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Indien Schlechte Nachrichten für Schwellenländer: Weltgrößter Impfstoffhersteller liefert erst Ende des Jahres

Schwellenländer rund um den Globus verlassen sich auf Impfstofflieferungen aus Indien. Doch nun verkündet der Chef des größten Herstellers monatelange Verzögerungen.
20.05.2021 - 10:20 Uhr Kommentieren
Indien hat ein Exportverbot für Corona-Impfstoffe erlassen. Quelle: dpa
Mitarbeiter des Impfstoffherstellers Serum Institute of India verpacken Corona-Impfstoffdosen

Indien hat ein Exportverbot für Corona-Impfstoffe erlassen.

(Foto: dpa)

Bangkok Noch vor wenigen Monaten konnte sich Adar Poonawalla als Retter in Szene setzen. Als Lizenznehmer von Astra-Zeneca ließ der indische Pharmaunternehmer bereits Millionen Corona-Impfdosen herstellen, als das Vakzin noch in keinem Land zugelassen war – und versprach, damit Indien und Schwellenländer rund um den Globus zu versorgen. „Viele Menschen wundern sich, warum wir die Einzigen sind, denen das in dieser Größenordnung gelingt“, sagte der Chef des weltgrößten Impfstoffherstellers Serum Institute of India (SII) damals in einem Interview – und gab gleich selbst die Antwort: „Es geht, weil ich die Vision hatte und wir das nötige Geld investiert haben.“

Doch Poonawallas Vision, von Indien aus Covid-Impfstoffe um die Welt zu schicken, wird ein halbes Jahr nach dem Beginn der globalen Impfkampagnen von Enttäuschungen überschattet. Bereits seit Ende März kann Poonawalla seine Exportzusagen nicht mehr einhalten und bringt damit die globale Impfinitiative Covax in Bedrängnis, die sich auf sein Unternehmen als Hauptlieferanten verlassen hatte. Nun hat Poonawalla der Welt wieder schlechte Nachrichten zu verkünden: Er rechnet laut Unternehmensmitteilung mit weiteren massiven Verzögerungen. Frühestens Ende des Jahres sollen Impfstofflieferungen an Covax und andere Kunden außerhalb Indiens wieder aufgenommen werden.

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Die Ankündigung aus Indien bedeutet einen heftigen Rückschlag für die Impfpläne von Schwellen- und Entwicklungsländern und dürfte das Ziel, einen Großteil der Menschheit gegen das Coronavirus zu immunisieren, weiter in die Ferne rücken.

Mehr als 100 Millionen Impfdosen fehlen

Bereits am Montag hatte das UN-Kinderhilfswerk Unicef beklagt, dass aufgrund des Lieferstopps des Herstellers SII 140 Millionen Impfdosen fehlen, die die Covax-Allianz bis Ende Mai ursprünglich an ärmere Länder hatte zustellen wollen. „Weitere Lieferungen von 50 Millionen Impfdosen im Juni werden wahrscheinlich ausfallen“, sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. Von den zugesagten 1,1 Milliarden Impfdosen, die Covax beim SII fest bestellt oder sich als Option gesichert hat, schickte der indische Hersteller erst 20 Millionen.

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    Grund für das Lieferchaos ist die Zuspitzung der Coronakrise in Poonawallas Heimat. Indiens Regierung genehmigte die Impfexporte des Serum-Instituts Anfang des Jahres zu einer Zeit, als die Infektionszahlen sehr niedrig waren und man in Indien glaubte, das Schlimmste überstanden zu haben. Doch seit März schossen die Ansteckungen in die Höhe und führten zu einer Überlastung des Gesundheitssystems. Die Regierung von Premierminister Narendra Modi verbot daraufhin die Ausfuhr von Impfstoffen – mit dem Ziel, die eigene Bevölkerung zuerst zu impfen.

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    Angesichts Hunderttausender bestätigter Neuinfektionen in Indien pro Tag stieß Modis Entscheidung international zwar auf ein gewisses Verständnis. Doch mit Blick auf die großen Probleme, die dadurch für die Impfkampagnen anderer Länder entstehen, wächst der Druck auf Indien, den Exportstopp nicht länger aufrechtzuerhalten als unbedingt nötig. „Sobald der verheerende Ausbruch in Indien zurückgeht, erwarten wir von dem Serum Institute of India, wieder auf Kurs zu kommen und seine Lieferverpflichtungen gegenüber Covax zu erfüllen“, forderte der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, diese Woche.

    Indiens Infektionszahlen sinken wieder

    Indiens offiziell registrierte Covid-19-Fälle sind etwas zurückgegangen. Am Mittwoch meldeten die Gesundheitsbehörden des fast 1,4 Milliarden Einwohner großen Landes rund 267.000 Ansteckungen binnen eines Tages. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise hatte Indien mehr als 400.000 Neuinfektionen am Tag registriert.

    Mit Blick auf die dramatische Lage und langsame Impffortschritte geriet Poonawalla in seiner Heimat zuletzt zunehmend in die Kritik. Er schaltet nun in den Verteidigungsmodus. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Indien mit unseren Impfstoffexporten geschadet“, teilte er mit – und mahnte seine Landsleute zur Geduld: Die Menschen würden oft vergessen, wie groß Indien sei. Ein Milliardenvolk lasse sich nicht einfach in zwei bis drei Monaten durchimpfen, sagte er. „Um die ganze Welt zu impfen, wird es wohl zwei bis drei Jahre dauern.“

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    Eines der Schwellenländer, die von den Covax-Lieferproblemen betroffen sind, ist Vietnam. Das südostasiatische Land hatte für dieses Jahr knapp 40 Millionen Impfdosen von Covax erwartet. Eingetroffen sind bisher erst zwei Millionen. Das Land hatte die Coronakrise durch effektive Eindämmungsmaßnahmen in den vergangenen Monaten zwar unter Kontrolle gebracht, seit Anfang Mai steigen die Fallzahlen aber wieder. Die wirtschaftlichen Folgen sind schon jetzt spürbar: Die Regierung ordnete am Dienstag an, vier Industrieparks vorerst komplett zu schließen. Betroffen sind davon auch Fabriken, die als Zulieferer für den Elektronikkonzern Apple arbeiten.

    Poonawallas Unternehmen, das schon vor der Coronakrise mehr Impfdosen produzierte als jeder andere Pharmakonzern, ist es bisher nicht gelungen, die Produktionskapazitäten wie geplant auszubauen. Ursprünglich sollte die Produktionsmenge von 60 bis 70 Millionen Impfdosen im Monat bereits im März auf 100 Millionen erhöht werden. Nun soll diese Marke im Juli erreicht werden.

    Aber nicht nur diese Geduldsprobe sorgt für Verärgerung: Auf Unverständnis stieß in Indien auch, dass Poonawalla, der zu einer der reichsten Familien des Landes gehört, kurz vor dem Krisenhöhepunkt nach London aufbrach. Nun folgte ihm auch sein Vater, Firmengründer Cyrus Poonawalla – wie es hieß, zum jährlichen Sommerurlaub.

    Mehr: Asiens Impfdesaster gefährdet den Aufschwung der Region

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