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WindkraftGrüner Strom als Standortvorteil für Norddeutschland

Unternehmen brauchen grüne Energie, um klimaneutral zu werden. Darum lassen sich viele von ihnen in Norddeutschland nieder. Der Süden muss nacharbeiten, belegt eine Umfrage.Klaus Stratmann 18.07.2023 - 15:44 Uhr Artikel anhören

Teile Norddeutschlands produzieren mehr Strom als sie selbst verbrauchen.

Foto: dpa

Berlin. Die Verfügbarkeit von grünem Strom ist für Unternehmen ein entscheidender Standortfaktor. Dabei schneidet der Norden Deutschlands mit enormen Mengen Strom aus Windkraft deutlich besser ab als der Süden. Das belegt eine Umfrage unter 924 Unternehmen, erarbeitet vom arbeitgebernahen IW Köln, dem Thinktank Epico und der Stiftung Klimawirtschaft. Die Umfrageergebnisse sind Bestandteil der Studie „Standortvorteil Erneuerbare Energien“, sie liegt dem Handelsblatt vor.

Der Umfrage zufolge bewerten knapp 80 Prozent der Unternehmen die Perspektiven bezüglich einer klimaneutralen Energieversorgung in Norddeutschland mit „eher gut“ oder „sehr gut“. Über die südlichen Bundesländer sagen dies dagegen nur 30 Prozent der Unternehmen.

Die Studie sieht darum deutlichen Handlungsbedarf in Süddeutschland und konstatiert: Wo erneuerbare Energien nicht verfügbar sind, gerät die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts in Gefahr. Im Süden fehlten vor allem Windräder und Anschlüsse an neue und bestehende Leitungen für Strom und Wasserstoff, schreiben die Autoren der Studie.

Insbesondere die energieintensive Industrie in Süddeutschland weise einen hohen Bedarf an erneuerbarem Strom auf, um eine erfolgreiche Transformation hin zur Klimaneutralität zu erreichen. Der Bedarf könne durch Solarenergiekapazitäten allein nicht abgedeckt werden kann. „Der Süden ist deshalb auf den ambitionierten Zubau weiterer Windkraftanlagen an Land angewiesen, der bislang deutlich zu langsam umgesetzt wurde. Vor dem Hintergrund des schleppenden Ausbaus der Übertragungsnetze und der höheren Kapazitäten an Windkraftanlagen besitzt der Norden einen klaren Standortvorteil“, schreiben die Autoren.

Defizite beim Ausbau der Windkraft: Besonders in Bayern fehlen Windräder

Um die Strompreise zu senken und die Versorgungssicherheit zu stärken, sei ein konsequenterer Ausbau in allen Regionen Deutschlands notwendig. Vielfach sei der Ausbau in den vergangenen Jahren im Süden an zu hohen Abstandsregelungen und damit fehlenden Flächen, an langwierigen Genehmigungen sowie uneinheitlichen Standards bei Artenschutzanforderungen gescheitert.

Bayern hat bisher große Solarkapazitäten, der Windkraftausbau stockt aber.

Foto: IMAGO/Action Pictures

Tatsächlich weist der Süden Deutschlands, insbesondere Bayern, Defizite beim Ausbau der Erneuerbaren aus. Im Norden ist dagegen vornehmlich der Ausbau der Windkraft weit fortgeschritten. Einige norddeutsche Bundesländer erzeugen auf ihrer Fläche mehr Strom aus erneuerbaren Quellen als im jeweiligen Land selbst verbraucht wird.

Der hohe Erneuerbaren-Anteil an der Stromerzeugung gilt auch als ein ausschlaggebender Faktor für Industrieansiedlungen in der jüngsten Vergangenheit. Als Beispiel wird immer wieder der Bau des Tesla-Werks im brandenburgischen Grünheide genannt. In der Studie heißt es, es spiele eine wichtige Rolle, wie stark ein Geschäftsmodell an bisherige Standorte gebunden sei. So könne die fehlende ausreichende Versorgung mit grüner Energie „das Scheitern eines klimaneutralen Betriebs vor Ort verursachen oder Anreize zu einer Standortverlagerung setzen“.

Bayern hat sich über die Jahre mit dem Ausbau der Windkraft schwergetan. Zwar ist die Photovoltaik dort stark verbreitet, ebenso Storm aus Wasserkraft und Biomasse, doch der Windkraftausbau stockt. Erschwert wird die Situation dadurch, dass der Stromtransport von Nord nach Süd wegen der Rückstände im Netzausbau noch lange nicht reibungslos funktioniert. Bayern und Baden-Württemberg können daher nur begrenzt von den Stromüberschüssen im Norden profitieren.

Das Thema beschäftigt seit Langem auch die EU-Kommission, die immer wieder dafür plädiert hat, in Deutschland mindestens zwei Stromgebotszonen zu etablieren. Bislang gibt es eine einheitliche deutsche Stromgebotszone. Stromgebotszonen sind die geografischen Gebiete, innerhalb derer die Marktteilnehmer mit Strom handeln können. Je größer eine Gebotszone, desto weiter muss der Strom transportiert werden, bevor er genutzt werden kann, was mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Würde man Deutschland in zwei Stromgebotszonen aufteilen, wäre Strom in der nördlichen Zone günstiger als in der südlichen, weil im Norden ein Überschuss besteht, im Süden dagegen ein Mangel. Das könnte einen Anreiz für Industrieansiedlungen im Norden schaffen.

Zu den Handlungsempfehlungen der Autoren gehören neben dem schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien der Aufbau breit aufgestellter Importbeziehungen für klimaneutralen Wasserstoff. Außerdem müssten auch für kleinere Unternehmen bessere Möglichkeiten geschaffen werden, klimaneutralen Strom per Vertrag direkt zu beziehen.

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Erstpublikation: 16.07.2023, 10:26 Uhr.

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