Verkehr: Bekommt die Magnetschwebebahn doch noch eine Chance?
Berlin. Zwei Freiflächen zeugen von einer futuristischen Vision aus den frühen 90er-Jahren: Am Hamburger Hauptbahnhof erstreckt sich vor der kurzen Straße Hühnerposten ein Grünstreifen, heute teilweise mit Containern zugestellt. Auch in Berlin Spandau klafft zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum bis heute eine Baulücke.
Hier sollte einst eine Alternative zu ICE und Flugzeug entstehen: die Magnetschwebebahn Transrapid. Alle 20 Minuten sollte der Transrapid mit 400 Stundenkilometern von Hamburg nach Berlin fahren. In nur einer Stunde von der Alster an die Spree, lautete die Idee.
Entwickelt wurde diese Magnetschwebebahn von Siemens und Thyssen-Krupp. Als Betreiber sollte die Deutsche Bahn fungieren. 14,5 Millionen Passagiere wollten die Hersteller jährlich zwischen Hamburg und Berlin auf zwei Spuren hin- und herbewegen. Die Baukosten für das Projekt wurden mit 4,55 Milliarden Euro angesetzt.
Doch aus dem Traum wurde nichts. Im Februar 2000 wurde das Projekt begraben. Die prognostizierten Fahrgastzahlen schnellten nach unten, die Kosten nach oben. Auch ein späteres Vorhaben, vehement vorangetrieben vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), der den Münchener Hauptbahnhof mit dem Flughafen mit dem Transrapid verbinden wollte, bei einer Fahrzeit von zehn Minuten, scheiterte.
In Erinnerung geblieben ist den Deutschen das Transrapid-Unglück im Emsland im Jahr 2006. Nach menschlichem Versagen stieß ein Transrapid auf einer Teststrecke mit einem Wartungswagen zusammen, 23 Menschen starben.
Nun aber könnte das jahrzehntealte Vorhaben auch in Deutschland doch noch Wirklichkeit werden. Die Pläne werden wieder hervorgeholt: Im neuen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD soll die Bereitstellung öffentlicher Mittel zur Förderung innovativer Verkehrsmittel möglich sein. Explizit genannt im 144-seitigen Dokument: die Magnetschwebebahn.