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LandtagswahlHatte Michael Kretschmer einen Medienbonus?

Eine exklusive Analyse Tausender Medienartikel zeigt, wie häufig über welche Partei berichtet wurde. Während Sachsens CDU-Ministerpräsident häufig vorkam, schnitt eine Partei schlecht ab.Ben Mendelson 02.09.2024 - 15:43 Uhr Artikel anhören
Ministerpräsident Michael Kretschmer: Die CDU ist bei der Landtagswahl in Sachsen auf den ersten Platz gekommen. Foto: Robert Michael/dpa

Düsseldorf. Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen zeichnen sich in beiden Bundesländern komplizierte Regierungsbildungen ab. Die Parteien bewerten nun die Lage. Bei der Analyse der Ergebnisse lohnt auch ein Blick auf die mediale Berichterstattung in der Zeit der Wahl.

Eine Auswertung der Kölner Medienanalyse-Firma Unicepta von Tausenden Artikeln legt nahe, dass Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eine überproportionale Medienpräsenz hatte. Eine andere Partei hingegen kam auffällig selten in der Berichterstattung vor. Die Daten liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

Insgesamt hat Unicepta für die Landtagswahl in Sachsen 19.130 und für die Landtagswahl in Thüringen 33.971 Artikel in knapp 500 Leit- und Regionalmedien ausgewertet, darunter das Handelsblatt. Die Beiträge sind im August in Print, Rundfunk und Onlinemedien erschienen.

Dabei hat Unicepta analysiert, wie oft die Spitzenkandidaten der Parteien in Überschriften und Artikeln genannt wurden. Der mediale Fokus unterscheidet sich teils stark von den Ergebnissen der Umfragen und der Wahlen selbst.

Wie hat Michael Kretschmer diese überproportionale Medienpräsenz erreicht? Und wie könnte dies das Ergebnis beeinflusst haben?

Michael Kretschmer kommt in zwei von drei Überschriften vor

Eine zentrale Erkenntnis von Unicepta: In Sachsen hatte Ministerpräsident Kretschmer „einen klaren Amtsbonus und war deutlich sichtbarer“ als andere Kandidaten. Er wurde in 67 Prozent der analysierten Überschriften genannt – mehr als fünfmal so oft wie die am zweitmeisten erwähnte Spitzenkandidatin Petra Köpping (SPD).

Auch bei den analysierten Artikeln zeigt sich ein klares Übergewicht bei Michael Kretschmer, der in 59 Prozent der Artikel genannt wurde. Jörg Urban, Spitzenkandidat der AfD, wurde nur in neun Prozent der Artikel erwähnt. Die Spitzenkandidatin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), Sabine Zimmermann, kam sogar nur auf fünf Prozent.

Landtagswahlen: Markante Zitate bringen Aufmerksamkeit

Besonders viele Artikel wurden über Kretschmer geschrieben, wenn er sich mit markigen Worten zur Bundespolitik äußerte. Mehrfach sorgte er laut Unicepta für „mediales Aufsehen“, etwa als er forderte, Deutschland solle der Ukraine weniger Waffen liefern. Allein am 9. August kam er deswegen in mehr als 700 Artikeln vor.

Zudem forderte Kretschmer Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan und eine Reduzierung der Zahl der Geflüchteten in Deutschland. Er kritisierte Sahra Wagenknecht, sie habe „Talent, Dinge zu zerstören“. Diese klaren Äußerungen brachten Kretschmer deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit als alle anderen Spitzenkandidaten zusammen bekamen.

BSW: Auch in Thüringen unterproportional

In Thüringen fokussierte sich die Berichterstattung auf AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke, der in 57 Prozent aller Überschriften und in jedem dritten analysierten Artikel genannt wurde.

Auffällig sind hier aber zwei Abweichungen von den Wahlergebnissen: Während BSW-Spitzenkandidatin Katja Wolf nur in zwölf Prozent der Artikel erwähnt wurde, kam der scheidende Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in jedem vierten Text vor. Die Reihenfolge im vorläufigen Endergebnis sieht genau umgekehrt aus, auch die Umfragen sahen das BSW klar vor der Linken.

Insgesamt waren die Kandidaten des BSW in den analysierten Artikeln schwächer vertreten als im Wahlergebnis in beiden Bundesländern. Das könnte auch daran liegen, dass die Partei vor allem mit ihrer Namensgeberin und Gründerin Sahra Wagenknecht verbunden wird – die bei den Landtagswahlen gar nicht zur Wahl stand.

Welchen Einfluss hatte die Berichterstattung auf das Ergebnis?

Die Frage, welchen Einfluss die Nennung der Namen auf die Wahlergebnisse hatte, lässt sich so kurz nach der Wahl nicht abschließend beantworten. Aus der Medienforschung ist aber bekannt, dass die Berichterstattung in klassischen Medien generell eine Rolle für die Wahlentscheidung spielt. Andererseits lässt sich beobachten, dass sich insbesondere Anhänger der AfD zunehmend von den klassischen Medien abkehren.

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Wichtig sind zudem Auftritte der Kandidaten in TV-Duellen, Wahlplakate und nicht zuletzt persönliche Präferenzen der Wahlberechtigten. Und insbesondere die Präsenz in den sozialen Medien gewinnt an Bedeutung. Dennoch dürfte auch die Berichterstattung der vergangenen Wochen einen Einfluss auf die Wahlentscheidung in Sachsen und Thüringen gehabt haben. Davon dürften die amtierenden Ministerpräsidenten deutlich profitiert haben.

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