Bruna Szego: Eine Italienerin soll Europas oberste Geldwäsche-Bekämpferin werden
Brüssel. Die italienische Juristin Bruna Szego soll die neue europäische Anti-Geldwäsche-Behörde Amla in Frankfurt leiten. Das haben der Wirtschafts- und der Innenausschuss des Europaparlaments nach einer Anhörung am Montagabend entschieden. Die Italienerin setzte sich gegen den Deutschen Marcus Pleyer und den Niederländer Jan Reinder De Carpentier durch.
Die Empfehlung der beiden Ausschüsse gilt als Vorentscheidung. Szego muss nun von der EU-Kommission formell nominiert und von Europaparlament und EU-Rat bestätigt werden.
Die Juristin aus dem ligurischen Savona arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei der italienischen Zentralbank in Rom und leitete dort zuletzt das Referat für Geldwäschebekämpfung. Sie sitzt auch im Anti-Geldwäsche-Ausschuss der europäischen Bankenaufsicht Eba.
Die Amla, kurz für „Anti-Money Laundering Authority“, soll künftig 40 als riskant eingestufte Finanzinstitute in der EU überwachen. Dafür hat Szego 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung. Wenn alles glattläuft, könnte sie den Job im Januar antreten und mit dem Aufbau der Behörde in Frankfurt beginnen. In ihrer künftigen Funktion wird sie sich eng mit den 27 nationalen Aufsichtsbehörden abstimmen müssen.
Geldwäsche ist ein wachsendes Problem in der EU. Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten hoffen, dass die neue Behörde die Bekämpfung über Ländergrenzen hinweg besser koordinieren kann.
Konservative und Grüne stimmten gegen Szego
Szegos Wahl kam gegen den Willen der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), der stärksten Fraktion im Parlament, zustande. Die EVP und die Grünen hatten sich für Pleyer ausgesprochen, wurden aber von einer breiten Allianz aus Sozialdemokraten, Liberalen, Linken und Rechten überstimmt.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der EVP, Markus Ferber, zeigte sich enttäuscht. „Es gab drei Kandidaten, denen man allen den Job zutraut“, sagte der CSU-Abgeordnete. „Es gab aber mit Marcus Pleyer auch einen Kandidaten, der um Längen besser war und eigentlich das Rennen hätte machen müssen.“
Pleyer, aktuell Unterabteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, war von 2020 bis 2022 Präsident der internationalen Taskforce gegen Geldwäsche (FATF). Ferber sagte, leider hätten die Ausschüsse am Ende mehrheitlich die Kandidatin unterstützt, „die sowohl auf dem Papier als auch in der eigentlichen Anhörung am schlechtesten aussah“.
Es sei offensichtlich nicht allein nach fachlichen Gesichtspunkten entschieden worden, so Ferber. Auch warf er den Sozialdemokraten „eine gewisse Doppelmoral“ vor, weil die Brandmauer zu den Rechtsfraktionen offenbar nicht mehr gelte, wenn es darum gehe, eine Mehrheit für die eigene Kandidatin zu organisieren.
Tatsächlich dürfte die Nationalität bei der Auswahl eine Rolle gespielt haben. Da Frankfurt bereits der Sitz der neuen Behörde ist, war es von Anfang an unwahrscheinlich, dass auch noch ein Deutscher als erster Chef ausgewählt würde. Die deutsche Bankenmetropole hatte sich im Auswahlprozess unter anderem gegen Rom, Paris und Madrid durchgesetzt.