Interview: Daniel Yergin: „Fossile Brennstoffe werden bis 2050 nicht verschwinden“
New York. Der Wirtschaftshistoriker und Pulitzer-Preisträger Daniel Yergin gilt in Energiefragen als Koryphäe. Als Vizepräsident von S&P Global richtet er unter anderem in Houston die Öl- und Gas-Konferenz Ceraweek aus, zu der Konzernchefs aus aller Welt anreisen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Yergin, warum KI die Energiewende erschweren und Gas noch lange eine wichtige Rolle spielen wird.
Yergin fordert auch, die Klimadiskussion anders zu führen. „Wenn Sie in Indien oder in einem Entwicklungsland leben, haben Sie nicht dieselben Sorgen wie jemand in Brüssel“, sagt er. Asiatische Länder machten sich auch Sorgen um das Klima, aber ebenfalls um das Wirtschaftswachstum und wegen der Armut. „Und für sie ist Erdgas eine Möglichkeit, die Umweltverschmutzung zu reduzieren“, sagt Yergin. Der Westen dagegen könne auch dank massiver Investitionen mit neuen Technologien wie Wasserstoff, Kernfusion oder auch CO2-Abscheidung die Energiewende voranbringen.
Den Atomausstieg Deutschlands hält der Energieexperte für einen Fehler. Die Kernenergie „war ein Bollwerk der deutschen Energiesicherheit. Viele der Probleme, mit denen Deutschland heute zu kämpfen hat, sind die Folge dieser Entscheidung“, sagt Yergin. Und auch beim Fracking kritisiert er die deutsche Abwehrhaltung. „Werden Sie realistisch!“, mahnt er. Die Technologie habe sich in den vergangenen Jahren stark geändert. „Und ohne das durch Fracking gewonnene US-Flüssiggas wäre die Ukraine schon längst an Russland gefallen.“