Regierung: Wie Wildberger mit Media-Markt-Methoden das Land digitalisiert
Berlin. Ein dunkler Fahrstuhl mit Terrazzo-Boden ruckelt in die oberste Etage der Englischen Straße 30 in Berlin. Die Tür öffnet sich im zwölften Stockwerk des Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, es riecht nach Papier und Klimaanlage. Sauber, geordnet, ohne Patina. Raum für Neues.
Hier oben, im Büro des Ministers, trifft sich jeden Donnerstag die Leitungsebene des neuen Ressorts. Die Runde am Besprechungstisch des Ministerbüros dient als zentrale Steuerungseinheit. Digitalminister Karsten Wildberger, seine zwei beamteten und zwei parlamentarischen Staatssekretäre treffen Entscheidungen, überprüfen Fortschritte und adressieren offene Punkte.
Besonders im Fokus: die digitale Brieftasche und der Deutschland-Stack, ein Software-Bausatz für Behörden. Wildbergers Prestigeprojekte. Er treibt sie voran mit den Mitteln, die er aus der Wirtschaft kennt: KPIs, hands on. „Wir spüren alle seinen heißen Atem im Nacken“, sagt ein Mitarbeiter dem Handelsblatt. „Das ist eine gute Sache, nur so werden mal die Dinge fertig.“
Aber werden sie das wirklich? Seit vier Monaten ist Wildberger (CDU) Digitalminister. Der frühere Chef der Elektronikhandelskette Ceconomy, zu der Media Markt und Saturn gehören, startete hochmotiviert, doch erste Fristen riss er bereits. Während der Minister und seine Staatssekretäre auf LinkedIn mit dem Hashtag #WirMachen Arbeitsfähigkeit signalisieren, hagelt es Kritik. Viele Ankündigungen, wenig Umsetzung, heißt es von außen.