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Gaza-KriegIsraels Luftangriff in Damaskus erschwert Irans Stellvertreterkrieg

Im Nahen Osten droht eine weitere Eskalation. In Washington wächst die Besorgnis – nicht nur wegen des israelischen Angriffs auf das Konsulat, bei dem zwei iranische Generäle starben. Pierre Heumann, Annett Meiritz 02.04.2024 - 18:32 Uhr
Zerstörte Nebengebäude der iranischen Botschaft in Damaskus. Foto: dpa

Tel Aviv, Washington. Dem Nahen Osten droht eine weitere Eskalation. Nach einem Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus mit mindestens acht Toten hat Teheran Israel Vergeltung angekündigt.

Bei dem Angriff am Montag wurden offenbar zwei Generäle der iranischen Revolutionsgarden getötet, auch ein Mitglied der schiitischen Hisbollah-Miliz soll unter den Opfern sein. Israels Streitkräfte seien in höchster Alarmbereitschaft, betonte ein ranghoher israelischer Beamter. Man sei auf Vergeltungsschläge der mit dem Iran verbündeten Milizen in Syrien vorbereitet.

Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant übernahm zwar nicht direkt die Verantwortung für die Attacke. Er drohte jedoch, dass jeder, der im Nahen Osten gegen Israel vorgehe, einen hohen Preis zahlen müsse.

Das Spiel ist vorbei.
Ehud Yaari
israelischer TV-Kommentator

Der Luftangriff, der ein Nebengebäude der iranischen Botschaft in Damaskus komplett zerstörte, galt Mohammad Reza Zahedi, dem Topkommandanten der iranischen Revolutionsgarden in Syrien. Mit in den Tod gerissen wurden auch sein Stellvertreter sowie mehrere Mitglieder der Revolutionsgarden.

Israel wirft ihnen vor, Terrorgruppen wie die Hisbollah, die schiitischen Milizen in Syrien und im Irak sowie die Hamas im Gazastreifen zu finanzieren. Die Revolutionsgarden hatten unter anderem den Waffenschmuggel aus dem Iran über Syrien in den Libanon geleitet.

„Das Spiel ist vorbei“, sagt Ehud Yaari, Nahostkommentator am israelischen Fernsehender Channel 12 und International Fellow am Washington Institute. Mit dem Angriff habe Israel Teheran signalisiert, dass man sich den Stellvertreterkrieg des Irans nicht mehr gefallen lasse. Für Teherans Strippenzieher werde es jetzt sehr schwierig, meint auch ein ranghoher Offizier in Tel Aviv.

Nach dem Tod der Generäle verbrennen iranische Demonstranten US-amerikanische und israelische Fahnen. Foto: dpa

Die „Neutralisierung der iranischen Verbindungsleute zur Hisbollah“ sei ein schwerer Schlag für Teheran, sagt Saeid Golkar, Politologe an der University of Tennessee. Der Tod von Schlüsselfiguren führe „zu einem institutionellen Durcheinander“. Die Suche nach einem Nachfolger für Zahedi, insbesondere inmitten der Krise im Nahen Osten, werde „ein zeitaufwendiges Unterfangen“, prognostiziert Golkar.

Der Iran werde sich für den Anschlag zwar rächen, „aber ein größerer Krieg zwischen den beiden Ländern ist unwahrscheinlich“, meint Yaari. Teheran wolle eine direkte Auseinandersetzung mit Israel vermeiden: „Die Iraner werden so reagieren, dass für sie keine großen Risiken entstehen.“ Sie würden deshalb wie bisher ihre Stellvertreter einsetzen und zum Beispiel israelische Bürger im Ausland oder israelische Botschaften angreifen.

Die US-Regierung wandte sich nach der tödlichen Attacke auf den iranischen General direkt an das Regime in Teheran. Man habe versichert, dass die USA „keinerlei Wissen“ über den Angriff hatten und nicht daran beteiligt waren, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. Die schnelle Reaktion spiegelt die Sorge von US-Präsident Joe Biden vor einem Flächenbrand im Nahen Osten wider. Er will eine zweite außenpolitische Großkrise neben dem Ukrainekrieg unbedingt verhindern.

Das letzte Mal, dass ein ranghoher Offizier der Islamischen Revolutionsgarden von den USA getötet wurde, war im Jahr 2020. Der damalige Präsident Donald Trump hatte den Kommandeur Qasem Soleimani exekutieren lassen, damals schrammten beide Länder knapp an einem heißen Konflikt vorbei.

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Die USA spielen für den weiteren Verlauf des Nahostkonflikts eine Schlüsselrolle und sind inzwischen viel tiefer in die Krise involviert, als Biden ursprünglich beabsichtigt hatte. Fast täglich gibt es Zusammenstöße zwischen proiranischen Milizen und in der Region stationierten US-Streitkräften. Die USA fliegen Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen im Roten Meer, iranische Stellvertretergruppen attackieren amerikanische Soldaten.

Als wichtigster internationaler Partner Israels unterstützen die USA außerdem die Regierung von Benjamin Netanjahu mit milliardenschweren Militärhilfen. Gleichzeitig versucht Washington, die humanitäre Katastrophe in Gaza abzumildern, etwa durch eine Seebrücke mit Hilfsgütern.

Dieser fast unmögliche Balanceakt ist für Biden im Jahr der US-Präsidentschaftswahlen ein riesiges Problem, fast alle seine Auftritte werden von Protesten gegen den Gazakrieg begleitet, Kritiker schmähen den Präsidenten als „Genozid Joe“.

Angehörige trauern um die getöteten Mitglieder der Hilfsorganisation „World Central Kitchen“. Foto: IMAGO/UPI Photo

Biden verteidigte jüngst die amerikanische Unterstützung für Israel. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Israels Existenz auf dem Spiel steht“, sagte er bei einer Veranstaltung mit Barack Obama und Bill Clinton in der vergangenen Woche, die wieder von Demonstranten unterbrochen wurde. „1200 Israelis wurden niedergemetzelt. Stellt euch vor, das wäre in den Vereinigten Staaten passiert. Es ist verständlich, dass Israel so eine tiefe Wut hat.“ Gleichzeitig aber müsse der „Tod von unschuldigen Zivilisten“ in Gaza verhindert und eine Zweistaatenlösung geschaffen werden, räumte Biden ein. „Ich glaube, wir können das schaffen.“

Doch während der Auslöser für den Krieg – das Massaker der Hamas an den Israelis – in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund rückt, dringen aus Gaza täglich neue grauenvolle Szenen nach außen. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff mindestens fünf Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen starben.

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Der Verein wurde von dem amerikanisch-hispanischen Starkoch José Andrés gegründet und versorgt Millionen Menschen nach Naturkatastrophen und in Kriegsgebieten mit einer warmen Mahlzeit. Zuvor hatte der TV-Sender Al Jazeera Augenzeugen rund um das zerbombte Shifa-Krankenhaus in Gaza zitiert. Die Rede ist von Hunderten Leichen, die zum Teil gefesselt und hingerichtet worden seien, darunter Ärzte, Frauen und Kinder.

Die US-Regierung erhöht jetzt den Druck auf Israel, eine Feuerpause herbeizuführen. „Wenn diese Berichte wahr sind, ist das für uns sehr besorgniserregend“, teilte das Weiße Haus mit. Man habe Israel um Aufklärung gebeten und eine eigene Untersuchung begonnen, um Film- und Fotoaufnahmen zu verifizieren.

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