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Corona-Impfung Im Kampf gegen die Delta-Variante setzt Russland auf Zwangsimpfungen

In Russland sorgt die ansteckendere Virusvariante für so viele Neuinfektionen, dass die Politik nun zum Mittel der Zwangsimpfungen greift. Die Hälfte der Bevölkerung hält die Maßnahme für richtig.
24.06.2021 - 10:06 Uhr 1 Kommentar
In Russland steigen die Neuinfektionen wieder rasant an. Quelle: dpa
Covid-19-Patient in Moskau

In Russland steigen die Neuinfektionen wieder rasant an.

(Foto: dpa)

Berlin Russland rühmt sich, den „ersten zugelassenen und am besten wirkenden Corona-Impfstoff der Welt“ zu haben, wie Kremlchef Wladimir Putin immer wieder betont. Doch seinem Volk fehlt der Glaube daran, seiner Industrie die Produktionskapazitäten für genügend Impfstoffe, und die Zweifel an der Wirksamkeit des russischen „Sputnik V“-Vakzins gegen die neue Delta-Variante nehmen zu.

Denn inzwischen steigen die Zahlen der Corona-Infektionen und Covid-Toten wieder so stark an, dass Russland eine Impfpflicht einführt. Sergej Sobjanin, Bürgermeister der 15-Millionen-Metropole Moskau und damit für etwa ein Zehntel der russischen Einwohner zuständig, begründet die Verschärfung damit, dass inzwischen „über 89 Prozent der Infektionen auf die deutlich aggressivere Delta-Variante des Coronavirus zurückgehen“.

Kremlsprecher Dmitri Peskow verteidigte die Impfpflicht, die jetzt zuerst in einzelnen Regionen und für ganze Berufsgruppen eingeführt wird, mit den Worten, Ungeimpfte im Arbeitsumfeld seien „eine Bedrohung für andere“.

In der Hauptstadt Moskau, Kaliningrad, St. Petersburg und anderen Regionen müssen sich jetzt große Teile der Bevölkerung verpflichtend impfen lassen.

Nur 14 Prozent der Russen sind bisher geimpft

In Moskau müssen sich bis zum 15. Juli 60 Prozent der Beamten zum ersten Mal und innerhalb eines weiteren Monats ein zweites Mal impfen lassen. In St. Petersburg sind sogar 65 Prozent der städtischen Bediensteten dazu verpflichtet.

Darüber hinaus müssen sich alle Angestellten im Handel, im Gastgewerbe, im Nahverkehr, im Bildungs- und Gesundheitswesen, in Wohnungsverwaltungen, Bibliotheken, Schwimmbädern und anderen öffentlichen Einrichtungen sowie in Banken, bei der Post und andernorts zwangsweise impfen lassen.

Bisher sind trotz der breiten Werbung für Russlands Impfstoff „Sputnik V“ im größten Flächenstaat der Erde und in vielen anderen Ländern erst 14 Prozent aller Einwohner Russlands geimpft worden. Dabei war „Sputnik“ bereits im August 2020 zugelassen worden, und kurz darauf hatten Impfkampagnen begonnen.

In Russland breitet sich die Pandemie nach monatelanger Erleichterung seit einigen Wochen wieder rasant aus: Am Mittwoch wurde der Tod von 548 Menschen durch das Coronavirus bekanntgegeben – so viele wie seit Februar nicht mehr.

In Russland herrscht allerdings erheblicher Zweifel an den Zahlen: Voriges Jahr waren gut 300.000 Menschen mehr gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Nur gut 57.000 Covid-Tote wurden aber eingeräumt.

Härtere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus

52 Prozent der Russen nannten die Impfpflicht in einer Umfrage richtig, nur 30 Prozent lehnten die Maßnahme ab. Neben der Impfpflicht sind auch wieder heftige Einschränkungen im öffentlichen Leben verordnet worden: In Moskau wurde die Fanzone für die Fußball-Europameisterschaft geschlossen.

Bereits in der Vorwoche wurden Arbeitnehmer in Zwangsurlaub beordert – die Unternehmen müssen sie im Nachhinein nun voll bezahlen. In Regionen wie Iwanowo kontrolliert die Polizei in die Provinz fahrende Autos – und von außerhalb der für ihre Textilproduktion bekannten Region dürfen nur Geimpfte oder Genesene einreisen.

In der Hauptstadt dürfen nur noch Geimpfte, Genesene oder mit negativem PCR-Test Ausgestattete in Restaurants speisen, in anderen großen Städten müssen Gaststätten und Restaurants auf Außer-Haus-Lieferungen umstellen.

„Die Lage ist für uns jetzt viel schlechter als vergangenes Jahr im Lockdown“, meint der Restaurantbetreiber Sergej Mironow. Seinerzeit seien Gaststätten geschlossen worden und die Pächter von Mietzahlungen befreit worden. Jetzt könne nur mit gedämpfter Kraft gearbeitet werden, die Pacht müsse aber gezahlt werden.

Hohe Verluste bei deutschen Firmen in Russland

Deutliche Kritik an den Maßnahmen der russischen Regierung in der Coronakrise gab es auch aus deutschen Firmen, die in Russland aktiv sind: 45,7 Prozent dieser Unternehmen hielten die Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft in der Pandemie für unzureichend, weitere 10,3 Prozent sogar für völlig unzureichend. Dies ergab die Geschäftsklimaumfrage der deutsch-russischen Auslandshandelskammer in Moskau.

1,1 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden deutschen Firmen erlitten Schäden in der Pandemie von über 100 Millionen Euro, weitere 1,7 Prozent zwischen zehn und 100 Millionen Euro, 10,3 Prozent von bis zu zehn und weitere 23,4 Prozent von fast einer Million Euro.

Auf schnelle Lockerungen macht Moskaus Bürgermeister Sobjanin indes wenig Hoffnung: Erst in „zwei bis drei Monaten" könnten die erzwungenen Impfungen nachweisbar deutliche Rückgänge der Neuinfektionen bringen.

Mehr: Deutsche Firmen setzen wieder verstärkt auf Russland.

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1 Kommentar zu "Corona-Impfung: Im Kampf gegen die Delta-Variante setzt Russland auf Zwangsimpfungen"

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  • "52 Prozent der Russen nannten die Impfpflicht in einer Umfrage richtig"
    Ich glaube, in Deutschland würde dieselbe Umfrage noch höhere Werte ergeben.

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