Donbass: Die nächste, noch brutalere Phase des Kriegs beginnt
Die Kämpfe der vergangenen Monate um die Stadt Bachmut könnten einen Ausblick gegebenen haben, was nun in Wuhledar im Süden und im Norden um Kreminna bevorsteht.
Foto: ReutersBerlin. Nachdem sich die Front in der Ukraine über den Winter nur marginal verschoben hat, sind beide Seiten jetzt darauf aus, in die Offensive zu gehen. Während die Ukraine Teile ihrer Soldaten im Ausland trainiert und auf weitere Waffenlieferungen aus dem Westen wartet, hat Russland inzwischen Gegenstöße an der gesamten Front gestartet.
Militärexperten rechnen damit, dass sich die russische Offensive auf den Donbass im Osten der Ukraine konzentrieren wird. Auch das Kampfgeschehen der vergangenen zwei Wochen lässt darauf schließen. Das in Washington ansässige „Institute for the Study of War“ schrieb vergangene Woche in seinem täglichen Briefing, dass „die russischen Streitkräfte in der Ukraine wieder die Initiative ergriffen haben“.
Laut dem ukrainischen Geheimdienst soll Kreml-Chef Wladimir Putin die Direktive gegeben haben, die gesamte Region bis März zu erobern. Wie aber sind die Voraussetzungen für eine russische Offensive, wie könnten die russischen Truppen dabei vorgehen und vor allem welche Aussichten auf Erfolg bestehen?
1. Die Ausgangslage
- Russland kann aufgrund seiner Mobilisierung deutlich mehr Soldaten an der Front einsetzten als zu Beginn des Kriegs. 250.000 Soldaten sollen sich bereits in der Ukraine befinden, weitere 150.000 Rekruten könnte Moskau noch nachschieben. Ein großes Fragezeichen steht nach wie vor hinter der Qualität der neuen Truppen – sowohl was Ausrüstung als auch Fähigkeiten anbelangt.
- Russland hat seinen Artilleriebeschuss zuletzt stark zurückgefahren. Ob aus Munitionsknappheit oder aus taktischen Gründen, lässt sich nicht beurteilen.
- Neue westliche Waffensysteme wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Raketen mit höherer Reichweite dürften laut Experten erst nach und nach an der Font eintreffen. Manches wird erst für die zweite Jahreshälfte erwartet. Dann könnte auch die Ukraine wieder in die Offensive gehen – womöglich im Süden.
- Anders als zu Beginn des Kriegs ist die Frontlinie deutlich kürzer. Im Donbass sind es etwas mehr als 200 Kilometer. Russland kann dadurch seine Kräfte stärker konzentrieren. Umgekehrt muss die Ukraine weniger Territorium verteidigen und ist dadurch in der Lage, sich auf mögliche Attacken besser einzustellen.
2. Wo könnte Russland angreifen?
Wann Russland eine Großoffensive startet oder vielleicht sogar bereits gestartet hat, darüber gehen die Meinungen der Experten auseinander. „Wie groß die russische Offensive wird, ist unklar“, konstatierte Michael Kofman in dem Podcast „War on the Rocks“.