Interview: Generalleutnant Müllner: „Putin kann Krieg nicht verloren geben“
Weil die Zahl freiwilliger Rekruten nicht ausreicht, hat Putin die Teilmobilmachung angeordnet.
Foto: IMAGO/ITAR-TASSBerlin. Russlands Präsident Wladimir Putin hat 300.000 Reservisten zu den Waffen gerufen, um im Krieg gegen die Ukraine die Wende zu seinen Gunsten zu schaffen. Karl Müllner, Generalleutnant a.D. und ehemaliger Inspekteur der Luftwaffe, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, was Putin zu diesem Schritt getrieben hat und was militärisch von der Teilmobilmachung zu halten ist. Zudem erläutert er, warum er Zweifel an der Offensivkraft der Ukraine hat.
Herr Müllner, Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine Teilmobilmachung angekündigt. Was bedeutet das für den weiteren Kriegsverlauf?
Putin musste etwas tun, da sein Bild als starker Mann angekratzt ist. Ganz offensichtlich ist die Berufsarmee angeschlagen, die Russen haben größere Verluste in der Ukraine gemacht. Er musste nun zeigen, dass er das Heft des Handelns in der Hand hat. Klar ist doch, Putin kann den Krieg nicht verloren geben, weil die Ukraine Geländegewinne gemacht hat.
Der Krieg in der Ukraine ist auch in Russland wenig populär. Die Einberufung von Reservisten stellt doch ein gewisses Risiko dar, dass sich die Menschen dagegen sträuben.
Mit Zwangsrekrutierung und Geldprämien hat das russische Militär seine Reihen nicht auffüllen können, Putin musste daher eskalieren. Das Reservistenpotenzial wäre übrigens noch größer. Er kann also gezielt Reservisten anwerben und bei der Auswahl Moskau und St. Petersburg schonen.