Emily Haber: Verfolgt Trump eine große Strategie? USA-Expertin warnt vor Irrtum
Düsseldorf. Emily Haber weiß aus nächster Nähe, was es bedeutet, wenn ein Mann wie Donald Trump das mächtigste Amt innehat. Sie erlebte es zweieinhalb Jahre als deutsche Botschafterin in Washington. So außergewöhnlich schon die erste Amtszeit des US-Präsidenten war – seine zweite hat in den ersten drei Monaten völlig neue Maßstäbe gesetzt, vor allem was die Unberechenbarkeit seiner Politik angeht.
„Wir neigen dazu, Irrationales rationalisieren zu wollen. Wir unterstellen Trump ausgefeilte Strategien und geniale Verhandlungskonzepte“, sagt Haber im Handelsblatt-Interview. Doch seine aggressive Handelspolitik gegenüber China – und auch Europa – und seine Haltung gegenüber Moskau, all das sei „nicht konsistent“. Will heißen, wer eine „Grand Strategy“ hinter der Politik der Supermacht USA vermutet, irre. Fest steht aus Sicht der Botschafterin nur: „Wir sind Zeugen einer Erosion des geopolitischen Westens.“
Hier lesen Sie das vollständige Interview mit Emily Haber:
Frau Haber, Sie haben noch die zwei letzten Jahre der ersten Amtszeit von Donald Trump als Botschafterin in Washington aus nächster Nähe erlebt. Ahnten Sie bereits, was mit Trump II auf uns zukommen würde?
Wir wussten, dass Donald Trump viel besser vorbereitet sein würde. Dennoch habe ich nicht mit der Dynamik, der Intensität und dem Risikowillen gerechnet, mit denen er in seine zweite Amtszeit als US-Präsident gestartet ist. Trump agiert maximal experimentell, konfrontativ und oft inkonsistent. Hinzu kommt: In der ersten Amtszeit gab es in der US-Administration noch viele außenpolitische Traditionalisten, die die Dinge wieder in geordnete Bahnen gelenkt haben. Die gibt es nun nicht mehr.