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Berg-Karabach Armenien und Aserbaidschan werfen einander Bruch der Waffenruhe vor

Kurz nach Ausrufung der Waffenruhe werfen sich beide Länder gegenseitig Angriffe vor. Seit zwei Wochen gibt es schwere Kämpfe in der Karabach-Region.
10.10.2020 Update: 10.10.2020 - 15:02 Uhr Kommentieren
In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Berg-Karabach. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Quelle: dpa
Rauch steigt nach dem Beschuss durch die aserbaidschanische Artillerie auf

In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über Berg-Karabach. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.

(Foto: dpa)

Eriwan/Baku Kurz nach Inkrafttreten der Waffenruhe für die Kaukasus-Region Bergkarabach haben Armenien und Aserbaidschan einander deren Bruch vorgeworfen. Die armenische Armeesprecherin Schuschan Stepanjan sprach am Samstag kurz nach Beginn der Waffenruhe von aserbaidschanischen Angriffen.

Das Nachbarland ignoriere die Vereinbarung, worauf die Streitkräfte von Berg-Karabach mit „angemessenen Maßnahmen“ reagieren müssten. Aserbaidschans warf Armenien vor, mit Artilleriefeuer auf zahlreiche Orte begonnen zu haben. Alle Angriffe seien abgewendet worden.

Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew erklärte, die Parteien seien dabei, eine politische Lösung zu finden. Das ließ vermuten, dass die vereinbarte Waffenruhe nicht vollends aufgekündigt ist. Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte am Samstag an beide Seiten, den Waffenstillstand einzuhalten und weitere Opfer „unbedingt zu vermeiden“.

Armenien und Aserbaidschan haben sich eigentlich am Samstagmittag auf eine Waffenruhe in der schwersten Gewalteskalation seit Jahren in der Südkaukasusregion Berg-Karabach geeinigt. Das russische Ministerium veröffentlichte in der Nacht zum Samstag eine entsprechende Erklärung dazu.

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    Laut Russland soll die Feuerpause dazu genutzt werden, um Kriegsgefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und die Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu übergeben, hieß es darin. Weitere Details der Waffenruhe sollten zusätzlich vereinbart werden.
     

    Russlands Außenminister Lawrow bezeichnete die erzielte Vereinbarung als Grundlage für weitere Verhandlungen unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Gruppe wird von Russland, den USA und Frankreich angeführt, die in dem Konflikt vermitteln.

    Tausende Menschen auf der Flucht

    Die Verhandlungen zur Feuerpause in Moskau zwischen den Außenministern Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan der verfeindeten Nachbarn dauerten mehr als zehn Stunden. Kremlchef Wladimir Putin hatte beide Länder zuvor eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen.

    Seit knapp zwei Wochen gibt es in Berg-Karabach neue Kämpfe mit Hunderten Toten. Auch am Freitag dauerten die Gefechte an. Die Hauptstadt Stepanakert wurde erneut mit Raketen beschossen, Aserbaidschan will neun Dörfer eingenommen haben.

    Insgesamt wurden seit Beginn der Gefechte rund 320 armenische Soldaten in Berg-Karabach getötet. Aserbaidschan hat bislang keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht, spricht aber von rund 30 toten Zivilisten. Es gibt tausende Flüchtlinge in der Unruheregion.

    Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev nannte das Treffen in Moskau die „letzte Chance“ auf eine friedliche Lösung. Der Konflikt solle jedoch zuerst militärisch beendet werden. Erst später könne man über eine dauerhafte politische Lösung sprechen. Armenien müsse Berg-Karabach aufgeben.

    Seit 1994 brüchige Waffenruhe

    In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Berg-Karabach wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.

    Aserbaidschan bekommt in dem Konflikt Rückendeckung von der Türkei. Auch ausländische Söldner und Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen sollen an den Gefechten beteiligt sein. Eindeutige Beweise gibt es bislang nicht.

    Russland hat zu beiden Ex-Sowjetrepubliken diplomatische und wirtschaftliche Verbindungen. Jene mit Armenien sind jedoch intensiver. Dort hat Russland auch eine Militärbasis.

    Mehr: Im Kaukasus droht ein Stellvertreterkrieg wie in Syrien. Ein Kommentar

    • dpa
    • rtr
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