Konjunktur: Chinas Einzelhandel erholt sich leicht
In der Volksrepublik ist in weiten Teilen des Landes wieder Normalität eingekehrt.
Foto: dpaPeking. Chinas Wirtschaft zeigt weitere Anzeichen der Erholung. Im August stiegen erstmals in diesem Jahr die Einzelhandelsverkäufe wieder leicht um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Die meisten Analysten hatten mit einer Stagnation gerechnet.
Die Industrieproduktion verzeichnete mit 5,6 Prozent im Vorjahresvergleich den höchsten Anstieg der vergangenen acht Monate, wie die nationale Statistikbehörde am Dienstag mitteilte.
Chinas Wirtschaft hatte durch die Coronakrise einen schweren Schlag erlitten. Im ersten Quartal war sie um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Es war das erste Mal seit Beginn der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen im Jahr 1992, dass China ein Minuswachstum mitgeteilt hatte. Im zweiten vergangenen Quartal war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt dann um 3,2 Prozent gewachsen.
In den vergangenen Monaten hatte sich zwar – bedingt durch massive staatliche Investitionen in Infrastrukturprojekte – die Industrieproduktion erholt. Die Nachfrage blieb jedoch gedämpft. Noch im Juli waren die Einzelhandelsverkäufe um 1,1 Prozent im Vorjahresvergleich gesunken.
„Starke Investitionen in Immobilien und Infrastruktur haben möglicherweise zu einer gewissen Erholung der Arbeitsplätze geführt, insbesondere im Baugewerbe und in den vorgelagerten Industriesektoren, was zu einer Verbesserung des Haushaltseinkommens geführt hat“, hieß es in einer Analyse der Ökonominnen Jingyang Chen und Shanshan Song von der HSBC-Bank. Zudem habe die schnelle Reaktion auf neue Corona-Fälle in China zu mehr Vertrauen der Verbraucher in eine Stabilität geführt, sodass bislang nicht getätigte Käufe nachgeholt worden seien.
In der Volksrepublik ist in weiten Teilen des Landes wieder Normalität eingekehrt. Sogar große Konferenzen finden wieder statt, Kinos und Bars sind weitgehend uneingeschränkt geöffnet.
Die Nachfrage anzukurbeln ist von entscheidender Bedeutung
Insgesamt sind Bevölkerungsschichten in China höchst unterschiedlich von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen. Während insbesondere arme chinesische Bürger ihre Jobs verloren haben oder monatelang keine Einkommen bekamen und Tagelöhner Schwierigkeiten haben, an Aufträge zu kommen, ist die wohlhabende Schicht von der Krise kaum betroffen.
Das zeigt sich auch in den Zahlen: Luxusgüter und Autos im Premiumsegment erlebten in den vergangenen Monaten eine deutliche Erholung. Davon profitierten auch die deutschen Autohersteller.
„Wenn China das Virus weiterhin wie in den vergangenen Monaten unter Kontrolle hält, wird dies ein stabiles inländisches Umfeld für eine stetige Erholung für den Rest dieses Jahres bedeuten“, sagte Betty Wang, Senior Economist bei der Australia & New Zealand Banking Group in Hongkong.
„Covid-19 hatte einen großen Einfluss auf den Konsum“, sagte Chinas Premierminister Li Keqiang vergangene Woche bei einem Treffen des Staatsrats. Damit China ein positives Wachstum erreichen könnte in diesem Jahr, sei es „von entscheidender Bedeutung, die Nachfrage anzukurbeln“, sagte Li. Die chinesische Regierung will unter anderem mit Steueranreizen vor allem den Onlinehandel weiter beleben.