Interview: Deutschlands renommiertester Historiker im Interview: Geht Putins Kalkül am Ende doch auf?
„Die Wende hat bereits mit der Annexion der Krim und dem hybriden Krieg im Donbass 2014 begonnen.“
Foto: dpaDüsseldorf. Nicht Ökonomen, nicht Militärstrategen und auch nicht die Politologen – es sind die Historiker, die in dieser schwierigen Lage am ehesten Orientierung geben, geschichtliche Analogien aufspüren oder Muster erkennen. Heinrich August Winkler, Deutschlands renommiertester Historiker, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, warum Putin so handelt, wie er handelt, warum gerade die deutsche Geschichte ein Argument liefert, der Ukraine auch schwere Waffen zu liefern – und warum deutsche Sonderwege am Ende vor allem auch Deutschland selbst schaden.
Herr Winkler, fast sieben Monate dauert der Krieg in der Ukraine. Ein Krieg, mit dem in Europa niemand gerechnet hat. Auch wenn Historiker nicht gerne Prognosen abgeben: Wie geht es weiter in diesem Krieg?
Historiker sind in der Tat keine Propheten. Nur so viel: Mir scheint, dass der Westen nichts anderes tun kann und soll, als die Ukraine so gut wie irgend möglich in die Lage zu versetzen, die russische Aggression abzuwehren. Denn wenn Wladimir Putin aus diesem Krieg als Sieger hervorgeht, wird er nicht Schluss machen mit seinen Übergriffen. Im Gegenteil: Er wird sich ermutigt fühlen weiterzumachen.