Weltwirtschaftsforum: Finanzminister Lindner will mit KI die Steuererklärung erleichtern
Davos. Bundesfinanzminister Christian Lindner will mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) das Steuersystem verbessern und die Steuererklärung erleichtern. „Ich denke, dass Künstliche Intelligenz unser Steuersystem viel besser verstehen wird als menschliche Intelligenz“, sagte der zu Scherzen aufgelegte Lindner bei einer Paneldiskussion am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Ähnlich wie beim Schreiben von Computercode könne KI genutzt werden, um sich neue Rechtsvorschriften vorschlagen zu lassen. Zwar sei es die Aufgabe des Parlaments und der politischen Entscheidungsträger, über die Vorschriften zu entscheiden, aber den Entwurf könne eine KI vorlegen, sagte Lindner.
Der Minister geht außerdem davon aus, dass KI bald die persönliche Steuererklärung erleichtert, und will dafür die Voraussetzung in der Software für die Elektronische Steuererklärung (Elster) schaffen. „Denken Sie an all die Ausgaben, die Sie im Laufe des Jahres machen, und die Belege, die Sie sammeln müssen“, sagte Lindner. „Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie drücken einen Knopf und die KI-Software fasst das alles zusammen und präsentiert Ihre Steuererklärung.“
Ein solches Szenario sei nicht die ferne Zukunft. „Ich denke, das wird noch in meiner Amtszeit passieren – wenn auch nicht in dieser Legislaturperiode“, scherzte er in einer Gesprächsrunde im AI House, die von der Wochenzeitung „Die Zeit“ organisiert wurde. Die nächste Bundestagswahl findet voraussichtlich im September 2025 statt.
Zu konkreten Umsetzungsplänen sagte Lindner dem Handelsblatt: Die Idee sei, dass eine maschinelle Intelligenz in Elster zunächst einmal lerne, Belege den richtigen Anlagen innerhalb einer Steuererklärung zuzuordnen. Im übernächsten Schritt könne die Steuererklärung dann aus allen zur Verfügung gestellten Daten erstellt werden.
KI könnte künftig Steuererklärungen prüfen
Allerdings sei er überzeugt, dass der Privatsektor schneller sei, eine solche Lösung zu entwickeln, als der Staat – auch weil dabei alle 16 Bundesländer mitziehen müssten. „Ich glaube, dass die Elster-Schnittstelle genutzt werden wird, um Belege, die Sie selbst in einer kommerziellen Software gesammelt haben, ins System zu geben“, sagte Lindner. „Wir tun das, was möglich ist, die Elster-Schnittstelle so zu machen, dass sie diese Applikation ermöglicht.“
Das Scannen und Zuordnen der Belege zu automatisieren sei ein „erreichbares Ziel“ während seiner Amtszeit.
Auch beim Prüfen der Steuererklärungen könne KI künftig eingesetzt werden, um Plausibilitätschecks durchzuführen, sagte Lindner auf dem Podium. Das System könne dem zuständigen Beamten einen Warnhinweis geben. Ganz überlassen will Lindner die Steuerprüfung der KI allerdings nicht: „Wir sollten Künstliche Intelligenz nicht nutzen, um ein Netz von detaillierten Kontrollen unseres Privatlebens zu schaffen.“
KI soll auch bei der Zoll-Anmeldung helfen
Über das Steuersystem hinaus will Lindner auf KI setzen, sagte er in Davos. „Wir haben ein KI-Kompetenzzentrum im Finanzministerium gegründet und suchen nach Anwendungen, um sie in der Zollverwaltung einzusetzen.“ Bisher sei es „extrem kompliziert“, Ware korrekt beim Zoll anzumelden. Eine Künstliche Intelligenz könne die Ware identifizieren, den richtigen Weg der Anmeldung finden – und sogar Arnold Schwarzenegger helfen.
Mit dem Verweis auf den Hollywood-Star erntete Lindner einige Lacher. Schwarzenegger war erst vor wenigen Tagen am Münchener Flughafen vom Zoll festgehalten worden, weil er eine Luxusuhr nicht angemeldet haben soll. Der Fall wird laut dem Zoll steuerstrafrechtliche Konsequenzen für den Promi haben.