 60 Prozent senken.

    Mehr: Der Ökonom Hans-Werner Sinn warnt die Politik vor einem Kontrollverlust

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    1 Kommentar zu "Konjunktur: Mit dem zweiten Lockdown kommt die zweite Rezession"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Haben Wir wirklich ein Lockdown? Haben wir nicht tatsächlich ein Shutdown. Ein Lockdown würde bedeuten, das es Ausgangssperren gibt. Aber wir können uns doch jederzeit aus dem Haus bewegen. Es wird doch lediglich alles heruntergefahren und nicht angeriegelt.

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