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Britisches ForschungslaborGift im Fall Skripal kann keiner eindeutigen Quelle zugeordnet werden

Putin setzt in der Skripal-Krise auf ein Treffen der Chemiewaffen-Organisation OPCW. Experten können keine „präzise Quelle“ für die Herkunft des Giftes nennen. 04.04.2018 - 08:36 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Polizisten kontrollieren die Zufahrt zur Christie Miller Road, nahe dem Haus des Doppelagenten Skripal, der mit seiner Tochter Opfer eines Nervengift-Angriffs wurde.

Foto: dpa

Den Haag. Russlands Präsident Wladimir Putin setzt in der Krise um den in Großbritannien vergifteten Ex-Spion Sergej Skripal auf ein Treffen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Dem Gremium gehören Diplomaten aus 41 Ländern an, darunter die USA, Russland, Großbritannien und Deutschland.

Er hoffe, dass bei der Sondersitzung ein Schlussstrich gezogen werden könne, sagte Putin am Dienstag bei einem Besuch in der türkischen Hauptstadt Ankara. Die OPCW kommt am Mittwoch auf Antrag Russlands in Den Haag zusammen, um über den Fall zu sprechen.

Während der OPCW-Sondersitzung werden Russland und Großbritannien nach der Giftattacke auf Sergej Skripal erstmals direkt aufeinander treffen.

Die britische Regierung wirft Präsident Putin vor, hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion und dessen Tochter mit dem Nervengift Nowitschok am 4. März im englischen Salisbury zu stecken. Das Gift war in der früheren Sowjetunion hergestellt worden. Moskau weist die Vorwürfe vehement zurück und beschuldigt London der anti-russischen Propaganda.

Der Anschlag hat die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zusätzlich massiv belastet. So wiesen westliche Staaten etwa 130 russische Diplomaten aus.

Die britischen Vorwürfe werden auch im Mittelpunkt des nicht-öffentlichen Treffens des OPCW-Leitungsgremiums stehen. Bislang haben britische Forscher aber keinen Beweis für die Herkunft des Giftes aus Russland vorlegen können. Die „präzise Quelle“ für die eingesetzte Substanz sei unklar, sagte Gary Aitkenhead, Chef eines Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down, dem britischen Sender Sky News.

Die britische Regierung blieb dennoch bei ihren Anschuldigungen, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. „Es gibt keine andere plausible Erklärung dafür“, teilte das Außenministerium am Abend in London mit. Man wisse, dass Russland kleine Nowitschok-Mengen für eventuelle Attentate hergestellt und gelagert habe.

Nach Angaben des Experten Aitkenhead haben die Untersuchungen bestätigt, dass bei dem Attentat ein Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe verwendet worden ist. Dieser Kampfstoff wurde in der früheren Sowjetunion hergestellt. London hatte direkt den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt - aber bislang keine klaren Belege dafür vorgelegt.

Es handele sich um militärisch verwendbares Nervengift, das extrem schwer herzustellen sei, sagte Aitkenhead weiter. Daher könne eigentlich nur ein Staat hinter dem Anschlag stecken. Man habe das Ergebnis der britischen Regierung mitgeteilt. Sie sei auch aufgrund anderer Quellen zu ihren Schlussfolgerungen gekommen.

Der Streit zwischen Moskau und London führte zu einer schweren diplomatischen Krise. Russland hatte Ende vergangener Woche die Ausweisung von etwa 150 seiner Diplomaten aus rund 25 Ländern und der Nato damit beantwortet, dass es die gleiche Zahl ausländischer Diplomaten des Landes verwies.

Die auch für militärisch Forschungszwecke genutzte Anlage Porton Down liegt nahe der südenglischen Stadt Salisbury. Dort waren am 4. März Sergej Skripal und seine Tochter Julia bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden.

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Der Kreml wies bislang alle Vorwürfe strikt zurück und drehte den Spieß um: Die Substanz könnte in Großbritannien - etwa in Porton Down - und anderen Ländern hergestellt worden sein, heißt es aus Moskau.

Auf Antrag Russlands sollte die OPCW-Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Organisation ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahre 1997.

Russland hatte der OPCW zuvor einen Fragenkatalog zur Klärung des Vorfalls geschickt. Nach russischen Angaben wollte die Organisation noch vor Beginn der Sondersitzung antworten. „Wir haben auf keine unserer Fragen eine Antwort erhalten“, sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow am Dienstagabend im TV-Sender Rossija-24.

dpa
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