Bush und Schröder: Eine Männerfeindschaft
Bundeskanzler Gerhard Schröder (links) und US-Präsident George W. Bush im Jahr 2005: Bush wertete es als Vertrauensbruch, als sich Schröder gegen Bushs Irak-Kriegspläne aussprach.
Foto: dpaBerlin. Misstrauen, persönliche Verletzungen – und nun auch noch Spionage. Die Enthüllungen über den US-Lauschangriff auf das Handy von Gerhard Schröder (SPD) bereichern die Geschichte des Zerwürfnisses zwischen dem damaligen Bundeskanzler und US-Präsident George W. Bush um eine weitere pikante Facette. Seit 2002 soll der US-Geheimdienst NSA Schröders Gespräche belauscht haben, weil der Kanzler den von Bush geplanten Irak-Krieg ablehnte.
Die beiden Politiker standen sich in unverhohlener Abneigung gegenüber. Bush datiert den Beginn des Zerwürfnisses auf ein Treffen mit Schröder am 31. Januar 2002 im Weißen Haus. Schröder habe ihm die volle Unterstützung für die Irak-Politik zugesagt, schrieb Bush in seinen Memoiren. Schröder habe gesagt: „Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für den Irak richtig.“ Laut Bush fügte der Kanzler hinzu: „Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann bin ich mit Ihnen.“ Bush wertete dies als „Erklärung der Unterstützung“.
Als Bushs Memoiren 2010 erschienen, bezichtigte Schröder den Ex-Präsidenten der Lüge: „Der frühere amerikanische Präsident Bush sagt nicht die Wahrheit.“ Seine Unterstützung für einen Irak-Einsatz habe er nur für den Fall zugesagt, dass sich der Irak „tatsächlich als Schutzraum und Zufluchtsort für Al-Kaida-Kämpfer erweisen“ sollte – was aber letztlich nicht der Fall gewesen sei.
Bush interpretiert Schröders Verhalten anders. Der Kanzler sei aus Wahlkampfkalkül von seiner Zusage abgerückt: „Als die Wahlen in Deutschland bevorstanden, hatte Schröder plötzlich einen anderen Dreh“, schrieb Bush. „Ich schätze persönliche Diplomatie und lege viel Wert auf Vertrauen“, schrieb er – und fährt mit Blick auf Schröder fort: „Als dieses Vertrauen verletzt wurde, war es schwierig, noch einmal eine konstruktive Beziehung zu haben.“
Schröder hatte im Januar 2003 bei einer Kundgebung in Goslar vor den wichtigen Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen seine Ablehnung gegen Bushs Kriegspläne verkündet: „Rechnet nicht damit, dass Deutschland einer den Krieg legitimierenden Resolution zustimmt.“ Bush wertete dies als Vertrauensbruch.
Zu Schröders Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) pflegte Bush dann ein ganz anderes Verhältnis. „Angela war vertrauenswürdig, engagiert und warmherzig“, schrieb Bush. Vor einem Lauschangriff der NSA konnte Merkel dies aber offenbar nicht schützen: Auch ihr Handy soll abgehört worden sein.