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Entwicklungspolitik Grüner Wasserstoff statt Brunnenbau: Die EU definiert ihre Afrika-Politik neu

An diesem Montag stellt die EU-Kommission ihre neue Afrika-Strategie vor. Der Kontinent soll ein Partner auf Augenhöhe werden – und grüne Energie nach Europa liefern.
09.03.2020 - 00:00 Uhr 1 Kommentar
Sauberer Strom lässt sich in Afrika leichter produzieren als in Europa. Quelle: dpa
Solarkraftwerk in Marokko

Sauberer Strom lässt sich in Afrika leichter produzieren als in Europa.

(Foto: dpa)

Brüssel Dass Afrika an geopolitischer Bedeutung gewonnen hat, konnte man bereits an der ersten Amtsreise Ursula von der Leyens erkennen: Die neue EU-Kommissionspräsidentin führte es nicht etwa nach Washington, sondern nach Addis Abeba. In der äthiopischen Hauptstadt sitzt die Afrikanische Union. Die Internationale Organisation aus 55 afrikanischen Staaten soll zukünftig ein Schlüsselpartner der EU werden.

Dabei will die EU weg von klassischer Entwicklungspolitik hin zu strategischen Partnerschaften mit einhergehenden Großinvestitionen. Die Finanzierung von flächendeckender energetischer und digitaler Infrastruktur soll zu staatlicher Stabilität und wirtschaftlichem Wohlstand führen – und so auch Fluchtursachen vermeiden. Das geht aus dem Entwurf der Afrika-Strategie der EU vor, der an diesem Montag vorgelegt werden soll. Der Entwurf des Papiers liegt dem Handelsblatt vor.

Es geht auch um einen globalen Machtpoker: „Wir sehen in der Welt einen geopolitischen Wettbewerb“, sagte die EU-Kommissarin für Internationale Partnerschaften, Jutta Urpilainen, am vergangenen Freitag in Brüssel. „Viele Großmächte sind auch in Afrika aktiv.“ Als Beispiele nannte sie Russland, Indien, die Golfstaaten, die USA und China.

Vor allem Chinas Aktivitäten missfallen den Europäern: Zwar liegt das chinesische Finanzierungsvolumen noch weit unter dem der Europäer (nach den neuesten Zahlen 222 Milliarden Euro im Vergleich zu 38 Milliarden), doch Chinas Investitionsstrategie ist nicht im europäischen Interesse. Peking schafft keine Jobs vor Ort, sondern bringt seine eigenen Leute mit, interessiert sich nicht für Menschenrechte und auch nicht für negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

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    Afrika-Strategie soll helfen, den Green Deal umzusetzen

    Kommissarin Urpilainen nennt „die globalen Megatrends Klimawandel und Digitalisierung“ als weitere Gründe, warum die EU-Kommission sich beeilt hat, möglichst schnell nach Amtsantritt ihr politisches Papier zu den neuen Afrika-Beziehungen vorzulegen.

    Bis 2050 will die EU klimaneutral sein, die vorgelegten Klimapläne der Mitgliedstaaten reichen dazu nicht aus. Und mit heimisch erzeugten erneuerbaren Energien wird die EU ihren Energiebedarf nicht decken können. Sie wird also auf Importe angewiesen sein.

    Afrika bietet sich in dieser Hinsicht als Energielieferant an: Es gibt viel Fläche, hochsonnenintensive Gebiete, Wind und Wasser. Daraus ließe sich auch Wasserstoff herstellen.

    Deutschland hat bereits angekündigt, die Zusammenarbeit mit Afrika in puncto grünem Wasserstoff zu einem Schwerpunkt des zweiten Halbjahres 2020 zu machen, wenn Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Mitte Februar rief Forschungsministerin Anja Karliczek eine Partnerschaft mit 15 westafrikanischen Ländern ins Leben.

    Sie sollen Wasserstoff produzieren und möglichst auch nach Deutschland exportieren. „Afrika ist ein Chancen-Kontinent, und grüner Wasserstoff als das Öl von morgen zählt zu den ganz großen Chancen“, warb Karliczek. Sie trat dabei mit dem nigrischen Forschungsminister Yahouza Sadissou auf, der jedoch davon sprach, der Fokus liege erst einmal auf Afrikas eigenem Wasserstoffbedarf.

    Brennstoffzellen waren lange keine Konkurrenz zur Batterie – bis jetzt

    Bis Länder wie Niger zu Wasserstoff-Exporteuren werden können, sind riesige Investitionen und politische Kooperationen notwendig. Zwar gibt es in Niger Sonnenenergie im Überfluss. Doch das Land ist ein Binnenstaat, einen einfachen Zugang zu Wasser gibt es nicht. Und Wasser wird für die Wasserstoffproduktion gebraucht.

    Wenn diese Hürden überwunden werden, könnte die Strom- und Wasserstoffproduktion dem Land eine Perspektive bieten, in dem bislang Kinderarbeit weit verbreitet ist, die Geburtenrate bei 7,4 Kindern pro Frau liegt und die Alphabetisierung so niedrig ist, wie in kaum einem anderen Land der Welt.

    „Bei dieser Strategie geht es darum, die Geschichte Afrikas neu zu erzählen“, fasst Uriplainen zusammen.

    Mehr: Forschungsministerin Anja Karliczek und Wasserstoff-Experte Robert Schlögl diskutieren im Handelsblatt-Interview die Chancen und Risiken einer Wasserstoffwirtschaft – und mahnen zur Eile.

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    1 Kommentar zu "Entwicklungspolitik: Grüner Wasserstoff statt Brunnenbau: Die EU definiert ihre Afrika-Politik neu"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist mehr als überfällig, Afrika nicht mehr nur als Absatzmarkt oder Rohstofflieferanten, sondern als Entwicklungspartner zu sehen. Die erste sogenannte "Desertec"-Initiative vor reichlich 10 Jahren ist auch deswegen gescheitert, weil die Energiebedarfe der afrikanischen Länder weitestgehend ignoriert wurden. Der afrikanische Sonnengürtel wurde in einem eher neokolonialistischen Ansatz als Energielieferant für Europa verstanden, statt langfristige gemeinsame Projekte mit den Lieferländern zu vereinbaren, die zunächst die Infrastruktur und Energieversorgung vor Ort stärken und erst dann auf den Export zielen.

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