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Übertragungsnetzbetreiber„Fatales Signal“: 50Hertz-Chef Kapferer warnt vor Ausbau-Stillstand in der Ostsee

Der Chef des Netzbetreibers 50Hertz wünscht sich mehr Tempo beim Ausbau der Windkraft in der Ostsee. Der Flächennutzungsplan sieht anderes vor.Klaus Stratmann 19.10.2020 - 16:59 Uhr Artikel anhören

Der 50Hertz-Chef kennt das politische Geschäft nicht nur als Beobachter.

Foto: dpa

Berlin. Stefan Kapferer sorgt sich um den weiteren Ausbau der Windkraft in der Ostsee. Der aktuelle Flächenentwicklungsplan für die Ostsee sehe nur eine Leistungszunahme um 300 Megawatt (MW) bis 2030 vor – das sei zu wenig, warnt der Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz. „Das wäre ein fatales Signal für die Energiewende und für den Klimaschutz in ganz Europa“, sagt Kapferer. Ohne die Nutzung sämtlicher geeigneter Flächen sowohl in der Nordsee als auch in der Ostsee würden die energiepolitischen Ziele nicht erreicht.

Tatsächlich entsprechen 300 MW gerade einmal der installierten Leistung eines mittleren Offshore-Windparks. Da geht mehr, ist sich Kapferer sicher. Er hält eine „doppelte bis dreifache Ausbaukapazität für Windenergie für realistisch“. Das dafür erforderliche Übertragungsnetz zum Abtransport des Stroms sei weit entwickelt.

Kapferers Werben für einen zügigeren Ausbau der Windkraft in der Ostsee dürfte in der Windbranche auf Zustimmung stoßen. Im Bundeswirtschaftsministerium dagegen hört man die Kritik nicht so gerne. Unverblümt weist Kapferer darauf hin, dass die Bundesregierung kürzlich das Ausbauziel für Offshore-Windkraft von 20 auf 40 Gigawatt (GW) bis 2040 verdoppelt habe.

„Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn eine angemessene Balance zwischen Nordsee und Ostsee gefunden wird“, sagt Kapferer. Das Verhältnis von 28 zu 1, wie es sich derzeit laut Flächenentwicklungsplan abzeichne, werde den Potenzialen nicht gerecht.

50Hertz-Chef beim Wirtschaftsminister

Kapferer ist Realist genug, um die Bundesregierung nicht mit fantastischen Forderungen zu nerven. Vor allen Dingen kennt er das politische Geschäft nicht nur als Beobachter, sondern auch als Akteur. Er war beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium unter Philipp Rösler (FDP) und in dieser Funktion auch für Fragen der Energiepolitik zuständig. Nach einem Intermezzo bei der OECD wechselte er als Hauptgeschäftsführer zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Kapferer hat am Dienstag die Gelegenheit, sein Anliegen direkt dem zuständigen Minister vorzutragen. Am Vormittag wird in der 50Hertz-Zentrale in Berlin, gelegen zwischen Hauptbahnhof und Bundeswirtschaftsministerium, das weltweit erste Seekabel eingeweiht, das zwei Länder – nämlich Dänemark und Deutschland – und deren Offshore-Windparks miteinander verbindet. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sein Kommen zugesagt.

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Das Seekabel, in der Fachsprache Combined Grid Solution (CGS) genannt, gilt als Meilenstein für das Zusammenwachsen der Offshore-Windmärkte in Europa und wird von 50Hertz als „Blaupause für ein Offshore-Stromnetz im gesamten baltischen Raum“ bezeichnet. Das Projekt schlägt mit 300 Millionen Euro zu Buche, davon stammen 50 Prozent aus EU-Mitteln.

Die Übertragungsnetzbetreiber – neben 50Hertz sind das Amprion, Tennet und TransnetBW – stehen vor der Herausforderung, in den kommenden Jahren deutschlandweit zweistellige Milliardenbeträge in den Ausbau der Netze zu investieren, damit diese fit werden für die Anforderungen der Energiewende. Für die Stromnetze, die in der Nordsee gebaut und betrieben werden, ist Tennet zuständig, für die Ostsee ist es 50Hertz.

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